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Strafvollzug in den USA: Ein Prozent der Amerikaner sitz im Knast

Statistik über Gefängnisse  

Viele Amis sitzen im Knast - Weltrekord

29.02.2008, 16:59 Uhr | dpa

Mehr Häftlinge als irgendwo anders auf der Welt gibt es in den USA (Quelle: Reuters)Mehr Häftlinge als irgendwo anders auf der Welt gibt es in den USA (Quelle: Reuters) Weltweiter Rekord: In den USA sitzt von 100 erwachsenen Amerikaner einer im Gefängnis. Das klingt gar nicht so viel - ist aber tatsächlich globale Spitze. Die USA haben den höchsten Anteil von Gefangenen an der Gesamtbevölkerung auf der Erde, berichtete das unabhängige Wissenschaftsinstitut PEW in Washington. Nach deren Studie saßen zu Beginn des Jahres 2008 2,32 Millionen Menschen in amerikanischen Gefängnissen - so viele wie noch nie in der Geschichte des Landes und 25.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Mehr als in China

Auch in absoluten Zahlen führen die USA mit ihren 300 Millionen Einwohnern vor China. In dem bevölkerungsreichsten Land der Erde mit 1,3 Milliarden Einwohnern sitzen schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen hinter Schloss und Riegel. In Deutschland sind derzeit etwa 77.000 inhaftiert (mit U-Haft und Sicherungsverwahrung), das sind etwa 0,15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Immer mehr Frauen

Grund für die Entwicklung in den USA sind nach Einschätzung der Wissenschaftler vor allem härtere Urteile der Bundes- und Staatsgerichte in den vergangenen 20 Jahren. Jeder neunte schwarze Amerikaner im Alter zwischen 20 und 34 Jahren sei im Gefängnis, verweist die PEW-Studie auf jüngste Angaben des US-Justizministeriums. Bei weißen US-Bürgern dieser Altersgruppe befinde sich nur einer von 30 in Haft. Derzeit seien 13-mal so viele Männer im Gefängnis wie Frauen. Deren Zahl steige aber stetig. Junge schwarze Frauen seien fast viermal so häufig im Gefängnis wie weiße Frauen dieser Altersgruppe.

Viel teurer als die Bildung

Die Kosten der 50 amerikanischen Bundesstaaten für den Unterhalt der Haft- und Justizvollzugsanstalten belaufen sich zusammen auf mehr als 30 Milliarden Euro im Jahr, heißt es in der Studie: mehr als viermal so hoch wie vor 20 Jahren. Damals lagen die Kosten bei gut sieben Milliarden Euro. Damit seien die Haftkosten sechsmal so stark gestiegen wie die Ausgaben für Bildung.

Rückfallquote unverändert

Die Rückfallquote von entlassenen Strafgefangenen ist der Studie nach in den vergangenen Jahrzehnten etwa gleichgeblieben. Etwa jeder zweite Gefangene werde binnen drei Jahren nach seiner Entlassung wieder straffällig. Die ständig wachsende Zahl von Gefängnisinsassen belaste die ohnehin finanziell gebeutelten US-Staaten und beschränke ihre Möglichkeiten im Kampf gegen die Kriminalität.

Staaten suchen nach Alternativen

"Trotz der vielen Gelder für den Strafvollzug gibt es keine überzeugenden Ergebnisse für die öffentliche Sicherheit", urteilt PEW-Chef Adam Gelb. Deshalb überlegten mehr und mehr Staaten, alternative - und vor allem billigere - Strafmaßnahmen gegen Personen zu verhängen, die keine schweren Straftaten verübt haben. Zu den kostengünstigeren Maßnahmen gehören Hausarrest, elektronische Fußfesseln oder die Anordnung von Gemeindearbeit und Therapien. Viele Gefängnisinsassen seien heute wegen relativ harmloser Straftaten oder wegen der Verstöße gegen ihre Bewährungsauflagen wieder im Gefängnis.

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