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Vulkanausbruch: Keine Entwarnung aus Island -Vulkan weiter aktiv

Keine Entwarnung aus Island: Vulkan weiter aktiv

19.04.2010, 15:24 Uhr | dpa, AFP, apn , dpa, dapd, AFP, t-online.de

Vulkanausbruch: Keine Entwarnung aus Island -Vulkan weiter aktiv. Vulkanausbruch: Der Wind treibt die gigantische Aschewolke weiter in Richtung Europa (Foto: Reuters)

Der Wind treibt die gigantische Aschewolke weiter in Richtung Europa (Foto: Reuters)

Keine Entwarnung in Sicht: Nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull wird Europa wohl weiter mit der Aschewolke zu kämpfen haben. Der isländische Wetterdienst rechnet nicht mit einer entscheidenden Wetteränderung. Bei den Höhenwinden werde es in den "nächsten vier oder fünf Tagen" so bleiben, sagte ein Mitarbeiter des Meteorologischen Instituts in Reykjavik. Der Wind weht weiter in südliche Richtung. Das bedeutet, dass die Aschewolke unverändert auf Europa zutreibt.

Die Geologen gehen davon aus, dass der Eyjafjallajökull noch mindestens vier bis fünf Tage weiter aktiv sein wird und Asche in den Himmel stößt. Bei seinem letzten Ausbruch 1821 bis 1823 brodelte der Vulkan fast 15 Monate und schleuderte Millionen Kubikmeter graue Asche in die Luft.

"Kein Ende in Sicht"

Die Aktivität des Eyjafjallajökull hat in der Nacht zum Samstag sogar an Intensität zugenommen. Eine Aschewolke stieg nach Angaben des Geologen Magnus Tumi Gudmundsson von der Universität Island 8,5 Kilometer weit in die Höhe. Der Wind habe die Sicht am Vulkan verbessert, so dass sich Wissenschaftler am Samstag erstmals aus der Luft ein Bild von der aktuellen Lage machen konnten. Wenn festgestellt werden könne, wie viel Eis geschmolzen sei, könnten bessere Prognosen darüber erstellt werden, wie lange der Ausbruch anhalten werde, so der Vulkan-Experte. So lange noch ausreichend Eis vorhanden sei, könnten sich weitere Aschewolken bilden. Der Flugverkehr würde damit noch längere Zeit behindert. "Leider scheint kein Ende in Sicht", sagte Gudmundsson.

Deutscher Luftraum bleibt gesperrt

Der Vulkanausbruch hat unterdessen für einen fast kompletten Stillstand im europäischen Flugverkehr gesorgt: Der deutsche Luftraum bleibt bis mindestens Sonntagabend 20 Uhr gesperrt. Eine Verlängerung des Flugverbots ist sehr wahrscheinlich, da der Vulkan momentan verstärkt Asche spuckt und der Wind sie in zwei Ausläufern über Europa verteilt. Die Folgen dieser beispiellosen Situation treffen Millionen Reisende, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel.

Europäischer Flugverkehr lahmgelegt

Im europäischen Luftraum können am Samstag nur rund 6000 von 22.000 Flügen ausgeführt werden, teilte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit. Die Aschewolke hängt wie eine gespreizte Zange über Skandinavien und Mitteleuropa und schiebt sich weiter in Richtung Südosten. Nur über Litauen, Lettland und Weißrussland gibt es noch eine Lücke. Im Süden waren am Samstagmittag nur noch Portugal, Spanien, Mittel- und Süditalien, Teile des Balkans, Griechenland und ein schmaler Gürtel an der Schwarzmeer-Region noch nicht von Luftraumsperrungen betroffen. Dem britischen Wetterdienst Met Office zufolge hat sich die Aschewolke von Südfrankreich bis Russland und zum Schwarzen Meer ausgedehnt. Bis Mitternacht wird eine Ausweitung bis an die spanisch-französische Grenze, nach Korsika und Nordgriechenland erwartet.

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Gefährliche Teilchen für Flugzeuge

Da sich der Vulkan unter Gletschereis befindet, wird das heiße Magma aus dem Erdinneren extrem schnell abgekühlt. Die Mischung aus Magma und Wasser löst Explosionen und die Aschewolken aus. Die Teilchen aus der Vulkanasche können Flugzeugtriebwerke beschädigen, die Sensoren verstopfen und außerdem behindern sie die Sicht der Piloten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind nach Angaben von Experten 80 Fälle bekannt, in denen Flugzeuge Vulkanasche ausgesetzt waren. Dabei wurden 20 Maschinen beschädigt. In zwei Fällen entgingen Passagierflugzeuge nur knapp einem Absturz.

