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Costa-Kapitän Schettino: "Bin der Erste nach Gott"

Costa-Kapitän Schettino  

Auf dem Schiff "bin ich der Erste nach Gott"

04.12.2014, 13:18 Uhr | dpa, AFP

Costa-Kapitän Schettino: "Bin der Erste nach Gott" . Von Selbstzweifeln keine Spur: Francesco Schettino, der ehemalige Kapitän der Costa Concordia, rechtfertigt sein Verhalten mit markigen Sprüchen (Quelle: dpa)

Von Selbstzweifeln keine Spur: Francesco Schettino, der ehemalige Kapitän der Costa Concordia, rechtfertigt sein Verhalten mit markigen Sprüchen (Quelle: dpa)

Der ehemalige Kapitän der Costa Concordia hat am zweiten Prozesstag auf sehr fragwürdige Art versucht, sein Verhalten bei der Havarie zu rechtfertigen: Auf dem Schiff "bin ich als Kommandant der Erste nach Gott", sagte Francesco Schettino vor dem Gericht im toskanischen Grosseto.

Nach der Havarie des Kreuzfahrtkolosses mit 32 Toten im Januar 2012 habe er nicht sofort Alarm ausgelöst, um das Schiff noch möglichst nah an die Insel heran zu steuern. "Sonst wären die Leute ins Meer gesprungen, als die Concordia nach dem Aufprall noch auf hoher See war", erklärte der 54-Jährige laut Nachrichtenagentur Ansa.

Über eine Stunde fahrlässig verstreichen lassen

Zudem habe er dem Schiffspersonal Anweisungen gegeben, die Passagiere zu beruhigen. "Ich habe eine Panik befürchtet", antwortete Schettino auf die Frage des Staatsanwalts Alessandro Leopizzi, warum er sich für die Anordnung zur Evakuierung des Schiffs mehr als eine Stunde Zeit ließ.

Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" hatte am 13. Januar 2012 bei einem riskanten Manöver vor der zur Toskana gehörenden Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen zwölf Deutsche. Den Ermittlungen zufolge hatte das Schiff den der Insel vorgelagerten Felsen um 21.45 Uhr gerammt, die Anordnung zu seinem Verlassen kam aber erst um 22.54 Uhr.

"Wollte näher zur Insel kommen"

Während dieser Zeit bewegte sich der Koloss, dessen Maschinen komplett ausgefallen waren, nach einer Kehrtwende wieder in Richtung Hafen, bevor er endgültig auf Grund lief. Nach Auffassung der Anklage war Schettino völlig überfordert und zögerte gefährlich lange mit einer Entscheidung, während das Schiff manövrierunfähig durch das Wasser driftete.

Der Angeklagte dagegen sagte aus, er habe die "Costa Concordia" bewusst von Wind und Strömung näher an die Küste der Insel treiben lassen. "Ich habe den Alarm heraus gezögert, weil ich genau wusste, wie viel Manövrierzeit dem Schiff bleibt. Ich kenne die Concordia genau, ich wollte näher zur Insel kommen und dann die Evakuierung anordnen", sagte er.

Den Vorwurf, aus Kostengründen keine Schlepper zur Stabilisierung des Schiffes angefordert zu haben, wies er ebenfalls zurück. "Ich habe das Schiff nicht über das Leben der Menschen gestellt. Über die Kosten hätte ich mir erst später Gedanken gemacht".

Feige Flucht ins Rettungsboot

Zu einem weiteren Vorwurf der Anklage, wonach Schettino das Schiff in Panik in einem Rettungsboot verließ, obwohl noch Menschen an Bord waren, wurde der Ex-Kapitän noch nicht befragt. Aus dem Funkgespräch mit dem wütenden Leiter der Küstenwache geht hervor, dass er sich später weigerte, an Bord des Schiffs zurückzukehren und sich seiner Verantwortung als Kapitän zu stellen.

Schettino gab damals an, in das Rettungsboot gefallen und dann an Land geblieben zu sein, um von dort aus die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Vor allem die Veröffentlichung des Funkgesprächs brachte ihm den wenig schmeichelhaften Titel "Kapitän Feigling" und "Italiens meistgehasster Mann" ein.

Staatsanwalt will 20 Jahre fordern

In dem vor anderthalb Jahren begonnenen Prozess muss sich Schettino wegen fahrlässiger Tötung in mehreren Fällen, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffs in Seenot verantworten. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erstmals bekanntgegeben, dass sie 20 Jahre Gefängnis fordern will.

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