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Sterbehilfe-Urteil: Vincent Lambert darf sterben

Urteil im Sterbehilfe-Fall  

Wachkomapatient Vincent Lambert darf sterben

05.06.2015, 12:54 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Sterbehilfe-Urteil: Vincent Lambert darf sterben. Der Wachkomapatient Vincent Lambert und seine Mutter im Jahr 2014. (Quelle: dpa/Photopqr)

Der Wachkomapatient Vincent Lambert und seine Mutter im Jahr 2014. (Quelle: Photopqr/dpa)

Im Rechtsstreit um passive Sterbehilfe für den querschnittsgelähmten Franzosen Vincent Lambert hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sein Urteil verkündet. Die Straßburger Richter stimmten einem Ende der künstlichen Ernährung zu und billigten damit die passive Sterbehilfe für Lambert. Die dagegen gerichtete Beschwerde der Eltern und zweier Geschwister lehnten sie mit ihrem Urteil ab.

Der 38-Jährige liegt seit einem Verkehrsunfall im September 2008 im Wachkoma und wird mit Ernährung durch eine Magensonde künstlich am Leben gehalten. In Frankreich hat die Frage um Sterbehilfe für Lambert heftige Diskussionen ausgelöst und seine Familie entzweit. 

Keine Hoffnung auf Besserung

Lamberts Ärzte hatten im vergangenen Jahr in Übereinstimmung mit seiner Frau und fünf Geschwistern beschlossen, die künstliche Ernährung einzustellen, um den Schwerstbehinderten sterben zu lassen. Diese Entscheidung wurde im Juni 2014 vom französischen Conseil d'Etat - dem höchsten Verwaltungsgericht des Landes - gebilligt.

Nach Darstellung der Verwaltungsrichter hat Lambert irreversible Gehirnverletzungen erlitten, eine künstliche Lebensverlängerung um jeden Preis sei unzumutbar, hieß es in dem Staatsrats-Gutachten. Nach Ansicht seiner Ärzte besteht für den Patienten keine Hoffnung auf Besserung.

In Reaktion auf das Gutachten hatten Lamberts streng katholische Eltern Klage beim Straßburger Gerichtshof eingereicht. Für sie ist ihr Sohn schwerstbehindert. Einen Stopp der lebensverlängernden Maßnahmen erachten sie als "verkappte Euthanasie" und haben einen Verstoß gegen das Recht auf Leben und das Verbot der Folter und unmenschlicher Behandlung der Europäischen Menschenrechtskonvention geltend gemacht.

Kein Verstoß gegen das Grundrecht auf Leben

In einer ersten Entscheidung hatte der Straßburger Gerichtshof Frankreich dazu aufgefordert, den Patienten bis zur nun erfolgten Verkündung des endgültigen Urteils am Leben zu halten.

Dass das Abschalten der lebenserhaltenden Geräte ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Leben sei, verneinten die Richter mit ihrer jetzigen Entscheidung jedoch. Das Urteil wurde von der Großen Kammer aus 17 Richtern gefällt. Dagegen ist kein Einspruch möglich. Das Urteil erging mit zwölf Stimmen, fünf der Richter hatten eine abweichende Meinung.

Stiftung Patientenschutz spricht von "Trauerspiel"

Problematisch an dem Fall war, dass der frühere Krankenpfleger Lambert keine Patientenverfügung hat und sich nicht äußern kann. Jedoch habe er laut seiner Frau vor seinem Unfall lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt. 

Für die Deutschen Stiftung Patientenschutz ist der Streit um Sterbehilfe "ein Trauerspiel". Ein Fall wie Vincent Lambert, bei dem sich die Angehörigen nicht einig sind, sei auch in Deutschland denkbar, wenn keine wirksame Patientenverfügung vorliege, sagte Vorstand Eugen Brysch. Er schätzt die Zahl der Wachkomapatienten in Deutschland auf etwa 10.000.

In Frankreich können Ärzte zusammen mit Angehörigen eine "Lebensverlängerung um jeden Preis" abbrechen und unheilbar Kranke am Lebensende sterben lassen. Dies ist auch in Deutschland möglich. Aktive Sterbehilfe, also einem Menschen ein tödlich wirkendes Mittel zu verabreichen, ist in Deutschland, Frankreich und den meisten europäischen Ländern verboten.

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