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Hongkong: Dienstmädchen siegt gegen ihre Peinigerin

Folter als Berufsrisiko?  

Dienstmädchen siegt gegen ihre Peinigerin

27.02.2015, 13:50 Uhr | dpa

Hongkong: Dienstmädchen siegt gegen ihre Peinigerin. Erwiana Sulistyaningsih (Mitte) hat vor Gericht gesiegt, ihre Peinigerin muss sechs Jahre in Haft. (Quelle: dpa)

Erwiana Sulistyaningsih (Mittte) hat vor Gericht gesiegt, ihre Peinigerin muss sechs Jahre in Haft. (Quelle: dpa)

Erfolgreiche Vorkämpferin gegen Quälerei: Erwiana Sulistyaningsih hat vor Gericht gesiegt und ist keine schwache Untergebene mehr. Acht teils qualvolle Monate hat sie als Dienstmädchen in Hongkong erleiden müssen. Ihre Arbeitgeberin drangsalierte sie mit Schlägen, Demütigungen, Schlaf- und Essensentzug. Die Indonesierin ging gegen ihre Peinigerin vor. Sie ist Klägerin und Vorkämpferin für Hunderttausende Frauen aus Südostasien, die als Haushaltshilfen in Hongkong arbeiten und ähnliches ertragen müssen.

Sechs Jahre muss ihre Arbeitgeberin in Haft. Das hat Richterin Amanda Woodcock entschieden. Aber Erwiana Sulistyaningsih ist nicht nach Jubeln zumute, als sie Arm in Arm mit Unterstützerinnen vor das Gerichtsgebäude tritt. "Gerechtigkeit" steht auf ihrem schwarzen T-Shirt.

"Sechs Jahre Haft sind nicht genug. Das steht in keinem Verhältnis zu den Verbrechen, die sie mir angetan hat", lässt Erwiana Sulistyaningsih in einem Flugblatt mitteilen. Für sie ist das Urteil lediglich ein Etappensieg. Der Kampf für ihre Rechte geht weiter: "Das schlimme Verhalten muss gestoppt werden. Die Verantwortlichen müssen bestraft werden."

Mit Kleiderbügel geschlagen

Wie viele Frauen aus Indonesien war Sulistyaningsih auf der Suche nach einer gut bezahlten Arbeit, als sie 2013 nach Hongkong kam. Was sie fand, beschreibt sie jedoch als Hölle. Sie musste auf dem Boden schlafen, oft bis zu 21 Stunden täglich arbeiten und bekam nicht einen Tag frei. Wenn sie ihre Arbeit nicht schnell genug erledigte, habe ihre Chefin sie mit allem geschlagen, was sie gerade greifen konnte: einem Wischmopp, einem Lineal oder einem Kleiderbügel.

Erwiana Sulistyaningsih beschreibt grausame Szenen. Ihre Chefin habe ihr in einem Wutanfall den Schlauch eines Staubsaugers in den Mund gerammt. Ein anderes Mal habe ihre Peinigerin sie nackt unter eine Dusche gestellt und sie mit kaltem Wasser bespritzt.

Acht schlimme Monate

Nach acht Monaten ist die Indonesierin am Ende. Verletzungen haben sich entzündet, sie kann schlecht sehen und kaum noch laufen, wie später ihre Ärzte erzählen. Ihre Chefin setzt sie in ein Flugzeug nach Indonesien und droht Sulistyaningsih, dass ihr und ihrer Familie Schreckliches geschehen werde, falls sie über ihre Tortur sprechen sollte.

Bilder von ihr kurz nach der Ankunft in Indonesien machen die Runde. Ihre Haut ist von Schnitten und Entzündungen überzogen. Apathisch liegt sie in ihrem Krankenhausbett. Ihre Ärzte sagen, dass sie Grausames durchmachen musste.


Dutzende ähnlicher Fälle

Als Sulistyaningsih wieder zu Kräften kommt, will sie nicht schweigen, sondern für ihre Rechte kämpfen. Als ihr Fall bekannt wird, melden sich Dutzende Dienstmädchen in Hongkong, denen Ähnliches passiert ist. Der Brite Tom Grundy ruft eine Kampagne ins Leben, die für mehr Rechte von Haushaltshilfen in Hongkong eintritt. Grundy begrüßt das Urteil des Gerichtes. Aber er fordert mehr: "Die Regierung hat kein bisschen eingelenkt und keine Gesetzesreformen angestoßen", sagt er.

Denn für ihn und Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International liegt ein wichtiger Grund für die Probleme der mehr als 300.000 Haushaltshilfen in schlechten Gesetzen. Oft seien die meist jungen Frauen ihren Arbeitgebern und den Agenturen ausgeliefert, die sie nach Hongkong bringen.

Problem durch Pflicht beim Arbeitgeber zu wohnen

Eine Regel sieht vor, dass sie nach Kündigung innerhalb von zwei Wochen eine neue Stelle finden müssen. Sonst werden sie ausgewiesen. "Die Pflicht, bei ihren Arbeitgebern zu wohnen, trug ebenfalls dazu bei, dass ihre Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte vielfach verletzt wurden", schreibt Amnesty International.

Deshalb hoffen viele Dienstmädchen auf umfassende Reformen. "Haftstrafen für schlechte Chefs werden die Ausbeutung von Haushaltshilfen nicht stoppen", schreibt die Hongkonger "Mission for Migrant Workers", die sich für die Rechte von Gastarbeitern einsetzt. Nicht allen Haushaltshilfen geht es schlecht. Aber die Aktivisten wollen für Regeln kämpfen, die allen gute Arbeitsbedingungen ermöglichen.

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