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Urteil im Fall Michael Brown führt zu Krawallen in Ferguson

Polizist nicht angeklagt  

Plünderungen, brennende Gebäude, Schüsse auf Einsatzkräfte - Ferguson brennt

25.11.2014, 09:48 Uhr | rtr, dpa, AP, t-online.de, AFP

Urteil im Fall Michael Brown führt zu Krawallen in Ferguson. Wieder Krawalle in Ferguson (Quelle: AP/dpa)

Nach dem Urteil im Fall Michael Brown kam es zu schweren Ausschreitungen in Ferguson. (Quelle: AP/dpa)

Experten hatten das Urteil erwartet, Bürgerrechtler befürchtet. Eine Geschworenenjury hat entschieden, den weißen Polizisten Darren Wilson nicht für die tödlichen Schüsse auf den schwarzen 18-jährigen Michael Brown in Ferguson anzuklagen. In Folge kam es zu heftigen Ausschreitungen: Dutzende Gebäude stehen in Flammen, immer wieder kommt es zu Plünderungen, auf Polizisten wird geschossen.

Eine Grand Jury (Geschworenenjury) sehe keine hinreichenden Beweise für eine Straftat, so Staatsanwalt Robert McCulloch in Clayton. US-Präsident Obama verteidigte das Urteil, rief zur Besonnenheit und Zurückhaltung auf. Die Entscheidung sorgte jedoch für Unmut in der Bevölkerung, Proteste schlugen in Gewalt um.

Die drei schwarzen und neun weißen Geschworenen hätten sich in 25 Sitzungen mit dem Fall beschäftigt und 60 Zeugen vernommen. "Es ist keine Frage, dass Darren Wilson den Tod von Michael Brown verursacht hat, indem er ihn erschoss", erläuterte McCulloch. "Aber die Pflicht der Grand Jury ist, die Fakten von Erfundenem zu trennen. Es existiert kein hinreichender Verdacht für irgendwelche Anklagepunkte."

Weite Teile der Stadt brennen

Unmittelbar nach der Verkündung der Entscheidung kam es in Ferguson bei Protestkundgebungen zu ersten Gewaltausbrüchen. Demonstranten warfen mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge, wie die Sender CNN und MSNBC berichteten. CNN zeigte Bilder von Plünderungen. Außerdem seien mehrere Schaufensterscheiben von Läden zerschmettert worden.

Nach CNN-Angaben setzte die Polizei Tränengas ein. MSNBC sprach dagegen von Rauchbomben.

Im US-Fernsehen waren zunächst Bilder von vereinzelten Feuern zu sehen. Inzwischen stehen weite Teile der Stadt in Flammen, erklärte die Polizei im St. Louis County. Feuerwehrmänner, die zum Löschen ausgerückt seien, mussten einem Zeitungsbericht der "St. Louis Post-Dispatch" zufolge von einem brennenden Gebäude wieder abrücken, nachdem Schüsse fielen.

Die Krawalle sind nach Einschätzung der Polizei noch schlimmer als direkt nach dem Tod des schwarzen Jugendlichen im August.

Schüsse auf Polizisten

Bei den Ausschreitungen wurden zahlreiche Schüsse auf Beamte abgegeben worden. Es sei aber niemand getötet worden, weder unter den Demonstranten noch bei der Polizei, berichtete der Polizeichef des Bezirks St. Louis, John Belmar.

In University City nahe Ferguson ist zudem ein Polizist angeschossen worden. Der Beamte sei am Arm verletzt worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, teilte die Polizei mit. Ob dieser Vorfall mit den Unruhen in Ferguson zusammenhänge, sei noch unklar.

Landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt

Über den Tag hatten sich nach Schätzungen Hunderte zu einer Protestkundgebung versammelt. Einige trugen Schilder, mit denen sie eine Anklage des Polizisten forderten. Andere erklärten: "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Auch zahlreiche Polizisten und viele Medienvertreter brachten sich in Stellung.

Die Demonstrationen beschränkten sich nicht auf Ferguson. Auch in New York, Boston, Chicago, Seattle und Los Angeles protestierten Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Anders als in Ferguson blieben die Proteste in den übrigen Städten zunächst jedoch friedlich.

Eltern von Michael Brown appellieren an Demonstranten

Der Bürgermeister von Ferguson sowie der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, riefen die Bewohner zur Besonnenheit auf.

Auch die Eltern des erschossenen Jugendlichen Michael Brown appellierten an die Demonstranten, friedlich zu bleiben: "Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion."

Obama ruft zur Ruhe auf

Barack Obama wandte sich umgehend an die Presse, um das Urteil einer Geschworenenkammer zu verteidigen. "Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet", sagte er in Washington. "Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, die von der Jury zu treffen war."

Zugleich rief Obama auf, nicht mit gewaltsamen Protesten zu reagieren. "Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt", sagte er. Die Polizei forderte er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten.

Die Situation sei aber auch exemplarisch für gesellschaftliche Herausforderungen in den USA, sagte der Präsident. Es bestünden immer noch tiefes Misstrauen zwischen farbigen Menschen und der Polizei. "Es gibt immer noch Probleme und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur."

Wilson hatte Brown am 9. August nach einer Auseinandersetzung erschossen. Der Tod des 18-Jährigen hatte in der 20.000-Einwohner-Stadt schwere Unruhen ausgelöst. Die Demonstranten forderten eine umfassende juristische Aufklärung. Der Polizist beruft sich auf Notwehr.

Familie des Jungen "zutiefst enttäuscht"

Die Familie des Jugendlichen kritisierte die Entscheidung. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird", ließen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen. Gleichzeitig riefen sie Demonstranten gegen das Urteil auf, friedlich zu bleiben. "Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion."

Für Wilson könnte der Fall weiterhin ein juristisches Nachspiel haben, denn die Bundesbehörden ermitteln weiter gegen den Beamten. Dabei geht es um die Frage, ob Wilson aus rassistischen Motiven geschossen und damit die Bürgerrechte des Teenagers verletzt hat. Auch könnte die Familie des Jugendlichen den Polizisten zivilrechtlich verklagen.

Flugverkehr über Ferguson eingeschränkt

Die Polizei hatte sich auf neue Ausschreitungen in dem Vorort der Metropole St. Louis vorbereitet. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, hatte bereits vergangene Woche den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde mobilisiert.

Angesichts der Unruhen nach der Jury-Entscheidung wurde auch der Flugverkehr über Ferguson eingeschränkt. Das gab die US-Luftfahrtbehörde FAA bekannt. Den Schritt begründete sie mit dem Ziel, "eine sichere Umgebung für die Aktivitäten der" Polizei zu schaffen. Den Angaben zufolge wurden bereits zehn Flüge vom Airport Lambert-St. Louis umgeleitet. Nach Flughafenangaben sind nur ankommende Maschinen von der Maßnahme betroffen.

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