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Ermittlungen gegen Tim K.s Vater eingeleitet

Amoklauf von Winnenden  

Ermittlungen gegen Tim K.s Vater eingeleitet

16.03.2009, 19:59 Uhr | dpa, dapd, AFP

Der Vater von Tim K. bewahrte die Waffe, mit der der 17-Jährige das Massaker anrichtete, im Schlafzimmer auf (Foto: ddp)

Fünf Tage nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Vater des Täters Tim K. eingeleitet. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Waiblingen mit. Zur Begründung hieß es, der Hobby-Schütze habe vermutlich von den psychischen Problemen seines Sohnes gewusst, die Tatwaffe aber trotzdem im Schlafzimmer anstatt in einem Tresor aufbewahrt.

Dem Vater drohen damit laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe.

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Konkreter Anfangsverdacht

Es lägen konkrete Anhaltspunkte vor, dass die Eltern Kenntnis von den gesundheitlichen Problemen ihres Sohnes hatten. "Auf diesen Umstand begründet sich der konkrete Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. Zur Prüfung dieser Fragestellung hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater eingeleitet", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Mehrere Test in Klinik durchgeführt

Die Ermittler bestätigten erneut, dass Tim K. Mitte Dezember 2008 in Vorbereitung seiner Musterung in einem Schreiben an das Kreiswehrersatzamt auf seine Depressionen hingewiesen habe. In dem Formular sei ein Arzt des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg benannt worden. Nach Angaben des ärztlichen Direktors der Klinik wurde der Jugendliche dort mehreren Tests unterzogen und ihm eine weiterführende Behandlung an der Klinik in Winnenden empfohlen.

Strafrechtler: Gesteigerte Sorgfaltspflicht

Die Eltern hatten dagegen am Wochenende über ihren Anwalt erklärt, dass ihr Sohn "nie in psychotherapeutischer Behandlung gewesen und deswegen auch nie in einer entsprechenden Klinik behandelt worden" sei. Die Eltern haben eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren minderjährigen Kindern, erklärte der Bremer Strafrechtsprofessors Lorenz Böllinger. Wenn das Kind psychische Auffälligkeiten aufweise, sei die Verantwortung noch gesteigert.

Kein regelmäßiges Schießtraining

Nach einem Zeitungsbericht hat Tim K. entgegen erster Berichte nicht regelmäßig im Schützenverein seines Vaters trainiert. "Der Jugendliche hat nur ein Mal im Oktober 2008 auf der Pistolenschießbahn im Beisein des Vaters mit dessen Neun-Millimeter-Pistole geschossen", sagte Detlef Lindacher, Vorstandsvorsitzender des Schützenvereins SSV Leutenbach, den "Stuttgarter Nachrichten". Drei Wochen vor der Bluttat wollen Zeugen den 17-Jährigen dann mit einer großkalibrigen Waffe auf der Schießbahn gesehen haben. Der entsprechende Eintrag im Schießbuch fehle.

Kein Pflichtunterricht

Derweil sind Schüler der Albertville-Realschule erstmals wieder in ihrem jeweiligen Klassenverband, nicht aber in ihrem Schulgebäude zusammengekommen. Zu dem freiwilligen Angebot wurden die Schüler mit Bussen abgeholt und in Räume in anderen Schulen sowie Sport- und Gemeindehallen gebracht, wie ein Sprecher der Stadt erklärte. Unterricht im eigentlichen Sinne soll dabei vorerst nicht stattfinden. Vielmehr sollen die Kinder und Jugendlichen von ihren eigenen Lehrern sowie Schulpsychologen und Lehrern anderer Schulen betreut werden. In dieser Woche sollen weitere Opfer des Massakers beerdigt werden.

Grüne fordern "Abrüstung und Entwaffnung"

In der Politik geht die Debatte um die Konsequenzen nach dem Amoklauf weiter. Während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern stark machte, nannte die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, diesen Vorschlag unzureichend. "In Deutschland befinden sich rund sieben Millionen gefährliche Schusswaffen legal in privater Hand. Bei dieser Zahl kann die Forderung nach Winnenden nur lauten: Abrüstung und Entwaffnung!", sagte sie dem MDR. Die Politik müsse ein Zeichen setzen zum Schutz der Kinder und gegen die Interessen der Waffenlobby.

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Internet-Ankündigung sorgt für Wirbel

Die vermeintliche Ankündigung des Blutbads im Netz sorgt weiter für Wirbel. Die Betreiber der betroffenen Internetseite krautchan.net sprachen von einer Fälschung und vermuteten den Urheber in Düsseldorf. Ob er tatsächlich dafür verantwortlich ist, muss die Kontrolle der IP-Adresse des Computers ergeben.

Lehrergewerkschaft fordert Gefahrenzulage

Der Philologenverband setzte unterdessen sich für eine bessere Lehrerbezahlung oder eine Gefahrenzulage ein. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger, sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken." Zumindest müssten Lehrer finanziell besser gestellt werden. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche zeigte Sympathien für die Position. Die "Bild"-Zeitung zitierte sie mit den Worten: "Der Lehrerberuf wird auch vor dem Hintergrund von Gewalt immer schwieriger. Eine Diskussion über spezielle Gehälter halte ich deshalb für richtig."

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