Sie sind hier: Home > Panorama > Unglücke >

Streit um deutsches Tsunami-Warnsystem

Streit um deutsches Tsunami-Warnsystem

29.10.2010, 10:54 Uhr | dapd, dpa, AFP

Streit um deutsches Tsunami-Warnsystem. Tsunami: Das Tsunami-Frühwarnsystem sollte die Menschen warnen - doch es hat versagt (Foto: dpa)

Das Tsunami-Frühwarnsystem sollte die Menschen warnen - doch es hat versagt (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Das Tsunami-Frühwarnsystem hat vor dem verheerenden Tsunami in Indonesien nicht Alarm geschlagen. Während Behörden kritisieren, das für 100 Millionen Euro eingerichtete System hätte nicht funktioniert, argumentiert das Deutsche Geoforschungszentrum, dass das System lediglich zu langsam war für eine solche Flutwelle.

Weitere Nachrichten und Links

Das Frühwarnsystem wurde im November 2008, knapp vier Jahre nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean, in Betrieb genommen. Angeblich, so Behördenangaben, sei die deutsch-indonesische Anlage nicht richtig gewartet worden und deswegen vor einem Monat ausgefallen.

"Das Frühwarnsystem hat funktioniert", behauptet hingegen Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum in Potsdam gegenüber der Zeitung "Die Welt". In etwa fünf Minuten sei die Warnung ausgesprochen worden, so lange brauche das System, um das Erdbeben zu lokalisieren, es zu charakterisieren und ein Lagebild zu erstellen. "Schneller geht es nicht", so Lauterjung.

Warnsystem zu langsam

In diesem Fall sei es zu langsam gewesen, da der Erdbebenherd, der die Riesenwelle ausgelöst hatte, zu nah an der Küste lag. "Welle und Warnung sind gleichzeitig eingegangen", sagte Lauterjung. "Da hätte kein Frühwarnsystem der Welt helfen können."

Tatsache sei jedoch auch, dass die Bojen, die zum Frühwarnsystem gehören, immer wieder beschädigt würden. Teilweise durch Fischer, die die Bojen zum Anlegen nutzten. Zudem komme es immer wieder zu Vandalismus. "Wir verlassen uns nicht auf die Bojen", betonte Lauterjung jedoch. Seismometer und Sensoren an der Oberfläche und auf dem Meeresgrund sendeten zusätzlich Daten in ein Lagezentrum in Jakarta, wo innerhalb weniger Minuten Alarm gegeben werden kann.

Projekt kostete rund 100 Millionen Euro

An der Entwicklung des Systems waren neun deutsche Forschungseinrichtungen beteiligt, darunter das Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Einen großen Teil der Projektkosten von rund 100 Millionen Euro trug Deutschland mit 45 Millionen Euro. Mitte Oktober vergangenen Jahres wurde das Warnsystem zum ersten Mal umfassend getestet.

Hunderte Menschen werden noch vermisst

Das Frühwarnsystem hätte aber ohnehin nichts genützt, sagte Erdbebenexperte Danny Hilman Natawidjaja. Die Flutwellen hätten die Küsten viel zu schnell erreicht. So rasch hätten die Bojen den veränderten Wasserpegel nicht messen und Alarmsignale geben können. Leben hätten aber gerettet werden können, wenn die Einwohner von Mentawai gewusst hätten, wo sie sich in Sicherheit bringen können. "Indonesien ist immer noch nicht vorbereitet auf ein Desaster wie das an Weihnachten 2004", so der Experte.

Die abgelegenen Inseln vor der Küste Sumatras waren am Montagabend von einem Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert worden, zehn Minuten später traf sie eine drei Meter hohe Flutwelle.

Inzwischen haben die Behörden mehr als zwei Tage nach dem Tsunami und dem Erdbeben kaum noch Hoffnung, Vermisste lebend zu retten. Nach momentanen Angaben starben bei beiden Naturkatastrophen mindestens 370 Menschen, doch rechnen die Rettungskräfte mit mehr als 500 Opfern.

Derzeit werden rund 340 Menschen vermissten, sagte ein Katastrophenschutzvertreter. Doch nach mehr als 48 Stunden gebe es kaum mehr Hoffnung, Überlebende zu finden. "Wir haben die Inseln überflogen und nur Leichen gesehen", sagte ein Helfer. Nach seinen Schätzungen haben mindestens zwei Drittel der Vermissten die Katastrophe nicht überlebt.

Schiffe mit Rettungskräften

Nach ersten Hilfslieferungen per Hubschrauber trafen nun nach und nach auch Schiffe mit weiteren Rettungskräften, Ärzten und Nothilfen auf den rund eine halbe Tagesreise von Sumatra entfernten Inseln ein. Die Regierung entsandte unter anderem fünf Kriegsschiffe, wegen schlechten Wetters konnten sie die Inseln jedoch zunächst nicht anlaufen. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono besuchte ebenfalls die Inseln, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

"Wir brauchen dringend ein paar hundert Leichensäcke", zitierte die Nachrichtenagentur Antara einen Katastrophenhelfer. "Wir brauchen auch Gesichtsmasken, der Gestank der verwesenden Leichen ist kaum auszuhalten." Die Medikamente gingen auch aus. "Die Hilfe ist unterwegs, aber es dauert alles", versicherte ein Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde.

Vulkan Merapi bricht erneut aus

1300 Kilometer entfernt auf der Hauptinsel Java kommen die Menschen wegen dem Vulkan Merapi noch immer nicht zur Ruhe. Während die ersten Einwohner trotz der Evakuierungsanordnung versuchten, wieder in ihre Häuser zurückzukehren, brach der Vulkan erneut aus und schleuderte siedend heiße Lava in die Luft, berichtete das Lokalfernsehen. Aus dem knapp 3000 Meter hohen Krater stiegen dunkle Rauchfahnen auf.

"Es war katastrophal, unglaublich heiß", berichtete eine Helferin der Zeitung "Jakarta Globe". "Ich habe Blasen an den Füßen bekommen, obwohl ich Schuhe mit dicken Sohlen anhatte." Über neue Opfer ist belang nichts bekannt.

Einige Opfer bereits bestattet

Auch Chef-Vulkanologe Surono sieht in dem Vulkan eine große Gefahr: "Wir haben eine moderate Eruption gemessen", sagte Surono. "Die Bedrohung besteht weiter."

Beim Ausbruch des aktivsten Vulkans des Landes kamen am Dienstag rund 33 Menschen ums Leben, darunter auch der traditionelle "Wächter" des Merapi, Großvater Marijan. Mehr als 50.000 Anwohner wurden in Sicherheit gebracht. Ein Teil der Opfer wurde bereits bestattet.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deKlingel

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: