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Philippinen: Taifun "Haiyan" wütet - "Haben so etwas noch nicht gesehen"

Super-Taifun  

"'Haiyan' ist mehr als doppelt so stark wie 'Christian'"

08.11.2013, 21:37 Uhr | dpa, wetter.info

Philippinen: Taifun "Haiyan" wütet - "Haben so etwas noch nicht gesehen". Der Taifun Haiyan (Quelle: dpa / NASA / NOAA)

Dieses Satellitenbild zeigt deutlich das windstille Auge des Taifuns "Haiyan". (Quelle: dpa / NASA / NOAA)

Mit Böen von bis zu 380 km/h wütet der Taifun "Haiyan" auf den Philippinen. "So etwas haben unsere Meteorologen hier noch nicht gesehen", sagt Marc Vornhusen von Meteomedia in der Hauptstadt Manila im Gespräch mit t-online.de. Der Sturm hat mindestens drei Menschen das Leben gekostet.

Zum Vergleich: Bei Orkan "Christian" Ende Oktober in Deutschland registrierte Meteomedia Böen von 150 km/h über dem Binnenland - eine Stärke von bisher kaum gekanntem Ausmaß. "Auf den deutschen Inseln wurden teilweise Geschwindigkeiten von 191 Kilometern pro Stunde erreicht - das war Rekord für die Küste", sagt Meteorologe Fabian Ruhnau im Gespräch mit t-online.de. Mit Ausläufern erreichte der Taifun einen Durchmesser von 600 Kilometern - eine Strecke von Hamburg bis Augsburg.

"Schwerster Sturm, der je auf Land getroffen ist"

Mit seinen extremen Geschwindigkeiten gehöre "Haiyan" zu den vier stärksten jemals gemessenen Wirbelstürmen der Welt und "ist der schwerste, der je auf Land getroffen ist", erklärt Meteorologe Jeff Masters vom Wetterdienst Weather Underground.

380 km/h auf den Philippinen, 190 in Deutschland - kann man also sagen, dass "Haiyan" doppelt so stark ist? "Er ist deutlich stärker, denn der Staudruck des Windes nimmt nicht linear zu, er potenziert sich", so Ruhnau, "der Sturm ist mehr als doppelt so stark." Vor allem seien die Winde über dem Inselstaat im Durchschnitt über 300 km/h schnell: "Das muss man sich mal vorstellen: Bei 119 km/h beginnen Verwüstungen und Windstärke 12 ist erreicht. Alles darüber liegt jenseits der Skala", so Ruhnau. Bei "Christian" habe es Winde gegeben, die im Schnitt 130 km/h erreicht hätten."

Schwerste Schäden angerichtet

Der Riesen-Taifun richtete in dem südostasiatischen Inselstaat nach ersten Eindrücken schwerste Schäden an. Sturmfluten mit bis zu fünf Meter hohen Wellen trafen auf die Ostküste, wie die UN-Katastrophenhilfe (OCHA) mitteilte.

Hunderttausende Menschen flohen aus den Küstengebieten. Danach steuerte der Taifun westwärts auf Vietnam zu.

Mindestens drei Tote

Mindestens drei Menschen kamen nach Angaben der Katastrophenschutz-Behörde ums Leben. Doch wie viele Opfer es wirklich gab, ist unklar, denn die Kommunikation zu den hauptsächlich betroffenen Gebieten brach zusammen. Somit konnten zunächst kaum gesicherte Informationen übermittelt werden.

Taifun "Haiyan" wird am kommenden Sonntag Vietnams Küste erreichen (zum Vergrößern klicken)  (Quelle: MeteoMedia)Taifun "Haiyan" wird am kommenden Sonntag Vietnams Küste erreichen (Quelle: MeteoMedia)

In der betroffenen Region leben laut OCHA 18 Millionen Menschen. Der Sturm überquerte die Philippinen vom Pazifik aus Richtung Nordwesten und nahm über dem südchinesischen Meer Kurs auf Vietnam. Dort sollte er laut einem DWD-Meteorologen am Sonntagvormittag noch mit Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern in der Stunde auf Land treffen und im Landesinneren am Montag weiter an Kraft verlieren. Von dem gewaltigen Taifun seien voraussichtlich auch Teile von Kambodscha, Laos und Südchina betroffen.

Wenig verlässliche Informationen

Verlässliche Informationen über die Zerstörung auf den Philippinen waren aber zunächst rar. Der Fähr- und Flugverkehr war eingestellt und die Straßen waren durch Bäume oder Erdrutsche unpassierbar.

OCHA teilte mit: "Partner-Hilfsorganisationen berichten, dass die Dächer selbst von den sicher geglaubten Gebäuden gerissen wurden." Selbst nur von den Ausläufern betroffene Regionen berichteten von Stromausfällen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Aus der Region, die direkt getroffen wurde, gab es bis zum Abend nur vereinzelt Videos, die Anwohner auf dem Handy gemacht hatten und hochladen konnten.

"Die fehlende Kommunikation ist ein Riesenproblem"

Auf einigen waren überspülten Strände zu sehen, auf anderen tonnenschwere Metallteile, die wie Spielzeug durch die Luft wirbelten. Der Chef des Katastrophenschutzes, Eduardo del Rosario, sagte: "Die fehlende Kommunikation ist ein Riesenproblem, wir kennen die Lage vor Ort nicht."

Minnie Portales von der Hilfsorganisation World Vision auf den Philippinen berichtete: "Dieser Sturm ist wesentlich stärker als Taifun "Bopha" im vergangenen Jahr, und damals starben mehr als 1000 Menschen." Sie ergänzte: "216.000 Häuser wurden damals zerstört und wir rechnen auch diesmal mit dem Schlimmsten." Die Behörden waren vorbereitet: 718.000 Menschen waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

Indes bereiteten sich mehrere Hilfsorganisationen auf Einsätze auf den Philippinen vor. Nach Angaben von Unicef waren die Inselprovinzen Samar, Leyte und Bohol am Freitag komplett von der Stromversorgung abgeschnitten. Telefonverbindungen seien nicht möglich. Das Hilfswerk Misereor, das auf den Philippinen zahlreiche Projekte unterhält, hatte ebenfalls Kommunikationsprobleme mit den betroffenen Gebieten.

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