Paris bis Montag dicht

In einigen Gebieten Europas ist der obere Luftraum zwar prinzipiell offen, je nachdem wie hoch sich die Asche gerade verwirbelt. Dieser Luftraum ist wegen der geschlossenen umliegenden Gebiete aber meistens nicht erreichbar. Der Hamburger Flughafen kündigte bereits eine Sperrung bis Sonntagmittag an. Die Flughäfen im Norden Frankreichs sowie die drei Pariser Flughäfen bleiben bis Montagfrüh 8 Uhr geschlossen. Zudem sind ab Samstagnachmittag 16 Uhr die Flughäfen von Bordeaux und Grenoble gesperrt. In der Schweiz, in Österreich, Großbritannien und Belgien sowie im Norden Italiens sind die Airports ebenfalls bis mindestens Samstagabend gesperrt.

Merkel nimmt den Bus

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann wegen der Aschewolke immer noch nicht nach Deutschland zurück. Auf ihrem Irrflug von den USA traf Kanzlerin Angela Merkel nach einem ungeplanten Zwischenstopp in Lissabon am Nachmittag auf einem kleinen Militärflughafen in Rom ein. Von dort aus sollte es mit dem Bus weiter nach Südtirol gehen, geplantes Ziel war Bozen. Offen ist wie Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Bundespräsident Horst Köhler am Sonntag zur Trauerfeier für Polens Präsident Lech Kaczynski reisen, der vergangenen Samstag bei einem Flugzeugabsturz in Russland gestorben war. Der Krakauer Flughafen, auf dem am Sonntag die Flugzeuge mit ausländischen Gästen, darunter auch US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatsoberhaupt Dmitri Medwedew, landen sollten, war geschlossen. Obama kündigte dennoch sein Kommen an.

Politiker fordern Aufhebung des Nachtflugverbots

Die Deutsche Bahn setzt angesichts des Flugverbotes auch am Samstag mehr Züge ein als üblich. "Es rollt alles, was rollen kann", sagte ein Sprecher. Auch werde wie am Freitag mehr Personal an den Bahnhöfen die Reisenden betreuen. Volle Züge wird es vor allem auf den ICE-Verbindungen zwischen den großen deutschen Flughäfen Frankfurt/Main, München, Hamburg, Düsseldorf und Berlin geben. Die Flughafenschließungen in Europa treiben die Menschen in Scharen auf die Bahn. Mehrere Politiker von Regierung und Opposition plädieren bereits dafür, bei Wiederaufnahme des Flugbetriebes in Deutschland das Nachtflugverbot vorübergehend aufzuheben, um das Verkehrschaos schneller zu beenden.

Lufthansa schickt zehn leere Maschinen von München nach Frankfurt

Trotz der Sperrung des deutschen Luftraums flog die Lufthansa am Samstag leere Maschinen von München nach Frankfurt. Als erstes landete am Mittag ein Airbus 340 auf dem Frankfurter Flughafen. Die Flugzeuge sollten bei einer Wiederaufnahme des Passagierverkehrs schon am richtigen Ort sein, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Samstag. Techniker entdeckten an der ersten Maschine nach der Landung keine Schäden durch Vulkanasche. Darauf machten sich am Nachmittag nach und nach neun weitere Maschinen ohne Passagiere auf den Weg von München nach Frankfurt.

Flugzeuge flogen nur 3000 Meter hoch

Die Flugzeuge flogen nicht auf der üblichen Route, sondern nur nach Sichtflugregeln (VFR) in einer Höhe von bis zu 3000 Metern - die Aschewolke befindet sich in rund 5000 Metern Höhe. Die Lufthansa nannte die Bedingungen hierfür bei wolkenlosem Himmel ideal. Eine Genehmigung der Deutschen Flugsicherung (DFS) werde dafür nicht benötigt, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Nach München waren am Freitag viele Flüge umgeleitet worden. Bei den Jets handelt es sich um vierstrahlige Langstreckenflugzeuge der Typen Boeing 747 und A340.

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