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Vulkanausbruch Island: Aschewolke erreicht Deutschland

Große Teile des deutschen Luftraums gesperrt

19.04.2010, 15:33 Uhr | dpa, AFP, apn, dpa, dapd, AFP, t-online.de

Vulkanausbruch Island: Aschewolke erreicht Deutschland . Vulkanausbruch auf Island: Eine riesige Aschewolke schiebt sich über Europa (Foto: dpa)

Vulkanausbruch auf Island: Eine riesige Aschewolke schiebt sich über Europa (Foto: dpa)

Nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island hat die Aschewolke Deutschland erreicht. Am Donnerstagabend wurde der Betrieb auf den Flughäfen in Hamburg, Berlin, Hannover und Düsseldorf eingestellt. Auch kleinere Airports wie Bremen waren betroffen. Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden gegen 22.00 Uhr zumindest kurzfristig wieder aufgemacht. Ob der Betrieb am Morgen normal weitergeht, war noch unklar. Schrittweise sollten in der Nacht große Teile des deutschen Luftraums für den Flugbetrieb gesperrt werden.

Frankfurt vor der Schließung

Dem Flughafen Frankfurt droht wegen der riesigen Aschewolke über Europa die komplette Sperrung. Geplant sei, dass der mit Abstand größte Airport in Deutschland bis etwa 8 Uhr anfliegbar sei, sagte der Airport-Duty-Officer der Nachrichtenagentur DAPD. Dann werde man voraussichtlich im Bereich der Aschewolke liegen. Starts seien schon jetzt nur noch in Richtung Süden möglich. Zahlreiche Flüge aus Städten, die nicht im Bereich der Wolke liegen, sind bereits annulliert. Die meisten Starts sind ebenfalls gestrichen.

EU-Verkehrskommissar: "Eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt"

Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem ist die Sicht beeinträchtigt. Wolken aus Vulkanasche werden von Piloten tunlichst gemieden. "Das ist sehr gefährlich", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. Wenn ein Pilot versehentlich in eine solche Wolke gerate, "heißt es um 180 Grad wenden und nichts wie raus." Fluggesellschaften mussten schon am Donnerstag rund ein Viertel der täglich etwa 28 000 Verbindungen absagen, erklärte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel. "Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte einer der Leiter der Behörde. Auch am Freitag sei mit ähnlich vielen Ausfällen zu rechnen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke "eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt".

Auch Paris und London dicht

In Frankreich war ein Großteil des Luftraums betroffen. Auch die beiden Pariser Großflughäfen Charles-de-Gaulle und Orly wurden ab 23.00 Uhr geschlossen. Landesweit sollen zudem 23 weitere Flughäfen nach Angaben des Amts für Flugsicherheit mindestens bis Freitag 14.00 Uhr geschlossen bleiben. Auch im Nordwesten Polens wurde am Abend der Luftraum gesperrt. In London Heathrow, der wichtigsten Drehscheibe des europäischen Flugverkehrs und einem der wichtigsten Flughäfen der Welt mit täglich 1300 Flügen und 180 000 Passagieren, lief gar nichts mehr.

Sperrung bis in die Abendstunden

Wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island bleiben die meisten britischen Flughäfen noch bis Freitagabend dicht. Die britische Flugüberwachung verlängerte die Sperrung am frühen Morgen um mehrere Stunden bis 20.00 Uhr MESZ. Die Situation habe sich nicht verbessert, hieß es. Nur Flüge zwischen Nordirland und den westlichen Schottischen Inseln und den schottischen Flughäfen Glasgow und Prestwick seien bis zum frühen Nachmittag im Einzelfall möglich. Außerdem könnten in dieser Zeitspanne auch Flüge im Nordatlantik-Verkehr von und nach Glasgow, Prestwick und Belfast genehmigt werden.

Shannon und Cork nehmen Betrieb wieder auf

Acht Länder hatten nach und nach ihren Luftraum komplett gesperrt: Großbritannien und Irland, die Niederlande und Belgien sowie Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Am späten Abend wurden im Westen Irlands die ersten beiden Flughäfen wieder freigegeben. Wie die irische Flugbehörde mitteilte, ist die Sperrung der Airports Shannon und Cork aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin bleibt weiter gesperrt.

Gebiet rings um Vulkan evakuiert

Unterdessen wurden wegen der Gefahr einer neuen Flutwelle Hunderte Anwohner aus der Umgebung des Vulkans evakuiert. Das teilten Mitarbeiter des isländischen Katastrophenschutzes am Donnerstagabend in Reykjavik mit. Am Fuße des Vulkans würden 700 Menschen in Sicherheit gebracht. Experten erklärten derweil, dass die Aschewolke kein Gesundheitsrisiko sei. Umweltwissenschaftler betonten zudem, dass die Wolke von der Erde aus wohl nicht zu sehen sei. Der Sender BBC berichtete, dass Menschen in Schottland schon Schwefel gerochen hätten.

Gigantische Aschewolke steigt auf

Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lava-Asche und Rauch in die Atmosphäre. Fachleute vermuten, dass diese Aktivität in den kommenden Tagen weiter anhält. Vulkanexperten in Reykjavik erklärten, dass der letzte Ausbruch am Eyjafjalla-Gletscher im Jahr 1821 erst nach zwei Jahren endete. Islands Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir sagte im Fernsehen: "Wir können nur hoffen, dass sich die Lage beruhigt, tun können wir aber nichts. Der Schaden ist schon jetzt erheblich."

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