Sie sind hier: Home > Panorama > Kriminalität >

Nach Amoklauf in Winnenden: 17-Jähriger in Nordrhein-Westfalen festgenommen

Nach Massaker von Winnenden  

17-Jähriger Schüler nach Amokdrohung festgenommen

13.03.2009, 16:00 Uhr | dapd

Die Polizei fand bei einem 17-Jährigen im Ennepe-Ruhr-Kreis Material, um Bomben zu bauen (Foto: AP)Die Polizei fand bei einem 17-Jährigen im Ennepe-Ruhr-Kreis Material, um Bomben zu bauen (Foto: AP)

Nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Polizei im nordrhein-westfälischen Ennepetal möglicherweise eine weitere Bluttat an einer Schule verhindert. Die Ermittler nahmen einen 17-jährigen Gymnasiasten wegen einer Amokdrohung fest, wie Landrat Arnim Brux am Freitag mitteilte. Bei der Durchsuchung seines Zimmers wurden Chemikalien und Bauanleitungen für Sprengsätze gefunden.

Der Jugendliche soll die Tat für den 20. April angekündigt haben - den zehnten Jahrestag des Schulmassakers von Littleton in den USA. Er bestreitet aber, die Drohung ernst gemeint zu haben. Der Gymnasiast wurde zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Ermittler hatten den 17-Jährige am Donnerstagmittag aus der Schule geholt und vorläufig festgenommen.

Chat-Ankündigung im Internet Ermittler zweifeln an Echtheit
Wie erkennt man Trittbrettfahrer? "Ich mach' Amoklauf morgen"
Video Tim K.s letzte Minuten auf Bild.de
Foto-Serie Amoklauf in Winnenden

Material für Sprengsatz zu Hause

Bei einer Durchsuchung seines Zimmers fanden sie unter anderem 30 Gramm Schwarzpulver, rund 200 China-Böller und Glyzerin. Das Material hätte einem Polizeisprecher zufolge gereicht, um mit entsprechenden Kenntnissen Sprengsätze zu bauen. Aus dem Internet hatte der Schüler Anleitungen für den Bau heruntergeladen und auf einem USB-Stick gespeichert. Er besaß zudem ein Luftgewehr und diverse Waffenimitate.

18. Geburtstag nicht mehr geplant

Der Gymnasiast war den Angaben zufolge bereits 2007 auffällig geworden, als er einen Lehrer bedrohte. Danach habe er sich in psychiatrische Behandlung begeben, hieß es. Am Montag erhielt die Polizei von der Mutter einer Mitschülerin erste vage Hinweise auf den Jugendlichen. Bis Donnerstag habe man dann eine "konkrete Quelle" ausgemacht, hieß es: Demnach hatte der 17-Jährige erklärt, seinen 18. Geburtstag nicht mehr erleben zu wollen.

Blog Sollte die Schule geschlossen werden?
Augenzeugenbericht "Mach', dass du von da wegkommst"
Rückblick Der Tag des Amoklaufs

Verdächtiger spricht von "dummem Spaß"

Die Tat habe er für den 20. April angekündigt - den Jahrestag des Schulmassakers von Littleton und Hitlers Geburtstag. Der Gymnasiast bestritt in Verhören nachdrücklich, seine Ankündigung ernst gemeint haben, wie ein Polizeisprecher sagte. Er habe sich nur einen "dummen Spaß" erlaubt. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts auf Störung des öffentlichen Friedens und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.

Grafik Amokläufe an deutschen Schulen
Die Lehren von Erfurt Was ist daraus geworden?

Falscher Alarm in Baden-Württemberg

Als Fehlalarm hat sich unterdessen eine Amok-Drohung an einer Realschule in Ilsfeld südlich von Heilbronn in Baden-Württemberg herausgestellt, die in der Nacht in einem Internet-Chat ausgesprochen wurde. Bei einer Durchsuchung sei nichts gefunden worden, was auf eine Gewalttat hindeute, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Schule sei wieder freigegeben worden.

Drohung gegen fiktive Schule

Ein 21-Jähriger aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide wurde nach seiner Festnahme wegen einer Amokdrohung am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt. Er hatte im Internet einen "Amoklauf an der Teichschule" angekündigt und dies bei der Vernehmung auch sofort zugegeben. Eine Teichschule gibt es in dem betroffenen niedersächsischen Kreis Soltau-Fallingbostel nicht. Als Motiv gab der 21-Jährige an, er habe sich einen Spaß machen wollen und unter dem Eindruck des Amoklaufs in Winnenden spontan während des Chattens die Drohung verfasst. Laut Polizei ergaben die Ermittlungen, dass der 21-Jährige keinerlei Möglichkeiten hatte, an Waffen zu kommen, bisher hätten sich auch keine Hinweise auf weitere Straftaten ergeben.

Schulen zu Festungen? Experten gegen überzogene Maßnahmen
Ratgeber
Hintergrund "Junge Amokläufer sind schwache Personen"
Der übliche Verdächtige Worum geht es in "Counter-Strike"?
Hintergrund Killerspiele

Potenzielle Nachahmer kaum auszumachen

Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz sagt, diese Drohungen seien typisch, nicht nur für Schulamokläufe, sondern auch beispielsweise für Produkterpressungen. Besonders fatal sei aber bei Amokläufern die "Heldenverehrung". Bereits jetzt gebe es Bilder von Tim K., die mit Musik unterlegt seien. Nur ganz wenige verehrten Amokläufer. Von diesen aber könnten einige zu Nachahmern werden.

Amokläufe kaum zu verhindern

"Diese ganz wenigen", so Gallwitz, " haben einen andere Wahrnehmung." Man könne kaum im voraus erkennen, was sich bei ihnen anbahne, so der Psychologe. Amokläufe seien daher im Prinzip kaum zu verhindern.

Mehr aktuelle Nachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal