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Fall Madeleine: Eine Spur führt nach Aachen

Verschwundene Madeleine McCann  

Eine Spur führt nach Deutschland

03.06.2009, 15:08 Uhr | Von Jörg Diehl, Spiegel Online

Es ist einer der spektakulärsten Fälle der britischen Kriminalgeschichte: Im Mai 2007 verschwand die damals dreijährige Madeleine McCann aus dem Ferienhaus ihrer Eltern - spurlos. Doch nun haben Detektive einen Mann in Aachen aufgestöbert, der ihnen verdächtig erscheint.

"Zwei Jahre ist es her, dass uns Madeleine genommen wurde. Zwei Jahre ist es her, dass wir eine glückliche Familie waren. Doch der Schmerz und die Angst schwinden nicht." So beschreiben Gerry und Kate McCann, das auf tragische Weise weltbekannt gewordene Ärztepaar aus dem mittelenglischen Rothley, im Internet ihre Gefühlslage. Und sie fügen hinzu: "Die Entscheidung, unsere wunderschöne Tochter zu finden, bleibt unerschütterlich."

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Zum Tatzeitpunkt in Portugal aufgehalten

In Aachen haben zwei im Auftrag der McCanns ermittelnde Privatdetektive, es handelt sich um ehemalige Scotland-Yard-Beamte, einen Mann ausfindig gemacht, der ihnen verdächtig erscheint. Der vorbestrafte Sexualtäter Raymond H., 64, soll sich im Mai 2007, als Maddie aus einem Ferienhaus an der portugiesischen Algarveküste verschwand, ebenfalls in der Region aufgehalten haben.

"Er wusste viele Einzelheiten"

Britische Zeitungen zitierten einen ehemaligen Kameraden des früheren Berufssoldaten H. mit der Aussage, Raymond habe ihm gesagt, er kenne den Ort Praia da Luz, in dem die McCanns urlaubten, "sehr gut". Auch mit der betreffenden Appartementanlage sei er vertraut. "Er wusste viele Einzelheiten" und habe wirr erzählt, so der Zeuge.

Seit Jahren von der Polizei gesucht

Offenkundig schalteten die privaten Ermittler daraufhin die Polizei von West Yorkshire ein, denn dort sucht man H. bereits seit Jahren. Der Mann steht im Verdacht, 1975 ein damals achtjähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Drei Jahre zuvor hatte er sich an einer Zwölfjährigen vergangen - und wurde dafür auch zu einer Haftstrafe verurteilt.

Unbehelligt in Deutschland

Laut "Mirror" bezeichnete ein Richter H. als "extrem gefährlich". Obschon sich Sexualstraftäter in Großbritannien registrieren lassen und die Behörden über ihre Reisen informieren müssen, lebte Raymond H. zuletzt unbehelligt in Deutschland. Doch das könnte sich nun ändern.

DNA-Probe entnommen

"Uns liegt ein Rechtshilfeersuchen der britischen Behörden vor", sagte Aachens Leitender Oberstaatsanwalt Robert Deller gegenüber "Spiegel-Online". Demnach baten die Ermittler aus West Yorkshire, Raymond H. befragen zu können und ihm eine DNA-Probe entnehmen zu lassen. Letzteres sei inzwischen geschehen, so Deller. Und auch einer Vernehmung wolle sich H. nicht verweigern. Sie könne unter Umständen noch in dieser Woche stattfinden, bislang habe man sich nicht auf einen Termin verständigt.

"Ich habe nichts verbrochen"

Zeitungsberichten zufolge wird H. derzeit im Aachener Universitätsklinikum stationär behandelt. Er leide an Kehlkopfkrebs, hieß es. Gleichwohl sei er vernehmungsfähig, sagte Staatsanwalt Deller. Britischen Reportern, die den in einem Rollstuhl sitzenden H. im Krankenhaus aufstöberten, entgegnete dieser: "Lassen Sie mich in Ruhe. Ich habe nichts verbrochen."

Druck ist groß

Ermittler Deller machte deutlich, dass in dem internationalen Rechtshilfeersuchen der Fall Madeleine McCann "mit keinem Wort" erwähnt sei. Gleichwohl werden die britischen Ermittler wohl nicht umhin können, Raymond H. auch zu dem in Portugal verschwundenen Mädchen zu befragen. Der Druck ist groß.

Britische Zeitungen berichten täglich

Die britischen Gazetten berichten mittlerweile täglich von dem "neuen Verdächtigen" ("Telegraph"), dem "mundfaulen Unmenschen" ("Sun") oder "verurteilten Pädophilen" ("Daily Mail") - und schrecken auch vor eigenen "Verhören" nicht mehr zurück.

Frage des "Sun"-Reporters: "Haben Sie irgendetwas mit dem Verschwinden von Madeleine McCann zu tun?"

H.: Keine Antwort.

"Sun": "Können Sie uns sagen, wo Sie waren, als Madeleine McCann verschwand?"

H.: "Das geht Sie gar nichts an."

"Sun": "Warum befreien Sie sich nicht von dem Verdacht - zum Wohle der McCanns?"

H.: "Ich muss Ihnen nicht antworten."

Jahrelang mit dem Wohnmobil unterwegs

Berichten britischer Blätter zufolge lebt Raymond H. mit seiner 33-jährigen Freundin und sechs Kindern seit einigen Monaten in einer Aachener Sozialwohnung. Zuvor sei die Großfamilie jahrelang mit einem Wohnmobil durch Südeuropa und Nordafrika getourt und habe sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Meldungen nicht bestätigen: "Kein Kommentar", hieß es dazu.


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