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Amoklauf Winnenden: Vater des Täters muss Schadensersatz zahlen

Streit um Schadensersatz geregelt  

Vater des Winnenden-Amokläufers muss zahlen

07.08.2015, 18:03 Uhr | dpa

Amoklauf Winnenden: Vater des Täters muss Schadensersatz zahlen. Der 17-jährige Tim K. erschoss am 11. März 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst. (Quelle: dpa)

Der 17-jährige Tim K. erschoss am 11. März 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst. (Quelle: dpa)

Vor mehr als sechs Jahren hat Tim K. 15 Menschen und sich selbst erschossen. Nach dem Amoklauf von Winnenden zog sich der Streit zwischen der Versicherung der Hinterbliebenen der Opfer und den Eltern des Täters über Schadensersatz hin. Jetzt hat die Zivilkammer des Stuttgarter Landgerichts Recht gesprochen.

Der Vater muss der Unfallkasse Baden-Württemberg die Kosten für die Heilbehandlung von Schülern, Eltern und Lehrern ersetzen. Die Versicherung war in Vorleistung getreten und will nun das Geld zurück. Sie machte eine Forderung in Höhe von knapp 717.000 Euro geltend. Seit Jahren schwelt der Streit darüber, wie viel Geld die Eltern des Amokläufers an Hinterbliebene der Opfers und auch an Überlebende zahlen müssen.

Die Schadensersatzklage gegen die Mutter hingegen scheiterte. Hier habe nicht der sichere Nachweis erbracht werden können, dass sie vor dem Amoklauf ihres Sohnes den Aufbewahrungsort der Tatwaffe kannte, urteilte die 15. Zivilkammer weiter.

Höhe des Schadensersatzes nicht festgelegt

Die Höhe des Schadensersatzes, den der Vater zahlen muss, wurde zunächst nicht festgelegt. Dies soll im Laufe des weiteren Verfahrens geschehen.

Bislang waren alle Versuche einer gütlichen Einigung in der Schadensersatzklage gegen die Eltern gescheitert. Zuletzt hatte das Gericht eine Zahlung von 130.000 Euro in Raten an die Versicherung vorgeschlagen. Die Eltern lehnten dies jedoch ab und boten der Unfallkasse 70.000 Euro an. Eine Einigung kam schließlich nicht zustande.

Was für Klagen gibt es noch?

Vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart klagen noch mehrere ehemalige Lehrer, die vom Land Baden-Württemberg zumeist eine höhere Pension und eine einmalige Unfallentschädigung für das erlittene Trauma wollen.

Im April billigte das Verwaltungsgericht einer damals geschädigten Lehrerin ein erhöhtes Unfallruhegehalt sowie eine einmalige Unfallentschädigung zu. Der Amoklauf am 11. März 2009 sei als "qualifizierter Dienstunfall" zu werten.

Das Land will das Urteil nicht akzeptieren und rief deshalb im Juni den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim an. Ein Sprecher des Kultusministerium sagte, dem damaligen Urteil komme eine grundsätzliche Bedeutung zu, die auch für ähnliche künftige Fälle weitreichende Konsequenzen mit sich bringe.

Gegen wen klagt der Vater des Amokläufers?

Der Vater von Tim K. will gegen das Klinikum am Weissenhof Weinsberg und dort beschäftigte Ärzte und Therapeuten vorgehen. Damit hofft er auf Freistellung von Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüchen von Geschädigten der Amok-Ttat. Jörg K. argumentiert, dass die Klinik ihm nicht von der Gefahr berichtet habe, die von seinem dort behandelten Sohn ausging. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Wie geht es nun weiter?

Der Vater kann Rechtsmittel vor dem Oberlandesgericht gegen das Urteil einlegen. Spätestens Mitte September dürfte klar sein, ob er das auch getan hat, wie ein Sprecher des Landgerichts sagte.

Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, muss sich die Zivilkammer mit der Höhe des Schadensersatzes befassen. Ob bei dem Vater überhaupt Geld zu holen ist, kann man nicht sagen. Denn die Vermögensverhältnisse des Ehepaars seien unklar, sagte ein Sprecher der Unfallkasse.

17-Jähriger richtete 15 Menschen und sich selbst

Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der Flucht in Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte der Vater, ein passionierter Sportschütze, unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt. Er ist deswegen zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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