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"Ganz Deutschland trauert mit Ihnen"

Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs  

"Ganz Deutschland trauert mit Ihnen"

23.03.2009, 11:31 Uhr

Tausende Menschen nehmen Abschied von den Opfern des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen (Foto: AP)Tausende Menschen nehmen Abschied von den Opfern des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen (Foto: AP)

Deutschland gedenkt der Opfer des Amoklaufs von Winnenden: In einer bewegenden Feier haben sich in der Katholischen Kirche St. Karl Borromäus 900 Trauergäste gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler von den 15 Menschen verabschiedet, die der 17-jährige Tim K. am 11. März erschossen hatte. Tausende Trauernde verfolgten den Gottesdienst, an den sich ein Staatsakt anschloss vor Großleinwänden in Winnenden oder im Fernsehen.


In ganz Deutschland wehten die Flaggen an öffentlichen Gebäuden als Zeichen der Anteilnahme auf Halbmast, in Baden-Württemberg läuteten eine Viertelstunde vor dem Gottesdienst alle Kirchenglocken. In Winnenden blieben viele Geschäfte geschlossen. Allerdings war die Zahl der Teilnehmer an der Trauerfeier mit rund 7500 deutlich geringe als erwartet. Die Stadt hatte sich auf rund 30.000 Gäste eingerichtet. Ministerpräsident Günther Oettinger hatte sogar von bis zu 100.000 erwarteten Trauernden gesprochen.


Foto-Serie Amoklauf in Winnenden

Eine Kerze für jedes Opfer

Zu Beginn der Feier, an der auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen sowie weitere Spitzenpolitiker teilnahmen, wurden die Namen der 15 Opfer verlesen. Nach dem Verlesen jedes einzelnen Namen trugen Schüler eine Kerze nach vorne, entzündeten sie und stellten sie zusammen mit einer gelben Rose auf dem Altar ab.


Köhler kritisiert Konsum von gewaltverherrlichenden Filmen

Als Konsequenz aus dem Amoklauf sprach sich Köhler gegen gewaltverherrlichende Filme und Computerspiele aus. "Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet?", fragte er. Er finde, dieser Art von "Marktentwicklung" sollte Einhalt geboten werden. Es sei auch eine Frage der Selbstachtung, welche Filme man sich anschaue, welche Spiele man spiele, welches Vorbild man seinen Freunden, Kindern und Mitmenschen gebe. Der Bundespräsident forderte dazu auf, denjenigen Eltern zu helfen, denen ihre Kinder zu entgleiten drohten.

"Sie sind nicht allein"

Köhler sagte, die wichtigste Voraussetzung, um einander verstehen, annehmen und helfen zu können, sei es, einen Menschen so wahrzunehmen, wie er ist. "Da haben auch die Schulgemeinschaften eine wichtige Aufgabe." Wirklich wichtig sei, "dass wir uns umeinander kümmern, dass wir uns gegenseitig annehmen und dass wir füreinander da sind". Den Hinterbliebenen der Opfer sprach er seine Anteilnahme aus: "Ganz Deutschland trauert mit Ihnen. Sie sind nicht allein."


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"Amokläufer nicht totschweigen"

Der württembergische Evangelische Landesbischof Frank Otfried July rief die Gesellschaft dazu auf, Kinder vor "falschen Bildern und falschen Verhaltensweisen" zu schützen. "Wir haben in dieser Gesellschaft miteinander Verantwortung, welche Bilder öffentlich werden und prägen, welchen Bildern unsere Kinder und Jugendlichen begegnen und welchen Erfahrungen", sagte July in seiner Predigt. July rief zugleich dazu auf, auch den Amokläufer Tim K. nicht totzuschweigen: Abgeschieden von den Opfern werde auch dieses Bruchstück eines Lebens vor Gott gestellt.

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"Nicht die Zeit für fertige Rezepte"

Der katholische Bischof Gebhard Fürst sagte, es sei jetzt noch nicht die Zeit, fertige Antworten zu geben oder gar Rezepte für künftiges Verhalten zu formulieren. "Jetzt ist die Zeit, Trauer, Schreien und Klagen zuzulassen und all dem Raum zu geben", sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.


Eltern fordern Konsequenzen

Bei dem Amoklauf am 11. März hatte der 17-jährige Tim K. zunächst in der Albertville-Realschule zwölf Menschen und anschließend auf der Flucht drei weitere Personen und am Ende sich selbst erschossen. Vor der Trauerfeier hatten die Eltern von fünf getöteten Schülerinnen in einem offenen Brief eine Verschärfung des Waffenrechts, ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen und mehr Jugendschutz im Internet gefordert: "Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wird", heißt es in dem Brief, der in der "Winnender Zeitung" veröffentlicht wurde.


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