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Lehrer reagierten "heldenhaft"

Amoklauf von Winnenden  

Lehrer reagierten "heldenhaft"

16.03.2009, 08:16 Uhr | dpa, t-online.de, dapd

Das umsichtige Verhalten der Lehrer während des Amoklaufs rettete wahrscheinlich einigen Schülern das Leben (Foto: ddp)

Lehrer der Albertville-Realschule in Winnenden haben ihre Schüler trotz eigener Verletzungen vor dem Amokläufer Tim K. geschützt. Regierungspräsident Johannes Schmalzl sprach am Sonntag in Winnenden von "heldenhaften Reaktionen" der Lehrer während und nach der Tat am Mittwoch, bei dem neun Schüler und drei ihrer Kollegen getötet wurden.

"Die Lehrerinnen und Lehrer haben in doppelter Hinsicht heldenhaft reagiert. Sie haben - obwohl manche schon verletzt waren - die Schüler rechtzeitig in Sicherheit gebracht und haben bei den Schülern für Ruhe gesorgt", sagte Schmalzl. Herausragend sei auch die Leistung der Pädagogen nach dem Tattag, als sie trotz der eigenen tiefen seelischen Betroffenheit weiter die Schüler betreuten.

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Lehrerin verschloss die Tür

Eine Referendarin starb nach Medienberichten, als sie sich schützend vor einen Schüler stellte.

Eine Lehrerin andere verhielt ebenfalls mutig: Der Amokläufer verließ ihr Klassenzimmer, nachdem er bereits einige Schüler erschossen hatte. Er wollte wohl seine Waffe nachladen. Während er auf dem Flur war, rannte die Frau zur Tür und verschloss sie. Sicherheitsexperten stellten später fest, dass der Täter noch versuchte, das Schloss aufzuschießen. "Das ist ihm nicht gelungen", erklärte ein Experte dem "Tagesspiegel". Ein Mathematiklehrer, der unter einem Pult in Deckung gegangen war, rief sofort mit dem Handy eines Schülers die Polizei. Es war einer der ersten eingehenden Notrufe. Für die Mutter eines der anwesenden Schüler ist klar, dass er "Schlimmeres verhindert" hat, sagte sie der Zeitung "Die Welt".

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Kein Unterricht in der nächsten Woche

Auch in den Tagen nach der Tat hätten die Lehrer ihre Schüler nach Kräften unterstützt betonte Schmalzl. Die Lehrer seien den Schülern vertraut und könnten Brücken bauen für Schulpsychologen und andere Betreuungspersonen. Auch am Sonntag waren den Angaben zufolge 40 Schulpsychologen im Einsatz. Am Montag können die Schüler der Albertville-Realschule in anderen Schulen sowie Sport- und Gemeindehallen in ihren Jahrgangsstufen zusammenkommen und betreut werden. Dazu stehen neben ihren eigenen Lehrern auch Schulpsychologen und Lehrer anderer Schulen bereit. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges Angebot, Unterricht soll nächste Woche noch nicht stattfinden, wie der Leitende Schulamtsdirektor Wolfgang Schiele sagte.

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Bewältigung steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Betreuungsarbeit stehe die Bewältigung des Geschehenen. So gebe es beispielsweise die Möglichkeit, gemeinsam mit den Mitschülern Vorschläge für die Politiker und andere Verantwortliche zu erarbeiten, um künftig Amokläufe zu verhindern. Von Tag zu Tag soll dann entschieden werden, was den Schülern zugemutet werden kann und was nicht. Das Betreuungsangebot in der neben der Schule liegenden Stadthalle werde ebenfalls aufrechterhalten. Dort kümmern sich seit dem Amoklauf Notfallseelsorger und Psychologen um Schüler, Eltern, Lehrer und andere Hilfsbedürftige aus der Bevölkerung.

"Wir sind nicht allein"

Regierungspräsident Schmalzl sprach von einer "beeindruckenden Welle der Unterstützung". Aus vielen Regionen Baden-Württembergs und aus anderen Bundesländern habe es vielfältige Hilfsangebote gegeben. Der Oberbürgermeister der gut 27.000 Einwohner zählenden Stadt, Bernhard Fritz, sagte: "Dass wir soviel Zuneigung, Zuwendung und Hilfe bekommen, zeigt uns: Wir sind nicht allein."

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Abschlussprüfungen können verschoben werden

Was mit dem Gebäude der Albertville-Realschule geschieht, ob es umfangreich renoviert wird wie das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt nach dem dortigen Amoklauf, ist noch nicht entschieden. Schiele sagte, die für die Zehntklässler ab April anstehenden Abschlussprüfungen könnten verschoben werden. Das genaue Vorgehen werde noch entschieden. Kein Schüler solle benachteiligt werden. Landrat Johannes Fuchs kündigte an, es würden alle verfügbaren Sozialarbeiter und Psychologen nach Winnenden und in die Umgebung entsandt, damit die Kinder und Jugendlichen immer einen Absprechpartner zur Verfügung hätten, wenn einer gebraucht werde.

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