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Erdbeben in Italien: 'Ein Desaster! Ich habe die Hölle gesehen'

Schweres Erdbeben in Mittelitalien  

"Ein Desaster! Ich habe die Hölle gesehen"

30.10.2016, 15:04 Uhr | dpa

Erdbeben in Italien: 'Ein Desaster! Ich habe die Hölle gesehen'. Zerstörte Gebäude in der Gemeinde Amatrice in Mittelitalien. (Quelle: dpa)

Zerstörte Gebäude in der Gemeinde Amatrice in Mittelitalien. (Quelle: dpa)

Erneut hat ein heftiges Erdbeben Italien erschüttert. Es sei das stärkste seit 1980, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. Dramatischer formulierte es der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi: "Ich habe die Hölle gesehen."

Todesopfer gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht, teilte der Zivilschutz mit. Viele Menschen seien aus den Trümmern geborgen und rund 20 Menschen seien verletzt worden, es schwebe aber niemand in Lebensgefahr. 

"Wir werden alles wieder aufbauen"

Italiens Premierminister Matteo Renzi sagte den Menschen sofortige Hilfe zu und sprach ihnen sein Mitgefühl aus. "Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte", versprach der Regierungschef. Papst Franziskus sagte, er bete für die Menschen in der betroffenen Region.

"Es war ein sehr starker Erdstoß", berichtete Cesare Spuri vom Zivilschutz in der Region Marken. "Es ist alles eingestürzt", sagte zudem der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. "Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen."

Der Präsident der Region Marken, Luca Ceriscioli, befürchtet Zehntausende Obdachlose. Zudem könne die Zahl der Hilfsbedürftigen auf bis zu hunderttausend steigen, sagte Ceriscioli.

Folge des Erdbebens im August

Der Erdstoß gegen 7.40 Uhr hatte eine Stärke von 6,5, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam mitteilten. Die US-Erdbebenwarte sprach sogar von einer Stärke von 6,6.

Das Zentrum lag nahe der Stadt Norcia, die für ihren mittelalterlichen Kern bekannt ist. Auf der berühmten Piazza San Benedetto stürzte die Basilika aus dem 14. Jahrhundert ein. Am frühen Sonntagnachmittag erschütterte ein Nachbeben der Stärke 4,6 die Region.

Das Beben am Morgen ereignete sich den Experten zufolge in etwa zehn Kilometern Tiefe. Es handele sich um eine direkte Folge der verheerenden Erdstöße im August rund um das Bergstädtchen Amatrice, sagte der Seismologe Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungsinstitut in Potsdam. Die Beben regten sich gegenseitig an: "Wir sprechen von einer Erdbebensequenz - also mehreren Beben, die in der Größe etwas variieren, wo aber das größte nicht unbedingt am Anfang steht."

Auch in Rom wackelte es

Bei Betroffenen löste das erneute Beben Panik aus. Das Beben sei deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet waren unterbrochen.

Auch in Rom war das Beben zu spüren. Vorübergehend wurden die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr. Mehrere Gebäude wurden vorsorglich überprüft und teils geschlossen - darunter auch zwei Basiliken. Zwei Straßen wurden gesperrt.

Warum es immer wieder Mittelitalien trifft

Die Gefahr für die Menschen in der Region sei nicht gebannt, sagte der Seismologe Tilmann: "Es wird natürlich auf jeden Fall zu Nachbeben kommen." Auch die Wahrscheinlichkeit eines starken Bebens sei derzeit sehr viel höher als im langfristigen Mittel. "Es ist sicher weise, noch eine Weile wegzubleiben für die Menschen, die das können."

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdstöße die Region in Mittelitalien erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben mit 298 Opfern heimgesucht worden war. Die meisten starben im Ort Amatrice, auch dort gab es am Sonntag neue Schäden. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro.

Das mittlere Italien ist besonders oft von Erdbeben betroffen. Grund sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der "Adriatische Sporn" - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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