Sie sind hier: Home > Panorama > Justiz >

Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter legt Geständnis ab

Zugunglück mit zwölf Toten  

Bad Aibling: Angeklagter legt Geständnis ab

10.11.2016, 13:49 Uhr | AFP

Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter legt Geständnis ab. Bei dem Zugunglück in Bad Aibling starben zwölf Menschen. (Quelle: dpa)

Bei dem Zugunglück in Bad Aibling starben zwölf Menschen. (Quelle: dpa)

Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten hat der angeklagte Fahrdienstleiter ein Geständnis abgelegt und sich bei den Hinterbliebenen der zwölf Opfer entschuldigt.

Der 40 Jahre alte Michael P. räumte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Traunstein das fehlerhafte Setzen von Signalen ein. Er gestand auch, trotz eines Verbots während der Arbeit mit dem Handy gespielt zu haben. Ein Nebenklageanwalt warf P. ein taktisches Geständnis vor.

Der Fahrdienstleiter spielte regelmäßig verbotenerweise im Dienst auf seinem Handy. "Er hat nahezu jedes Mal gespielt", sagte ein Ermittlungsbeamter. Es gebe viele zeitliche Übereinstimmungen der Nutzung des Smartphones mit den Dienstzeiten.

Fünf Jahre Haft drohen

Am Faschingsdienstag waren bei Bad Aibling zwei Meridian-Züge frontal zusammen gestoßen. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Fahrdienstleiter allein für das Unglück verantwortlich ist. Dieser ist deshalb unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Ihm drohen in dem bis zum 5. Dezember geplanten Prozess bis zu fünf Jahre Haft.

Laut dem von der Verteidigung verlesenen Geständnis räumt P. die in der Anklage aufgeführten sogenannten Dienstverfehlungen ein. Dazu zählten sie die nicht vorgesehene Erlaubnis zur Durchfahrt für einen der Züge auf der eingleisigen Strecke, das Setzen eines Sondersignals und ein fehlerhafter Notruf.

Laut Anklage hatte P. noch rechtzeitig zum Verhindern des Unfalls einen Notruf abgesetzt. Da er aber eine falsche Taste drückte, kam dieser nicht bei den Zugführern an, weshalb diese nicht mehr bremsen konnten. Verteidigerin Ulrike Thole sagte, ihr Mandant räume auch ein, unerlaubt während der Arbeit mit seinem Handy gespielt zu haben.

Entschuldigung löst gemischte Reaktionen aus

P.s Verteidigung ergänzte das Geständnis mit dem Hinweis, dass ihr Mandant eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gestanden habe. Es bleibe im Prozess aber zu klären, inwieweit er sich auch pflichtwidrig verhalten habe. Für das Strafmaß könnte auch maßgeblich werden, inwieweit die technischen Bedingungen bei der Bahn mit ursächlich für den Unfall waren.

P. ließ sein Geständnis von seinen Verteidigern verlesen. Er wandte sich aber mit einigen persönlichen Worten auch direkt an die Hinterbliebenen der zwölf Toten und an die 89 Verletzten. Er wisse, dass die Familien großes Leid erfahren hätten, sagte der 40-Jährige. "Ich weiß, dass ich das nicht mehr rückgängig machen kann, auch wenn ich mir nichts anderes wünschen täte." P. verweigerte weitere Antworten zur Sache.

Bei den Nebenklägern löste das Geständnis unterschiedliche Reaktionen aus. Der bei dem Unfall mit einem Nasenbeinbruch, einer Gehirnerschütterung und Prellungen vergleichsweise leicht verletzte 23 Jahre alte Thomas Staudinger sagte vor Journalisten: "Man merkt, dass das von Herzen kommt." Es habe ihn gefreut, dass der Angeklagte gestanden habe. Vorwürfe mache er P. auch trotz seines Handyspielens nicht.

Dagegen sagte der Nebenklageanwalt Peter Dürr, das Geständnis sei sehr taktisch gewesen. P. habe nur das gestanden, was ihm auch objektiv nachzuweisen sei. "Die eigentlich spannende Frage blieb unbeantwortet." Damit meinte Dürr, wie intensiv P. mit seinem Handy spielte und wie abgelenkt er tatsächlich war. Dies ließ sich bisher nicht vollständig rekonstruieren.

Dürr verwies darauf, dass sich aus Aussagen des Angeklagten bei der Polizei ergebe, dass er auch schon früher trotz Verbots während der Arbeit gespielt habe. P. verweigerte auf Nachfrage des Gerichts aber auch eine Antwort darauf, wie intensiv er sein Handy insgesamt nutzte.

Der Fahrdienstleiter Michael P. sitzt in Traunstein (Bayern) vor dem Landgericht in der Anklagebank. (Quelle: dpa)Der Fahrdienstleiter Michael P. sitzt in Traunstein (Bayern) vor dem Landgericht in der Anklagebank. (Quelle: dpa)


Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Entspannen im großen Stil mit stylischen Ledersofas
Topseller bei XXXLutz
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal