Sie sind hier: Home > Panorama > Justiz >

Freispruch für Amanda Knox in Italien

Oberstes Gericht in Rom urteilt  

Amanda Knox ist vom Mord-Vorwurf freigesprochen worden

28.03.2015, 14:25 Uhr | dpa

Freispruch für Amanda Knox in Italien. Die US-Amerikanierin Amanda Knox ist vom Vorwurf des Mordes an einer britischen Studentin vom Obersten Gerichtshof in Rom freigesprochen worden. (Quelle: AP/dpa)

Das Oberste Gericht Italiens hat im Falle Amanda Knox erneut Recht gesprochen. (Quelle: AP/dpa)

Überraschendes Urteil: Der Oberste Gerichtshof in Italien hat die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Das Gericht kippte damit die Verurteilung der Beiden zu langen Haftstrafen aus voriger Instanz. Das Urteil markiert das Ende eines Justizkrimis, der sich über Jahre hinzog. Die Urteilsbegründung soll binnen der kommenden 90 Tage veröffentlicht werden.

Das höchste Gericht Italiens ordnete überdies an, dass es kein neues Verfahren geben werde. Damit ist der Fall definitv abgeschlossen. Die Anwälte der beiden Verurteilten hatten in ihren Abschlussplädoyers Freisprüche für ihre Mandanten gefordert.

Es war das insgesamt fünfte Urteil in diesem Fall. Die 27-jährige Knox bekam stattdessen eine Strafe von drei Jahren wegen Verleumdung, die sie allerdings schon abgesessen hat. Knox hatte nach der Tat fälschlicherweise den Kneipenbesitzer Patrick Lumumba beschuldigt. Dieser wurde später durch eine Zeugenaussage entlastet.

"Engel mit den Eisaugen" beteuerte stets Unschuld

Die junge Frau, von der Presse auch der "Engel mit den Eisaugen" genannt, hatte dem Prozess nicht beigewohnt und ließ sich durch ihren Verteidiger Carlo Dalla Vedova vertreten.

Knox und ihrem vier Jahre älterer italienischem Ex-Freund, der ebenfalls nicht im Gerichtssaal war, war vorgeworfen worden, im November 2007 die damals 21 Jahre alte Austauschstudentin Meredith Kercher im gemeinsamen Studienort Perugia brutal vergewaltigt und anschließend brutal ermordet zu haben. Der Britin war die Kehle durchschnitten worden. Die drei Studenten hatten in einer Wohngemeinschaft gelebt.

Schnell war der Verdacht auf Knox und Sollecito gefallen. Die junge Amerikanerin wurde teils als "Teufelsweib" dargestellt, das sexuelle Abenteuer suche. Die beiden Beschuldigten hatten stets ihre Unschuld beteuert und angegeben, sie hätten zum Zeitpunkt der Bluttat den Abend in Sollecitos Wohnung verbracht, dort einen Film angesehen und Marihuana geraucht.

Der Italiener Sollecito erfuhr gemeinsam mit seiner Familie in seiner Heimat Apulien von dem Freispruch. "Es ist vorbei. Wir weinen vor Freude", sagte sein Vater Francesco. Raffaele Sollecito selbst erklärte: "Ich bin unendlich glücklich, dass dieselbe Justiz, die mich zu Unrecht verurteilt hat, mir heute meine Würde und meine Freiheit zurückgegeben hat."

Ein Justizkrimi in mehreren Akten

Sechs Richter am Obersten Gericht Italiens mussten entscheiden, ob die Schuldsprüche gegen Knox und Sollecito aus dem vergangenen Jahr rechtens sind. 2014 war die Amerikanerin zu 28 Jahren und sechs Monaten und ihr italienischer Ex-Freund zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, die Strafen zu bestätigen und um je drei Monate zu reduzieren.

Knox und Sollecito waren 2009 zum ersten Mal verurteilt worden, bevor 2011 nach insgesamt vier Jahren in Untersuchungshaft und regulärer Haft wegen Zweifeln an den DNA-Beweisen ein Freispruch folgte. Diesen kippte das höchste Gericht Italiens, woraufhin ein Berufungsgericht 2014 beide erneut schuldig sprach. Dagegen hatten Knox und Sollecito ein weiteres Mal Berufung eingelegt.

Fehlerhafte Ermittlungen?

Sollecitos Verteidigerin Giulia Bongiorno hatte bereits im Zusammenhang mit der ersten Verurteilung ihres Mandanten gesagt, die Ermittlungen seien von schwerwiegendem Fehlern und Widersprüchen gezeichnet gewesen. "Während der Gewalt gegen Meredith hat er einen Zeichentrickfilm angeschaut. Raffaele Sollecito ist ein Unschuldiger, der in eine spektakuläre und gigantische Affäre hineingeschlittert ist. Sprechen Sie ihn frei", hatte sie gefordert.

Knox war nach ihrem ersten Freispruch 2011 in ihre Heimatstadt Seattle zurückgekehrt, während Sollecito in Italien blieb. Knox hatte sich stets geweigert, nach Italien zurückzukehren. Als einziger bislang für die Tat verurteilt ist der Ivorer Rudy Guede. Er war nach seiner Flucht in Deutschland festgenommen worden und sitzt wegen Beihilfe zum Mord eine Haftstrafe von 16 Jahren ab.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal