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Ermittler widersprechen Tims Eltern

Amoklauf von Winnenden  

Ermittler widersprechen Tims Eltern

16.03.2009, 08:16 Uhr | AFP, dpa, dapd

Tim K. im Jahr 2003 als Tischtennis-Spieler in Erdmannhausen (Foto: dpa)Tim K. im Jahr 2003 als Tischtennis-Spieler in Erdmannhausen (Foto: dpa)

Während am Samstag das erste Opfer des Amoklaufes von Winnenden beigesetzt worden ist, haben widersprüchliche Angaben über frühere psychotherapeutische Behandlungen des Täters für neue Verwirrung gesorgt. Die Eltern drohen dem Arzt mit einer Anzeige, er habe seine Schweigepflicht verletzt.

Tim K. ist nach Angaben der Ermittler im vergangenen Jahr in einer psychiatrischen Spezialklinik "mehrmals vorstellig" geworden. Die Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Stuttgart teilten mit, der 17-Jährige sei zwischen April und September 2008 einige Male im Klinikum Weissenhof in Weinsberg gewesen. Dagegen betonten die Eltern, ihr Sohn sei nicht psychotherapeutisch behandelt worden. Über ihren Anwalt Achim Bächle erklärten sie im Nachrichtenmagazin "Focus", Tim K. sei deswegen auch in keiner Klinik gewesen.

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Krankenhaus bleibt bei seiner Version

Die Behörden hatten nach dem Amoklauf mit 16 Toten vom Mittwoch mitgeteilt, der 17-Jährige sei wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen, die er jedoch abgebrochen habe. Der Leiter des Krankenhauses, Matthias Michel, hatte am Donnerstag dem SWR gesagt: "...der spätere Täter wurde bei uns behandelt, im Jahr 2008 auf ambulanter Basis, das heißt, er hat insgesamt fünf Termine hier bei uns gehabt und zwar dem Alter entsprechend in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der dortigen Ambulanz."

Familie behält sich rechtliche Schritte vor

"Es gab keine psychotherapeutische Behandlung des Jungen", sagte Anwalt Bächle. Ambulante Behandlungen seien etwas ganz anderes als eine Psychotherapie. Die Eltern ziehen nun rechtliche Maßnahmen in Betracht. "Wir erwägen, strafrechtliche Schritte gegen den Arzt einzuleiten. Er hat seine Schweigepflicht gebrochen", sagte der Rechtsanwalt der Eltern, Achim Bächle, der "Bild am Sonntag".

Hat der Vater sich schuldig gemacht?

Offenbar geht es der Familie vor allem um die Unterscheidung zwischen Psychotherapie im eigentlichen Sinne und einer ambulanten Behandlung. Hintergrund des zunächst kaum verständlichen Begriffsstreits könnte ein mögliches Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers sein. Denn sollte bei Tim K. eine "Amokneigung" ersichtlich gewesen sein, könnte sich der Vater der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben, weil er eine seiner Waffen nicht im Tresor, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Tim hatte diese Pistole für das Massaker verwendet.

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Kein Schießstand im Keller

Bächle widersprach im Namen der Eltern auch Berichten, wonach sich im Keller des Familienhauses in Leutenbach ein Schießstand befunden hat. Hierzu erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft, dass sich nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden kein Schießstand im Bereich des Elternhauses befinde.

Gemeinsame Schießübungen mit der Tatwaffe

Aussagen seines Vaters bei der Polizei zufolge soll Tim ihn nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" mindestens dreimal zu Schießübungen im Schützenverein begleitet haben, zuletzt vor drei Wochen. Die Übungen fanden mit der späteren Tatwaffe, einer Beretta, statt.

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Am Vorabend Killerspiele gespielt

Der Amokläufer hat laut "Spiegel" am Abend vor der Tat Killerspiele im Internet gespielt. Tim K., der am vergangenen Mittwoch in seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschoss, habe am Dienstagabend "Far Cry 2" am heimischen Computer gespielt, berichtet das Magazin und beruft sich auf die Ermittler.

Bilder von gefesselten Frauen

Die Auswertung des Rechners habe ergeben, dass der 17-Jährige gegen 19.30 Uhr das Spiel startete und den PC gegen 21.40 Uhr ausschaltete. Auf seinem Computer habe Tim K. auch Schießspiele wie "Counter-Strike" und "Tactical Ops" installiert. Zudem seien etwa 200 Pornobilder gefunden worden, davon mehr als 120 sogenannte Bondage-Bilder, die nackte, gefesselte Frauen zeigen.

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Pseudonym war "JawsPredator1"

Nach Angaben des "Spiegel" hat sich Tim K. schon vor Monaten mit Schulmassakern beschäftigt. Der 17-Jährige sei unter mehreren Pseudonymen wie "JawsPredator1" im Internet aktiv gewesen und habe unter anderem bei der Plattform "MyVideo" ein entsprechendes Profil gehabt.

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Erstes Opfer beerdigt

Das erste Opfer des Massakers wurde derweil beerdigt. Psychologen berichteten in Winnenden, die meisten Schüler und Lehrer hätten ihren ersten Schock überwunden. Nun gelte es, vorsichtig damit zu beginnen, die traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten, sagte der Leiter des Kriseninterventionsteams, Dieter Glatzer. "Auch für uns als Helfer ist es sehr belastend, mit allen Reaktionen klarzukommen."

Überlebende dürfen Sachen abholen

Die überlebenden Schüler durften ihre Fahrräder und ihre persönlichen Sachen wie Schulranzen oder Jacken abholen, die sie hatten zurücklassen müssen. Das Realschul-Gebäude blieb aber weiter abgesperrt, auch der Unterricht beginnt frühestens in einer Woche wieder, wie die Stadt Winnenden mitteilte.

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