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Attentat auf Henriette Reker: OLG schasst Verteidiger von Frank S.

Überraschende Wende  

Verteidiger von Reker-Attentäter entlassen

07.06.2016, 10:58 Uhr | dpa

Attentat auf Henriette Reker: OLG schasst Verteidiger von Frank S.. Frank S. muss sich vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf für das Attentat auf Henriette Reker verantworten. (Quelle: dpa)

Frank S. muss sich vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf für das Attentat auf Henriette Reker verantworten. (Quelle: dpa)

Und noch eine Überraschung im Prozess um das Attentat auf Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker: Einer der beiden Verteidiger ist sein Mandat los. Es geht um einen Schriftwechsel mit einer Freundin des Angeklagten.

Die parteilose Reker war einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner OB mit einem Messerstich in den Hals lebensgefährlich verletzt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht beschloss nun überraschend, die Bestellung eines der beiden Pflichtverteidiger aufzuheben. Sowohl der Angeklagte als auch der Anwalt selbst hatten dies beantragt. Das Vertrauensverhältnis sei tief erschüttert.

Den Ausschlag gab offenbar ein E-Mail-Wechsel. Eine Freundin des Angeklagten hatte sich an das Gericht gewandt und behauptet, von dem Rechtsanwalt schriftlich belästigt worden zu sein. Dazu habe die Frau auch einen Schriftverkehr vorgelegt, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza. Der konkrete Inhalt der Mails wurde nicht bekannt.

Psychiaterin im Zeugenstand

Das Verfahren werde nun mit einem statt zwei Pflichtverteidigern fortgesetzt, lediglich die Aussage eines Zeugen müsse wiederholt werden, erklärte Havliza. Der Angeklagte hatte auch seinen zweiten Anwalt loswerden wollen. Dies hatte das Gericht aber abgelehnt.

Eine Psychiaterin sagte im Zeugenstand, sie habe nach der Tat ein Gespräch mit dem Angeklagten geführt und sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass bei ihm keine wahnhafte Störung vorliege. Sein Denken sei zwar "ausgreifend" und "beschleunigt", er habe auch eine Tendenz zu "überwertigen Ideen", letztlich habe aber kein Befund vorgelegen, der seine Unterbringung in der Psychiatrie gerechtfertigt hätte.

Aus Überzeugung arbeitslos

Was einen etwaigen Drogeneinfluss angehe, habe Frank S. sich ihr als Gelegenheits-Kiffer offenbart, der hin und wieder mal einen Joint rauche. In den Monaten vor der Tat habe ihm dazu aber das Geld gefehlt.

Er stehe politisch rechts und sei aus Überzeugung arbeitslos, weil er das "turbokapitalistische" System nicht unterstützen wolle, habe er erklärt. Die Wirtschaft wolle die Flüchtlinge nur, um sie als Sklavenkräfte auszubeuten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei außerdem dabei, einen Atomkrieg mit Russland zu provozieren. Nach Angaben eines Polizisten hatte der Angeklagte nach der Tag gesagt, er habe eigentlich Merkel angreifen wollen. Es sei aber zu schwierig, an die Regierungschefin heranzukommen.

Lebenslange Haft droht

Eine Polizistin sagte, der Attentäter habe auf sie einen klaren Eindruck gemacht und selbst erklärt, dass er nicht verrückt sei. Er habe nicht als geisteskrank gelten wollen. Er habe verhindern wollen, dass Reker Oberbürgermeisterin werde, um Schaden von der Stadt Köln und der deutschen Bevölkerung abzuwenden.

Der 44-jährige Frank S. stammt aus der rechtsextremen Szene. Er hat die Tat aus dem vergangenen Oktober bereits gestanden, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Ihm droht lebenslange Haft wegen versuchten Mordes. Als Motiv nannte er Rekers Einsatz für Flüchtlinge.

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