Sie sind hier: Home > Panorama > Justiz >

München: Hebamme wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt

...

Siebenfacher versuchter Mord  

Hebamme in München zu 15 Jahren Haft verurteilt

28.10.2016, 13:15 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

München: Hebamme wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Regina K. (2.v.r) steht am 26.01.2016 in München vor Prozessbeginn mit ihren Anwälten im Sitzungssaal des Landgerichts München. (Quelle: dpa)

Regina K. (2.v.r) steht am 26.01.2016 in München vor Prozessbeginn mit ihren Anwälten im Sitzungssaal des Landgerichts München. (Quelle: dpa)

Wegen siebenfachen versuchten Mordes an werdenden Müttern ist eine Hebamme zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem darf sie nie wieder im medizinischen Bereich arbeiten.

Das Landgericht München I sah es als erwiesen an, dass die 35 Jahre alte Regina K. ihren Opfern im hessischen Bad Soden am Taunus und im Münchner Klinikum Großhadern vor Kaiserschnitt-Geburten heimlich Blutverdünner verabreicht hatte. Die Frauen wären ohne Notoperationen gestorben. Die Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten. 

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Das Landgericht München I verhängte außerdem ein lebenslanges Berufsverbot und zu Entschädigungen. Die Patientinnen hätten "insbesondere in der geschützten, klinischen Umgebung" keinen Angriff auf ihr Leben erwartet, sagte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichtes, Michael Höhne.

Angeklagte wollte laut Richter Frust abbauen

Das habe die Angeklagte bewusst ausgenutzt, um Frust abzubauen. "Sie war verärgert über die aus ihrer Sicht fehlende Wertschätzung und Anerkennung. Mit der Schaffung von Krisensituationen wollte sie ihren Ärger abreagieren." Der Angeklagten wurde es "für immer verboten", als Hebamme oder generell im medizinischen Bereich zu arbeiten.

In einem Fall gab die Hebamme demnach einer Frau kurz vor der Geburt das blutverdünnende Mittel Heparin, das unter anderem nach Fehlgeburten verabreicht wird - oder zur Abtreibung, aber "unter keinen Umständen Schwangeren".

Die vom Richter als humorlose Einzelgängerin beschriebene Frau sei zwar fleißig und fachlich anerkannt gewesen - so schnitt sie einst als eine der Klassenbesten an der Hebammenschule in Kiel ab. Sowohl in Bad Soden als auch in München sei sie aber im Kollegenkreis unbeliebt gewesen und habe außerdem wiederholt Streit mit Ärzten gehabt. Um Ärzte in Schwierigkeiten zu bringen, habe sie deshalb ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Patientinnen die Medikamente verabreicht und die Frauen so in Notsituationen gebracht.

Die Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten und nach Angaben Höhnes nach den nicht-öffentlichen Plädoyers gesagt: "Wenn ich das gewesen wäre, dann wäre ich ja der Todesengel vom Kreißsaal." Während des neunmonatigen Prozesses schwieg sie ansonsten durchgehend. Die Plädoyers in dem Verfahren waren nicht-öffentlich, weil auch Teile der Hauptverhandlung nicht für die Öffentlichkeit zugänglich waren: Bei den Aussagen der Opfer war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Schwere Folgen für die Opfer

Wegen der Notoperationen können einige der betroffenen Frauen keine Kinder mehr bekommen. Ihnen musste die Gebärmutter und in einem Fall auch ein Eierstock entfernt werden. Eine der Frauen brauchte 44 Bluttransfusionen. Fünf Vorfälle passierten in Bad Soden, zwei in München.

Im Prozess wurde auch die Traumatisierung der Eltern thematisiert. Der Richter zitierte einen als Zeugen gehörten Vater, dem nach der Geburt seines Kinds mitgeteilt worden war, dass er sich darauf einstellen müsse, es allein aufzuziehen. Ein anderer sagte laut dem Richter: "Das sollte eigentlich der schönste Tag des Lebens werden, aber es wurde der schlimmste."

Münchner Klinik war gewarnt

Die Angeklagte war als Hebamme zu Beginn der Ende September 2011 begonnenen Tatserie im hessischen Bad Soden tätig. Nachdem sie dort nach einem Zwischenfall bei einer Geburt entlassen worden war, arbeitete sie im Münchner Klinikum Großhadern. Der Richter verwies in seinem Urteil darauf, dass die Bad Sodener Klinik trotz einer vor dem Arbeitsgericht geschlossenen Stillschweigevereinbarung vor der Hebamme gewarnt habe. Das Münchner Krankenhaus habe daraufhin auch ein Personalgespräch mit ihr geführt, eine Kündigung des bestehenden Arbeitsverhältnisses sei aber nicht möglich gewesen.

Laut "hessenschau.de" hatte die Frau im Streit mit dem Bad Sodener Krankenhaus vor dem Arbeitsgericht sogar eine Abfindung und ein "gutes" Arbeitszeugnis erstritten.

Die verurteilte Hebamme will das Urteil nicht akzeptieren. Ihr Anwalt Hermann Kühn kündigte noch am Freitag Rechtsmittel an. "Wir werden das Urteil anfechten und weiterhin dafür streiten, dass unsere Mandantin sich letztlich von diesem Makel befreien kann."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
NIVEA MEN: unkomplizierte Pflege für moderne Männer
jetzt bestellen auf NIVEA.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018