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Amoklauf in Winnenden: "Der 11. März ist unser 11. September"

Nach dem Amoklauf von Winnenden  

"Der 11. März ist unser 11. September"

13.03.2009, 20:28 Uhr | Von Isabell Scheuplein, AP

Vor der Albertville-Schule in Winnenden zeugen handgeschriebene Botschaften von Trauer und Ohnmacht (Foto: AP)Vor der Albertville-Schule in Winnenden zeugen handgeschriebene Botschaften von Trauer und Ohnmacht (Foto: AP)

Kerzen, Stofftiere und Abschiedsbriefe - die Trauer vor der Albertville-Realschule in Winnenden ist auch zwei Tage nach dem Amoklauf mit 16 Toten noch greifbar. "Der 11. März ist unser 11. September", steht mit Bezugnahme auf die Terroranschläge in den USA im Jahr 2001 auf einer der zahlreichen handgeschrieben Botschaften, die Trauernde zusammen mit hunderten Kerzen und Blumen an mehreren Orten vor dem Schulgebäude abgelegt haben.

Die Schüler werden weiterhin in einer gegenüberliegenden Stadthalle betreut. Manche wollten reden, manche wollten nur still da sitzen und in den Arm genommen werden, berichtet Annette Kull vom Deutschen Roten Kreuz.


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Noch kann keiner begreifen, warum Tim K. in seiner ehemaligen Schule Amok lief (Foto: Markus Merz/Stuttgarter Nachrichten dpa/Foto vom 7.6.2006)Noch kann keiner begreifen, warum Tim K. in seiner ehemaligen Schule Amok lief (Foto: Markus Merz/Stuttgarter Nachrichten dpa/Foto vom 7.6.2006)

Der erste Schock lässt nach

Manche wollten am liebsten sofort wieder zum Unterricht gehen, andere wollten das Schulgebäude, in dem der Amokläufer Tim K. zwölf Menschen erschoss, nie wieder betreten. Die Angehörigen der Opfer werden zu Hause betreut. Kull berichtet, dass den Schülern, Eltern und Lehrern, aber auch den Einsatzkräften, nach dem ersten Schock nun langsam das gesamte Ausmaß des Geschehenen bewusst wird.

Betreuer an ihren Grenzen

Noch mindestens ein halbes Jahr werden sie voraussichtlich Beistand brauchen. Doch auch die Betreuer selbst geraten langsam an ihre Grenzen, wie es heißt. Die Albertville-Realschule ist noch immer von der Polizei abgesperrt, die meisten Klassenzimmer sind dunkel. Die drei vor der Schule aufgestellten Fahnen wehen auf Halbmast. Ein Lkw bringt Umzugskartons.


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Bleibt die Schule stehen?

Auch nächste Woche wird nach Auskunft der Schulleiterin Astrid Hahn der Unterricht noch nicht wieder aufgenommen, und auch danach wird er nicht in dem Gebäude stattfinden. Was aus der Schule wird, ob sie umgebaut wird wie das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt nach dem Amoklauf vor knapp sieben Jahren oder gar abgerissen, ist nach Angaben der Stadt noch nicht entschieden.

Tränen zwischen Kabeltrommeln

Auch am Tag zwei nach dem Amoklauf kommen Schüler und vereinzelt Erwachsene, um Kerzen anzuzünden und Briefe an die Getöteten niederzulegen. "Warum?" ist die Frage, die darin am häufigsten auftaucht. Ein Junge sitzt auf einem Stein und weint hemmungslos. Die Trauer findet auch am Freitag neben knapp einem Dutzend Übertragungswagen der Fernsehsender statt. Stromgeneratoren brummen direkt neben dem Kerzenmeer, mitten darin steht eine Kabeltrommel. Abgasgestank liegt in der Luft, leere Kaffeebecher und Zigarettenschachteln liegen herum.

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Wut auf Presse wächst

Am Morgen bricht offener Streit aus zwischen einer Lehrerin, die mit ihrer Klasse in Ruhe die Schilder und Briefe betrachten möchte, und einem Fernsehteam. Mit einem rot-weißen Band sperrt die Polizei daraufhin einen Bereich vor der Schule ab, den fortan nur noch die Trauenden betreten dürfen. "Es hat Beschwerden gegeben", sagt Polizeisprecher Klaus Hinderer zur Begründung. "Keine Presse", "Gegen Paparazzi" haben Schüler im angrenzenden Gebäude mit Hauptschule und Gymnasium auf Plakate geschrieben und in das Fenster ihres Klassenzimmers gehängt. Auch sie sind genervt von dem Medienauflauf.

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Überlebende traumatisiert

Es wird noch Wochen dauern, bis wenigstens wieder etwas Normalität in der Kleinstadt einkehrt. "Das war schon ganz schön heftig, was hier passiert ist. Das wird nicht so schnell vergessen werden", sagt Michael Loos, der bis vergangenes Jahr auf eine benachbarte Schule gegangen war. Eine Freundin des 16-Jährigen konnte am Mittwoch vor dem Amokläufer fliehen und blieb unverletzt. Sie sei aber bis heute nicht ansprechbar und traue sich nicht auf die Straße. "Sie ist völlig zusammengebrochen", berichtet er.

Sirene schockiert

Auch in der Innenstadt von Winnenden kann von Alltag keine Rede sein. In den Cafés und Supermärkten drehen sich die Gespräche fast ausschließlich um die Tat. Es scheint, als kenne jeder jemanden, der direkt oder indirekt betroffen ist. Als am Nachmittag ein Polizeiauto mit Sirene durch die Fußgängerzone rast, blicken ihm die Passanten erschrocken nach, einige laufen entsetzt aus den Geschäften um zu sehen, was passiert ist. Diesmal war ein Schwelbrand in einem Supermarkt der Grund für den Einsatz. Laut Polizei gab es einen Leichtverletzten.

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