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Jessicas Tod rüttelte auf

Kinderschutz  

Jessicas Tod rüttelte auf

28.02.2006, 10:11 Uhr | Von Sebastian Raabe, dpa, t-online.de

Vor einem Jahr machte der Tod der kleinen Jessica die Menschen in Deutschland bestürzt und ratlos Und noch immer ist es schwer zu begreifen, was die Eltern ihrer siebenjährigen Tochter angetan haben. Am 1. März 2005 starb das Mädchen unter albtraumhaften Umständen, nachdem sie jahrelang gelitten hatte. Ihre Eltern hielten sie wie eine Gefangene in einem verwahrlosten und abgedunkelten Zimmer in einem Hochhaus in Hamburg-Jenfeld. Sie war stark unterernährt, litt unter Hungerödemen und Kalziummangel. Unbemerkt von Nachbarn und Behörden erstickte Jessica schließlich, auf gerade 9,6 Kilogramm abgemagert, an erbrochenem Speisebrei. Im November wurden die Eltern zu lebenslanger Haft verurteilt - wegen Mordes.


Zehntausende Kinder werden vernachlässigt
Doch das Grauen weckte auch Erwartungen: Bundesweit diskutieren Fachleute und Politiker über die Vernachlässigung von Kindern und die Möglichkeiten, ähnliche Fälle zu verhindern. Der Kinderschutzbund schätzt die Zahl der vernachlässigten Kinder in Deutschland auf den sehr weiten Rahmen von 50.000 bis 500.000. "Oftmals ist die Vernachlässigung schwer zu entdecken. Das erklärt die große Spanne in der Schätzung", erklärt eine Sprecherin. "Und nicht alle Fälle sind so dramatisch, wie der Tod der kleinen Jessica."

"Sehr leise und in kleinen Schritten"
Auch Uwe Hinrichs, Geschäftsführer des Hamburger Kinderschutzbundes, kennt diese Probleme: "Meist entwickelt sich Vernachlässigung sehr leise und in kleinen Schritten. Das wird häufig vom Umfeld gar nicht wahrgenommen." Hamburg will mit einer Bundesratsinitiative Vorsorgeuntersuchungen zur Pflicht machen, um so frühzeitig eingreifen zu können. In der Hansestadt sind möglicherweise 800 bis 8000 Kinder betroffen.

Kritik an Pflichtuntersuchungen
Doch wie der Kinderschutzbund bezweifelt auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Wirksamkeit der geplanten Pflichtuntersuchungen. Eine solche Maßnahme "sei kein Allheilmittel. Damit würden wir uns nur in falscher Sicherheit wiegen", sagt die Ministerin. Hinrichs kritisiert die Initiative sogar: "Es werden plakativ Pflichtuntersuchungen gefordert." Damit werde der Eindruck erweckt, man könne so die Vernachlässigung von Kindern verhindern. "Doch das ist inhaltlich falsch. Selbst das Streichen des Kindergeldes werde manche Eltern nicht beeindrucken. "Es wird genau das Gegenteil passieren. Es werden noch mehr Fälle entstehen. Darin sehe ich eine große Gefahr", erläutert der Experte.

Angebote besser an Eltern herantragen
"Wir brauchen positive Kampagnen für Vorsorgeuntersuchungen. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, dass diese Untersuchungen wahrgenommen werden", sagt Hinrichs. Auch Ärzte und Krankenkassen sollten das unterstützen. Außerdem müssten Kinderärzte qualifiziert werden, um Anzeichen von Vernachlässigung entdecken zu können, meint Hinrichs. Hamburgs Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) setzt auf die Initiative. "Wir hatten auch vorher viele Unterstützungsangebote für Eltern und Hilfsangebote für Kinder. Es mangelte jedoch offenbar daran, dass die Hilfen auch zuverlässig bei den Kindern ankommen, die sie am dringendsten brauchen." Das solle sich nun ändern.

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