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Großeltern können sich Tat nicht erklären

Amoklauf von Winnenden  

Großeltern können sich Tat nicht erklären

16.03.2009, 08:16 Uhr | dapd

Der Amokläufer Tim K. bei einer Siegerehrung im Jahr 2004 (Foto: ddp)

Auch die Großeltern des Amokläufers Tim K. können sich die Tat ihres Enkels nicht erklären, der am Mittwoch 15 Menschen und sich selbst erschossen hat. Der 17-Jährige sei ein "ganz normaler, ruhiger Junge" gewesen, sagte Tims Oma Ruth K. der "Bild"-Zeitung. "Wir können es immer noch nicht fassen", wird die 82-Jährige zitiert. "Er war doch so ein lieber Kerl."

Ihr Mann, Tims Großvater Wilhelm K. berichtet, erst vergangenen Sonntag sei Tim mit seinen Eltern zu Besuch gewesen. Er sei ruhig gewesen, aber nicht ruhiger als sonst. "Er hat mit der Katze auf dem Boden gelegen und geschmust. Das hat er immer gerne gemacht", wird der 80-Jährige zitiert. "Wir haben uns auch schon den Kopf zermartert, ob da irgendetwas war. Aber da war nichts."

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"Nichts Auffälliges bemerkt"

"Warum er das getan hat, ist ein Rätsel und wird immer ein Rätsel bleiben", sagte der Großvater. Die Familie aß demnach vergangenen Sonntag gemeinsam zu Mittag, später gab es Kaffee und Kuchen. "Auch als er gegangen ist, haben wir nichts Auffälliges bemerkt", berichtet die Großmutter. Am Tag des Amoklaufs haben seine Eltern und seine Schwester Tim nicht mehr gesehen, da sie früher aufgestanden und aus dem Haus gegangen sind. "Der Tim hat länger geschlafen, erzählt, er müsse erst später in die Schule."

Polizei schützte auch Großeltern

Tims Vater, Jörg K., habe den Vorwurf zurückgewiesen, dass alle von Tim mitgeführte Munition von ihm sei, sagte Großonkel Hermann A. Nach dem Amoklauf habe die Polizei auch die Großeltern und den Großonkel aufgesucht und mitgenommen, um sie vor einem etwaigen Angriff ihres Enkels zu schützen. "Wer weiß, ob er vor den Verwandten noch haltmacht, wenn in einem Kind so etwas vorgeht", meinte A.

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Verändertes Verhalten

Er meinte dem Bericht zufolge einmal zu spüren, dass es Tim nicht gut ging: "Mitte Februar war das. Er saß bei uns im Sessel, sagte kaum etwas, war auffällig zurückhaltend. Ich habe noch überlegt, ob ich ihn darauf ansprechen soll. Aber ich habe es nicht gemacht. Aber was hätte er darauf auch sagen sollen?"

Viel Zeit bei den Großeltern verbracht

Der 76-Jährige meint, Tim habe die Tat schon länger geplant: "So was macht man nicht spontan von einem auf den anderen Tag." Bis zum Kindergarten habe Tim viel Zeit bei seinen Großeltern verbracht, berichteten sie. "Die Eltern waren ja viel bei der Arbeit. Sein Lieblingsspiel war mit dem Ball", sagte die Großmutter.

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"Er war immer ein guter Bruder"

Wenn Tim in den vergangenen Jahren geredet habe, dann am liebsten über Tischtennis. "Da war er ja einer der besten im Kreis. Dafür wurde er ja auch geehrt. Und er war immer ein guter Bruder. Er hat seine Schwester beschützt. Die beiden haben zusammengehalten." Von seiner Leidenschaft für Waffen wussten die Großeltern nichts: "Da hat er nicht viel erzählt." Er sei aber damit aufgewachsen. "Der Vater hat ihn ja schon mit 14 in den Schützenverein mitgenommen. Aber die Waffen waren zu Hause immer ordentlich weggeschlossen."

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Tim K. sollte Firma des Vaters übernehmen

In den Ferien habe er für die Firma des Vaters gearbeitet, die er übernehmen sollte. Bei seinen Großeltern sei er bei schönem Wetter im Garten gewesen, ansonsten habe er am liebsten "Mensch ärgere Dich nicht" gespielt. Am liebsten habe er handgeriebene Spätzle gegessen, "dann war er glücklich".

"Man möchte sich vor allem entschuldigen"

"Man möchte sich vor allem entschuldigen, wenn es auch Tim getan hat. Es geht all seinen Angehörigen an die Nieren, dass so etwas passiert ist, dass so viele junge Leute sterben mussten, das können wir alle überhaupt nicht fassen. Wir wünschen den Menschen, den Angehörigen der Opfer, dass sie darüber hinwegkommen werden, irgendwie, im Laufe der Zeit. Dass sie diese schweren Tage irgendwie hinter sich lassen können", sagte Hermann A. der Zeitung.

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