Sie sind hier: Home > Panorama > Unglücke >

Erdbeben in Indonesien: Experten warnen vor nahendem Mega-Beben

Sumatra  

Experten warnen vor nahendem Mega-Beben

02.10.2009, 12:44 Uhr | Von Christiane Oelrich, dpa

Zerstörtes Gebäude im indonesischen Padang (Foto: AP)Zerstörtes Gebäude im indonesischen Padang (Foto: AP)

Das Entsetzen in den Gesichtern der Menschen im indonesischen Padang spricht Bände. Gerade noch waren sie nach einem langen Arbeitstag auf dem Weg aus den Büros nach Hause zu ihren Familien, als ihnen buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Weite Teile der brodelnden Großstadt auf Sumatra am Indischen Ozean lagen innerhalb von Minuten in Trümmern. Überall waren Menschen verschüttet - und dann die Angst: Wann bebt es wieder?

Angesichts der Zerstörungen ist es schwer zu glauben, aber die Seismologen sagen, die Menschen seien noch einmal davon gekommen. Was sie befürchten - und mit erschreckend hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen - ist ein Beben, das alles seit 200 Jahren Dagewesene in den Schatten stellen wird. "Wir rechnen mit einem Beben im Bereich 8,8", sagte der Seismologe Kerry Sieh von der Nanyang-Universität in Singapur. Ein solches Beben könnte zehn Meter hohe Tsunami-Wellen auslösen, die innerhalb von wenigen Minuten auf die Küste treffen. "Das kann allerdings morgen, nächstes Jahr oder in 30 Jahren kommen."

Mega-Beben rund alle 200 Jahre

Vor Sumatra schiebt sich die Ozeanische Erdplatte unter die Sunda-Platte, rund sieben Zentimeter im Jahr. Die Linie zwischen beiden verläuft 250 Kilometer vor der Küste. Dort entsteht Druck, der sich in Brüchen entlädt. "Dann sackt die Platte innerhalb von Sekunden um zehn Meter", sagt Sieh. "Die Spannung entlädt sich in einer Serie von Beben." An anderen Stellen der tausende Kilometer langen Linie ist das schon passiert: beim 9,2-Beben vor fünf Jahren etwa, das im Indischen Ozean den verheerenden Tsunami auslöste, oder auch weiter südlich bei einem 8,7-Beben im Jahr 2005.

"Die Zeit ist reif"

"Nur ein 450 Kilometer langes Stück dazwischen muss noch brechen. Dort begann die Serie 2007 mit einem 8,4-Beben", sagt Sieh. Analysen von Korallen haben gezeigt: 1350 begann eine 40 Jahre dauernde Serie mit teils verheerenden Beben, Anfang des 17. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts wieder. "Etwa alle 200 Jahre", sagt Sieh. "Die Zeit ist reif." Das Epizentrum muss nach seinen Berechnungen ziemlich nahe vor der Großstadt Padang liegen.


Verheerende Folgen befürchtet

Tsunami-Wellen wären verheerend für die Region am Meer. Alles ist dicht besiedelt, Padang allein hat fast eine Million Einwohner. "Solche Wellen würden Hunderttausende obdachlos machen", hat Danny Natuawiejaja vom indonesischen Wissenschaftsinstitut schon öfter gewarnt. Ganz zu schweigen von den Todesopfern.

Änderungen beim Bau gehen schleppend voran

Die Behörden sind sich der Horrorprognosen bewusst. Sie schreiben zum Beispiel seit Jahren beim Häuserbau neue Standards vor, damit die Gebäude heftige Erdstöße überstehen. Es stehen aber noch tausende alte Häuser und Hütten auf engstem Raum. "In Padang wohnen mehr als 200.000 Menschen in einem fünf Kilometer breiten Streifen entlang der Küste, sagte Hendri Agung, Mitglied der Stadtverwaltung, vor einigen Monaten der Singapurer Zeitung "Straits Times". Die Straßen in Padang sind ein Alptraum: "Die Hauptstraße, die auf höher gelegenes Terrain führt, ist viel zu schmal für schnelle Evakuierungen, das würde Stunden dauern", meinte der Beamte.

Letztes Beben besonders beunruhigend

So viel Zeit ist aber nicht, das haben das jüngste Beben und der Tsunami auf den Samoa-Inseln in der Südsee gerade erst gezeigt: Das Epizentrum lag dort 200 Kilometer südlich der Küste - und die Killerwellen waren innerhalb von 20 Minuten am Strand. Seismologe Sieh war durch das jüngste Beben besonders beunruhigt: "Das ist, als ob man einen schlafenden Tiger ins Gesicht boxt", sagte er. Das Epizentrum des Bebens vom Mittwoch lag am Rand der Linie, auf der er das Mega-Beben erwartet. "Wenn eine Region, die so unter Spannung steht, gestört wird, weiß man nie, was passiert", warnt er. "Das ist vielleicht wie bei einem Riss in der Windschutzscheibe: der wird auch bei jeder Erschütterung größer."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal