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Forderungen nach Konsequenzen werden laut

Amoklauf von Winnenden  

Forderungen nach Konsequenzen werden laut

11.03.2009, 16:00 Uhr | dapd, dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich tief betroffen (Foto: dpa)Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich tief betroffen (Foto: dpa)

Mit Trauer und Entsetzen reagierten Politik und Öffentlichkeit auf den Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden", versicherte Bundespräsident Horst Köhler. Gleichzeitig begann eine Debatte über die Konsequenzen des erneuten Amoklaufs an einer deutschen Schule.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "tief erschüttert" über das Blutbad. "Es ist unfassbar, dass binnen Sekunden Schüler, Lehrer durch ein entsetzliches Verbrechen in den Tod gerissen wurden", kommentierte sie die dramatischen Ereignisse. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Kiel: "Ich fühle tiefe Trauer." Auch der FDP-Chef Guido Westerwelle drückte sein Mitgefühl aus. Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir wünschten den Verletzten eine baldige Genesung.

Die Lehren von Erfurt Was ist daraus geworden?

"Erziehungs-Partnerschaften sollen Gewaltakte verhindern"

Unterdessen regte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen "Erziehungs-Partnerschaften" zwischen Schulen und Eltern an, um gemeinsam "solche schrecklichen Ereignisse im Vorfeld zu erkennen und abzuwenden". Der Bundestags-Fraktionsvize der Linken, Bodo Ramelow, forderte ein zentrales elektronisches Waffenregister, um den Zugang zu Schusswaffen zu erschweren.

Gewerkschaft fordert Zugangskontrollen

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, sprach sich für elektronische Einlasskontrollen am Schultor aus, damit während der Unterrichtszeit "nicht jeder X-Beliebige in eine Schule laufen" könne. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, lehnte derartige Vorkehrungen hingegen ab. "Solche Maßnahmen gaukeln nur Sicherheit vor", sagte Kraus der Chemnitzer "Freien Presse". "Man könnte zwar eine Schule zum Hochsicherheitstrakt machen - aber wenn jemand Amok läuft, kann er auch einen Schulbus ins Visier nehmen, und Sie können nichts machen."

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Politiker forderten Konsequenzen

Der Amoklauf in der baden-württembergischen Realschule erinnert an das grausige Schulmassaker in Erfurt. Dort erschoss vor sieben Jahren ein 19-jähriger Ex-Gymnasiast kaltblütig 16 Menschen innerhalb von zehn Minuten. Der Aufschrei war groß, die Betroffenheit tief, Politiker verlangten einschneidende Konsequenzen. Auf den ersten Blick hat sich wenig geändert: Schulen klagen über Lehrermangel und zu wenig Schulpsychologen. Jugendliche leiden unter Gewalt unter Schülern und wachsendem Leistungsdruck im Unterricht. Und noch immer stehen gewaltdominierte Computerspiele ganz oben in den Verkaufslisten.

Kontrollmechanismen sind zweifelhaft

Schnell ins Gespräch kamen 2002 unter anderem die Heraufsetzung der Volljährigkeit auf 21 Jahre, eine Verschärfung des Waffenrechts sowie das Verbot von Gewaltfilmen und blutrünstigen Computerspielen. Letztere hatte auch der Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser konsumiert. Einiges davon wurde umgesetzt. Wie schon zuvor Filme, werden nun auch Computerspiele nur gemäß ihres Alters freigegeben; Käufer von "Ballerspielen" müssen also mit Ausweiskontrollen rechnen. Ob dies im Zeitalter von CD-Brennern und Internet den Zugang wirksam begrenzt, erscheint indes zweifelhaft.

Staat verschärfte das Waffenrecht

Der Bundestag verschärfte auch das Waffenrecht. Sportschützen - Steinhäuser war einer von ihnen - dürfen nun erst ab 21 Jahren Gewehre oder Pistolen besitzen. Für Jäger wurde die Altersgrenze für den Besitz von Schusswaffen von 16 auf 18 Jahre angehoben. Bei Personen unter 25 Jahren wird zudem ein Eignungstest zur Voraussetzung für den Waffenbesitz gemacht. Steinhäuser hatte vor sieben Jahren seine Pistole und die Pumpgun ordnungsgemäß im Laden gekauft.

Nur zehn Prozent der Waffen sind legal

Doch auch diese Maßnahmen stoßen bei Experten weiter auf Skepsis, denn die größere Gefahr im Alltag bilden die vielen illegalen Waffen. Laut Polizeistatistik sind Schuss-Tatwaffen in der Regel nur zu zehn Prozent legal im Besitz der Täter.



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