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Schütze stellte Gewaltvideos ins Internet

Amoklauf in Finnland  

Schütze stellte Gewaltvideos ins Internet

24.09.2008, 10:59 Uhr | dpa

Matti Juhani Saari posiert auf YouTube mit seiner Walther P22 (Quelle: dpa)Matti Juhani Saari posiert auf YouTube mit seiner Walther P22 (Quelle: dpa) Der Amokläufer von Kauhajoki hat sich im Internet als Pistolenschütze präsentiert. Auf der Online-Plattform YouTube waren verschiedene Videos zu sehen, in denen Matti Juhani Saari mit einer Walther P22 an einem Schießstand hantierte. Auch die finnische Polizei kannte diese Videos, sah aber keinen Grund, einzuschreiten. Menschen, die ihn kannten, beschrieben den 22-Jährigen hingegen als zurückhaltend und unauffällig.

"Er war wie jeder von uns"

Welche schreckliche Tat der junge Mann plante, scheint in seinem Umfeld niemand bemerkt zu haben. Die Mitbewohner in seinem Studentenwohnheim beschrieben den Amokläufer gegenüber der Zeitung "Iltalehti" als zurückhaltend und unauffällig. "Er hatte ein Elektroschlagzeug, auf dem er auch spät am Abend noch spielte. Er hatte keine Freundin. Er war ein ruhiger Mensch", sagt ein junger Berufsschüler. "Er war wie jeder von uns. Ruhig, aber kein bisschen isoliert", erklärte eine Nachbarin. Im Internet schrieb Matti Juhani Saari über sich: "Ich lebe allein mit meiner Katze und will keine Kinder haben."

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"Computer, Waffen, Sex und Bier"

Doch Matti Juhani Saari hatte noch ein anderes Gesicht. Für YouTube ließ er sich mehrfach bei Schießübungen filmen. In seinem zugehörigen Online-Profil nannte sich der Amokschütze nach einer deutschen Gothic-Band und seinem Geburtsjahr "Wumpscut86". Detailliert gab er Auskunft über seine Hobbys - "Computer, Waffen, Sex und Bier" - sowie seinen Musikgeschmack, vorrangig Heavy Metal. Im Internet fand sich außerdem eine Datei mit dem Titel "Massaker in Kauhajoki" unter seinem Namen. Mittlerweile haben die Betreiber der Plattform diese Seite gesperrt.

"Du stirbst als Nächster"

Ein finnischer Blogger verbreitete einen Internethinweis, auf dem mehrere Bilder von Matti Juhani Saari zu finden waren. Auf den Fotos zielte er etwa mit einer Pistole direkt auf den Betrachter. Eine Collage zeigt den jungen Mann von hinten vor blutrotem Hintergrund, daneben steht "Wumpscut on its way to hell" (Wumpscut auf seinem Weg zur Hölle). Auch ein Video mit dem Titel "Du stirbst als Nächster" war darunter.

"Und plötzlich war Krieg"

Nur wenige Stunden vor dem Amoklauf hatte sich der Täter noch einmal bei YouTube angemeldet. Auf seiner Profilseite fand sich auch ein Lied der Gruppe Wumpscut - ein Projekt des deutschen Künstlers Rudy Ratzinger - mit dem Titel "War" (Krieg), in dem es heißt: "... und plötzlich war Krieg, unsere Kinder tot..." Es soll sich jedoch um ein Anti-Kriegs-Lied handeln. Noch bevor die Seite gesperrt wurde, hatten bereits etliche Internet-Nutzer dort einen Kommentar hinterlassen. Nutzer yrttisilppuri klagte an: "Menschen töten, um Bekanntheit zu erlangen? (...) Wenn es sein eigener Krieg ist, warum tötet er dann nicht sich selbst?"

Polizist nahm Waffe nicht weg

Noch am Tag zuvor hatte ein Polizist Saari wegen dessen Gewaltvideos im Internet vorgeladen. Er sah nach dem Gespräch jedoch keinen Grund zum Einschreiten. Der 22-Jährige hatte im Sommer zum ersten Mal einen Waffenschein für eine halbautomatische Pistole vom Typ Walther P22 beantragt und ihn anstandslos bekommen.

Pistole legal erworben

Jetzt starben zehn Mitschüler in der Berufsschule in Kauhajoki durch Kugeln aus dieser Pistole. Auch der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen war im letzten November mit einer legal erworbenen Pistole in seine Schule in Jokela marschiert und hatte acht Menschen erschossen. Auch er hatte still und für sich allein gelebt, viel Zeit vor dem Computer verbracht und seine Mordpläne im Internet angekündigt. In der finnischen Öffentlichkeit kamen danach Debatten über die Notwendigkeit auf, die Waffengesetze zu verschärfen.

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