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Haiti: Schweres Erdbeben erschüttert Karibikstaat

Schweres Beben in der Karibik  

Erdbeben in Haiti: "Ich bin um mein Leben gelaufen"

12.02.2010, 18:51 Uhr | dapd, dpa, AFP

Erdbeben auf Haiti lässt Häuser einstürzen und fordert hunderte Menschenleben (Foto: Reuters)Erdbeben auf Haiti lässt Häuser einstürzen und fordert hunderte Menschenleben (Foto: Reuters) Das wohl schwerste Erdbeben seit über 200 Jahren im Karibikstaat Haiti hat wahrscheinlich hunderte Opfer gefordert. Dem Beben der Stärke 7,0 waren in der Nacht zum Mittwoch mehrere Nachbeben gefolgt. Das Epizentrum lag 15 Kilometer westlich von Port-au-Prince in einer Tiefe von acht Kilometern. "Die Mauern sind überall zusammengestürzt. Ich bin um mein Leben gelaufen", berichtete Augenzeuge Ivanoh Demers, der als Fotograf zu einem Literaturfestival nach Haiti gereist war. "Menschen schrien: Jesus! Jesus! Es war völlig irreal. Völlig abgedreht. Ich bin aus meinen Hotelzimmer gelaufen, und die Mauer ist direkt neben mir zusammengebrochen."

Überall herrsche völliges Chaos. Die Menschen liefen verzweifelt durch die Straßen. "Die Stadt ist zerstört. Die Straßen sind nicht mehr befahrbar", beschrieb Demers die Szene. "Es ist ein Alptraum. Wir sind froh, dass wir leben, aber wir beten, dass uns die Katastrophe nicht noch erwischt. Hoffentlich gibt es kein zweites großes Beben." Mehrere Hubschrauber seien im Einsatz. Alle höheren Gebäude seien eingestürzt, überall seien Risse in den Mauern. "Die Menschen sind draußen, sie können nicht zurück in ihre Hotels."

Hier können Sie spenden

  • Aktion Deutschland Hilft Stichwort: Erdbeben Haiti
    Spendenkonto: 10 20 30 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00
    Spendenhotline: 0900 55 102030 oder www.aktion-deutschland-hilft.de
  • Deutsches Rotes Kreuz Stichwort: Haiti
    Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00
    www.drk.de/spenden
  • Welthungerhilfe Stichwort: Nothilfe Haiti
    Kontonummer: 11 15 Sparkasse KölnBonn BLZ: 370 501 98
    www.welthungerhilfe.de

Deutsche Opfer nicht ausgeschlossen

Außenminister Guido Westerwelle hält auch deutsche Opfer für möglich. "Wir hoffen es nicht, ich kann es leider auch nicht ausschließen", sagte Westerwelle. Angesichts der Schwere des Bebens könnten auch deutsche Staatsbürger betroffen sein, die sich in dem Staat aufhalten. Nach Angaben der deutschen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook sind deutsche Urlauber in der Dominikanischen Republik oder auf den Karibikinseln nicht betroffen. Haiti selbst werde als Reiseziel nicht angeboten.

Gebäude wie Kartenhäuser eingestürzt

Stunden nach den verheerenden Erdstößen gibt es noch immer keine Schätzung zum Ausmaß des Schadens, wie viele Tote und Verletzte unter den rund 2,5 Millionen Einwohnern des Großraums Port-au-Prince zu beklagen sind. Bauvorschriften beachtete in dem bitterarmen und seit Jahren politisch instabilen Land kaum jemand, sagte ein Arzt vor Ort. Nun stürzten die Häuser zu Tausenden in sich zusammen wie Kartenhäuser. "Ich kann mir vorstellen, dass die Zahl der Opfer in die Tausende gehen wird", sagte der Koordinator der Deutschen Welthungerhilfe in Port-au-Prince, Michael Kühn. Der Präsidentenpalast brach teilweise zusammen, Präsident René Préval überlebte nach Angaben eines Diplomaten unverletzt. Ein Krankenhaus und viele weitere Häuser stürzten in sich zusammen, darunter Schulen, Ministerien und eine Kathedrale. Nach Erkenntnissen der deutschen Diakonie Katastrophenhilfe waren die Slums an den Berghängen von Port-au-Prince besonders stark betroffen. Die Hänge seien zum Teil abgerutscht. Bei dem Einsturz des Luxushotels Montana, in dem gewöhnlich ausländische Politiker unterkommen, sollen nach Informationen des französischen Entwicklungsministers Alain Joyandet etwa 200 Menschen getötet worden sein. Nur etwa 100 Menschen hätten das Gebäude rechtzeitig verlassen können.

