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Pistorius-Prozess: Oscar Pistorius fühlt sich "absolut wertlos"

Psychologin im Kreuzverhör  

Oscar Pistorius fühlt sich "absolut wertlos"

13.10.2014, 14:23 Uhr | t-online.de, AP, dpa

Pistorius-Prozess: Oscar Pistorius fühlt sich "absolut wertlos". Ex-Sprintstar Oscar Pistorius hatte seine Freundin in der Valentinsnacht 2013 erschossen (Quelle: dpa)

Ex-Sprintstar Oscar Pistorius hatte seine Freundin in der Valentinsnacht 2013 erschossen (Quelle: dpa)

Im Prozess gegen den südafrikanischen Paralympics-Star Oscar Pistorius haben sich Verteidigung und Anklage ein erstes Gefecht um die Höhe des Strafmaßes geliefert. Bei Anhörungen vor Gericht in Pretoria zog Staatsanwalt Gerrie Nel Aussagen einer Trauma-Therapeutin in Zweifel. Sie stellte Pistorius als gebrochenen Mann dar, der unfähig sei, den Tod seiner Geliebten zu überwinden. Staatsanwalt Nel spricht dagegen mit Blick auf das Opfer von einer "gebrochenen Familie".

Pistorius war vor einem Monat der fahrlässigen Tötung seiner 29 Jahre alten Freundin Reeva Steenkamp schuldig gesprochen worden. Er hatte sie in der Nacht zum Valentinstag 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Pistorius gab an, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben.

Nun muss Richterin Thokozile Masipa nach der Anhörung von Argumenten der Anklage und der Verteidigung entscheiden, welche Strafe Pistorius dafür bekommt. Möglich wären nach südafrikanischem Recht bis zu 15 Jahre Haft. Dem einstigen Sportidol Südafrikas könnte das Gefängnis aber auch erspart bleiben. Masipa hat die Möglichkeit, eine Bewährungsstrafe zu verhängen oder sogar nur Hausarrest in Kombination mit gemeinnütziger Arbeit.

Psychologin: "Gewissensbisse sind echt"

"Oscar Pistorius mag ja ein gebrochener Mann sein, aber er kann sein Leben fortsetzen", sagte Staatsanwalt Nel im Kreuzverhör der Psychologin Lore Hartzenberg. Die anerkannte Trauma-Expertin hatte Pistorius monatelang betreut, nachdem er seine Freundin - versehentlich, wie er immer wieder beteuerte - mit mehreren Schüssen getötet hatte. Pistorius habe oft spontan geweint, Trauer und Schmerz hätten ihn überwältigt.

"Ich kann bestätigen, dass seine Gewissensbisse und sein Schmerz echt sind", sagte Hartzenberg. Seit der Bluttat fühle sich der einst angehimmelte Sportstar bis heute "absolut wertlos". Er habe noch keinen Weg gefunden, sein Trauma zu überwinden. Er habe nicht nur die Frau verloren, die er liebte, sondern auch seinen Ruf, Freunde, Einkommen und sein Selbstwertgefühl.

Staatsanwalt sät Zweifel

Der Staatsanwalt versuchte immer wieder, dies in Zweifel zu ziehen. Unter anderem, indem er andeutete, Pistorius könne bereits wieder an die Fortsetzung seiner Karriere als Paralympics-Sportler denken. "Würden Sie nicht eine gebrochene Familie erwarten?", erwiderte Nel auf die Darstellung der Psychologin. Steenkamps Vater Barry habe als Folge des Mordes an seiner Tochter einen Schlaganfall erlitten, sagte er weiter.

"Wir haben es mit einem gebrochenen Mann zu tun, aber er ist noch am Leben", kritisierte Nel die Psychologin, die eigenen Worten zufolge auf Traumata spezialisiert ist und Pistorius elf Tage nach seiner Tat erstmals traf. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde Pistorius noch einmal eine Chance bekommen, sein Leben neu aufzubauen, sagte Nel weiter.

Entscheidung Ende der Woche?

Nel hatte Pistorius wegen Mordes angeklagt. Damit hatte er sich jedoch nicht durchsetzen können. Die Richterin befand, dass für Mord keine hinreichenden Beweise vorgelegt worden seien. Sie akzeptierte die Version des beinamputierten und auf Prothesen laufenden Sprinters, wonach er die Person hinter der Toilettentür für einen Einbrecher gehalten habe. Jedoch sei die Abgabe mehrerer Schüsse absolut fahrlässig gewesen.

Die Entscheidung über das Strafmaß werde Richterin Masipa voraussichtlich bis Ende der Woche fällen, sagte der Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde (NPA) Südafrikas, Nathi Mncube, zu Reportern. Nach der Verteidigung bekommt die Staatsanwaltschaft Gelegenheit, neue Zeugen zu präsentieren. Damit wird für Dienstag gerechnet.

Unklar ist bislang, ob Pistorius im Falle einer Verurteilung zu einer Haftstrafe sofort ins Gefängnis muss. Bisher ist er auf Kaution frei. Möglich wäre auch, dass Staatsanwaltschaft oder Verteidigung Berufung gegen das Strafmaß einlegen. Dann könnte Pistorius mindestens bis zur Verhandlung vor einer höheren Instanz weiter gegen Kaution in Freiheit bleiben.

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