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Mordfall Frederike bleibt ungesühnt: Vater kämpft weiter

Über 30 Jahre nach Mord an Tochter  

Vater verzweifelt an verzwickter Rechtslage

22.05.2015, 11:28 Uhr | dpa

Mordfall Frederike bleibt ungesühnt: Vater kämpft weiter. Hans von Möhlmann mit einem Bild seiner toten Tochter Frederike: Die Schülerin wurde vor knapp 34 Jahren ermordet. (Quelle: dpa)

Hans von Möhlmann mit einem Bild seiner toten Tochter Frederike: Die Schülerin wurde vor knapp 34 Jahren ermordet. (Quelle: dpa)

Nach mehr als drei Jahrzehnten hat Hans von Möhlmann Gewissheit: Er weiß nun, wer seine Tochter Frederike vergewaltigte und tötete - eine DNA-Untersuchung lieferte neue Beweise. Doch auf die Erleichterung folgte der Schock. Der mutmaßliche Mörder wird wohl auf freien Fuß bleiben - und von Möhlmann kämpft weiter um Gerechtigkeit für seine tote Tochter.

Frederike war 17 Jahre alt, als sie im November 1981 als Anhalterin in ein Auto stieg. Die Schülerin aus Hambühren wurde in einem Wald in der Nähe ihres Heimatortes bei Celle missbraucht, erstochen und entsetzlich zugerichtet liegengelassen.

"Ich bin seit über 30 Jahren auf der Suche nach dem Mörder meiner Tochter", sagt ihr 72-jähriger Vater. Vor kurzem sah es so aus, als könnte er ihn endlich gefunden haben.

Anklage gegen mutmaßlichen Täter nicht möglich

Experten des Landeskriminalamtes in Hannover hatten sich die alten Beweismittel mit neuen Untersuchungsmethoden noch einmal vorgenommen und DNA-Spuren gesichert, die einen 56-Jährigen stark belasten. Dieser Mann war bereits 1982 in dem Mordfall schuldig gesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil allerdings auf: Der Verdächtige wurde 1983 vom Landgericht Stade aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Hier liegt das Problem: Kein Verdächtiger kann in Deutschland nach einem rechtskräftigen Freispruch in der gleichen Sache noch einmal angeklagt werden. Es sei denn, er gesteht die Tat.

"Als ich aus dem Bericht des LKA erfahren habe, dass DNA gefunden wurde, habe ich geweint vor Erleichterung", erzählt der Vater des Opfers. Umso größer war sein Entsetzen, als er erfuhr, dass die entdeckten Beweismittel aufgrund des Freispruchs nicht ausreichen, um einen neuen Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder aufzurollen.

"Nicht zumutbar, dass er frei herumläuft"

Der frühere Sozialarbeiter von Möhlmann kämpft dennoch gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Wolfram Schädler für ein erneutes Verfahrens. "Ganz gleich, wie der Kampf ausgeht, wir müssen ihn für Frederike kämpfen", sagt Schädler. "Sie durfte ihr Leben nicht mehr führen, wohl aber ihr Täter." Der Vater ergänzt: "Für mich ist es nicht zumutbar, dass er frei herumläuft. Ich habe Hoffnung, dass er noch hinter Gitter kommt."

Frederikes Vater und sein Anwalt haben eine Zivilklage auf Schadenersatz gegen den 56-Jährigen beim Landgericht Lüneburg eingereicht. Sie wollen so auf den ungeklärten Mordfall aufmerksam machen und den Tatverdächtigen dazu auffordern, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Der Rechtsanwalt des 56-Jährigen, Matthias Waldraff, hat beantragt, die Klage abzuweisen. Die Ansprüche seien verjährt. Der Freispruch seines Mandanten sei darüber hinaus unverändert gültig. "Wir dürfen ihn nicht sozial ächten", betont Waldraff und verweist darauf, dass es sich bei der DNA-Spur nur um einen neuen Verdacht handele. Ein Termin für die mündliche Verhandlung in dem Zivilverfahren steht noch nicht fest.

Politiker diskutieren den Mordfall Frederike

Unterdessen beschäftigt der Fall auch die niedersächsische Politik. Der CDU-Abgeordnete Thomas Adasch, der wie das Opfer aus Hambühren kommt, machte den Mordfall zum Thema im Justizausschusses des Landtags. Die CDU-Fraktion forderte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) dazu auf, die für viele Menschen nicht nachvollziehbare Rechtslage bei der nächsten Justizministerkonferenz zu besprechen.

Die Ministerin sieht aber keinen Anlass für eine niedersächsische Gesetzesinitiative. "Das Grundgesetz verbietet grundsätzlich, Täter wegen derselben abgeurteilten Tat erneut zu verfolgen. Ich kann jedoch nachempfinden, wenn dies geltende Recht bei Angehörigen von Opfern die Grenzen des persönlich Erträglichen überschreitet", so Niewisch-Lennartz.

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