Chef von UN-Mission wahrscheinlich tot

Auch das Hauptquartier der fast 11.000 Mitarbeiter umfassenden UN-Friedensmission MINUSTAH in Haiti wurde offenbar stark beschädigt, habe das Erdbeben aber überstanden, hieß es bei den Vereinten Nationen in New York. Der Chef der UN-Mission, der Tunesier Hedi Annabi, ist nach Informationen des französischen Außenministeriums vermutlich tot. "Das UN-Gebäude ist zusammengestürzt und es scheint, dass alle, die in dem Gebäude waren, tot sind, unter ihnen auch mein Freund Annabi, der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs, und alle, die bei ihm waren", sagte Außenminister Bernard Kouchner dem Sender RTL.

Internationale Hilfe angelaufen

Wenige Stunden nach dem Beben kündigten mehrere Staaten Hilfsleistungen für eines der ärmsten Länder der Welt an. US-Präsident Barack Obama erklärte in Washington, die USA stünden bereit, "dem Volk von Haiti zu helfen". Noch am Abend schickten die USA erste Rettungsmannschaften mit Spürhunden los. Die Bundesregierung stellt dem Karibikstaat eine Million Euro Soforthilfe für die Notversorgung der Opfer zur Verfügung. "Ich bin bestürzt von dem sich abzeichnenden Ausmaß der Erdbebenkatastrophe", sagte Außenminister Westerwelle nach einem Telefonat mit dem deutschen Botschafter in Haiti. "Unser Mitgefühl und unsere ganze Solidarität gilt den Opfern der Katastrophe und ihren Angehörigen." Ein von Westerwelle einberufener Krisenstab beobachtet nach Angaben des Auswärtigen Amtes die Situation in Haiti genau und soll in Zusammenarbeit mit den anderen Ressorts über weitere Maßnahmen entscheiden, hieß es. Mehrere Hilfsorganisationen riefen die Bundesbürger zu Spenden für die Erdbebenopfer auf.

Mitarbeiter von Literaturfestival unverletzt

Die Mitarbeiter eines internationalen Literaturfestivals, das am Donnerstag auf Haiti beginnen sollte, überstanden das Erdbeben unbeschadet. Das teilten die Veranstalter von "Etonnants voyageurs" auf ihrer Website mit. Etwa 50 Schriftsteller hätten an dem viertägigen Festival teilnehmen sollen. Wer von den Autoren schon auf Haiti eingetroffen war, war zunächst nicht bekannt. Mehr als 3000 Schüler auf Haiti hätten mit den Schriftstellern zusammentreffen sollen.

Auch leichte Beben in Dominikanischer Republik

Nach dem Hauptbeben wurde Haiti nach Angaben der US-Erdbebenbehörde von mindestens sechs Nachbeben der Stärke 4,5 erschüttert. Auch in der benachbarten Dominikanischen Republik bebte die Erde, es gab nach Behördenangaben aber keine Schäden. Ausläufer waren nach Angaben der US-Armee selbst im 300 Kilometer entfernten Lager Guantanamo auf Kuba zu spüren. Das US-Tsunami-Zentrum hatte zunächst Alarm für fast alle Karibikstaaten ausgerufen, besonders für Haiti, Kuba, die Bahamas und die Dominikanischen Republik. Diese Warnungen waren später wieder zurückgenommen worden.

Zuletzt viele Tote durch Stürme

Haiti zählt insgesamt neun Millionen Einwohner und ist das ärmste Land Lateinamerikas. Der Karibikstaat liegt im kleineren westlichen Teil der zu den Großen Antillen gehörenden Karibik-Insel Hispaniola. Haiti hatte in der Vergangenheit mehrfach mit schweren Naturkatastrophen zu kämpfen. Erst 2008 waren beim Durchzug von vier heftigen Stürmen fast 800 Menschen gestorben.



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