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Ölpest: Obama nimmt BP-Konzern in die Pflicht

Obama nimmt BP-Konzern in die Pflicht

04.05.2010, 12:11 Uhr | AFP, apn, dpa, t-online.de, t-online.de, dpa, dapd, AFP

Ölpest: Obama nimmt BP-Konzern in die Pflicht. US-Präsident Obama verschaffte sich am Golf von Mexiko einen Überblick über die Ölpest (Foto: Reuters)

US-Präsident Obama verschaffte sich am Golf von Mexiko einen Überblick über die Ölpest (Foto: Reuters)

Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko hat US-Präsident Barack Obama den britischen Konzern BP in die Pflicht genommen, für die Schäden vollständig aufzukommen. Bei einem Besuch im Bundesstaat Louisiana bezeichnete Obama den Ölteppich als "womöglich beispiellose Umweltkatastrophe". Zugleich verteidigte er das Krisenmanagement der Regierung in Washington.

"BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnung begleichen", sagte Obama am Sonntag bei einem Besuch in der von der Ölpest betroffenen Küstenregion von Louisiana. Als Präsident der Vereinigten Staaten werde er alles in seiner Macht Stehende veranlassen, damit diese Krise bewältigt werde. Der Präsident verschaffte sich mit einem Hubschrauberflug über das Küstengebiet einen Überblick. Unterdessen bekräftigte der BP-Konzern, alle Kosten der Ölkatastrophe zu übernehmen.

Löcher noch nicht gestopft

Die Ursachen für den Unfall müssten gründlich aufgeklärt werden, aber im Mittelpunkt stehe jetzt "der unermüdliche Versuch", den Ölfluss ins Wasser zu stoppen. "Wir werden nicht ruhen, bis die Lecks geschlossen sind und die Region gesäubert ist", sagte Obama. Die von BP betriebene Bohrinsel "Deep Water Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später im Meer versunken. Seitdem sprudeln in 1500 Meter Tiefe täglich knapp 700 Tonnen Rohöl ins Meer und bedrohen im Süden der USA einzigartige Ökosysteme an den Küsten von Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi.

Ölpest kann Existenz von tausenden Menschen bedrohen

"Wir haben es mit einer massiven und womöglich beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte Obama. Das nach wie vor ausströmende Öl könne schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt der US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko haben. Die Ölpest könne die Existenz von tausenden US-Bürgern gefährden, die dort zuhause sind.

Obama verteidigt Reaktion der Regierung

Zugleich verteidigte der Präsident die Reaktion Washingtons auf die Ölkatastrophe. Die Regierung habe vom ersten Tag an unnachgiebig "alle Mann an Deck" gerufen, um auf die Krise zu reagieren. Obama versprach, künftig im Kampf gegen die Ölpest "keine Anstrengung auszulassen".

Fischfang-Verbot verhängt

Am Freitag hatten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas erreicht. In den am stärksten betroffenen Gebieten im Golf von Mexiko verhängte die US-Regierung am Sonntag ein zehntägiges Fischfang-Verbot. Vor allem in Louisiana ist der Fischfang ein wichtiger Wirtschaftszweig. Wissenschaftler sollen prüfen, ob der Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten noch sicher ist. Die Fangverbotszone reicht von den Gewässern vor Venice bis zur Pensacola Bay an der Westküste Floridas.

In vier Bundesstaaten Notstand ausgerufen

Der Ölteppich hatte sich nach Angaben von Experten binnen weniger Tage verdreifacht. Verschlimmert wird die Lage durch schlechtes Wetter mit heftigem Wind: Der hohe Wellengang erschwert das Auslegen schwimmender Barrieren und das Absaugen des Ölfilms. Das Abfackeln von Teilen des Ölteppichs ist seit Tagen nicht mehr möglich gewesen. In einigen Küstengebieten wurden erste verschmutzte Vögel gefunden. Inzwischen haben vier Bundesstaaten wegen des gefährlichen Ölfilms auf dem Wasser den Notstand ausgerufen.

Erste schwere Ölklumpen Anfang der Woche an Küste erwartet

Die ersten schwereren Ölklumpen könnten am Montag oder Dienstag angeschwemmt werden. Dann erreichen die ersten Ölflecken womöglich auch die Küsten von Mississippi und Alabama. Alles hänge von Wetterlage und Windrichtung ab, sagte Admiral Thad Allen. Ihn hat Obama am Samstag zum Einsatzchef im Kampf gegen die Ölpest ernannt.

Kuppel soll in rund einer Woche einsatzbereit sein

In 1500 Metern Tiefe waren unterdessen weiterhin Untersee-Roboter im Einsatz, um das Leck an der Unglücksstelle zu schließen. Der Einsatz der ferngesteuerten U-Boote sei wie eine "Operation am offenen Herzen im Dunkeln", sagte der US-Präsident des Ölkonzerns BP, Lamar McKay, am Sonntag dem Sender ABC. McKay sagte weiter, dass Ingenieure mit dem Bau einer Kuppel, die das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche auffangen soll, schneller vorankämen als gedacht. Die Kuppel soll demnach in sechs bis acht Tagen einsatzbereit sein - zunächst war mit einer Fertigstellung in zwei bis vier Wochen gerechnet worden. Kay erklärte außerdem, dass vermutlich der Ausfall eines einzelnen Bauteils in der Technik der Plattform "Deepwater Horizon" die Katastrophe ausgelöst habe.

Kosten könnten in Milliardenhöhe gehen

Nach Angaben der Zeitung "Mail on Sunday" könnten sich die Kosten für BP für die Eindämmung der Ölpest und die Reinigung der Küsten auf bis zu 4,6 Milliarden Dollar belaufen. Die "Neue Zürcher Zeitung" schätzt die Gesamtkosten inklusive Aufräumarbeiten und Verdienstausfällen in Tourismus und Fischerei auf mehr als zehn Milliarden Dollar.

BP will Kosten übernehmen

Die Kosten für den Kampf gegen die drohende Ölkatastrophe vor der US-Küste steigen nach Angaben des BP-Konzerns täglich - auf eine genaue Summe will sich das Unternehmen aber nicht festlegen. "Es ist zu früh, um eine Summe abzuschätzen", sagte ein BP-Sprecher in London. Es sei auch unklar, wie viele mögliche Kosten durch Schadenersatzforderungen auf BP zukommen. Bezahlt werde alles aus eigener Tasche, erklärte der Sprecher. Derzeit koste der Einsatz gegen den Ölteppich, der sich nach dem Sinken der Plattform "Deepwater Horizon" in Richtung Küste ausbreitet, etwa 6,5 Millionen Dollar täglich. Es gelte weiter die Aussage von Firmenchef Tony Hayward von Freitagabend: "Wir übernehmen die volle Verantwortung für den Ölteppich und wir werden ihn entfernen, und wenn Leute legitime Schadenersatzforderungen stellen, werden wir sie akzeptieren."



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