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S-Bahnhof in München: Jugendliche prügeln 50-Jährigen tot

S-Bahnhof in München  

Jugendliche prügeln 50-Jährigen tot

14.09.2009, 08:27 Uhr | AFP, dpa

Blumen liegen am Tatort auf dem S-Bahn Solln (Foto: dpa)Blumen liegen am Tatort auf dem S-Bahn Solln (Foto: dpa)

Auf einem Münchner S-Bahnhof ist ein 50-jähriger Mann von Jugendlichen zu Tode geprügelt worden. Der Mann sei am Samstag in der S-Bahn dazwischengegangen, als zwei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren eine Gruppe jüngerer Jugendlicher bedrohten, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die beiden Schläger wurden noch am Tatort festgenommen. Der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl wegen des Verdachts auf Mord aus niedrigen Beweggründen.

Jugendliche hatten Kinder überfallen

Kurz vor dem tödlichen Angriff um 16.10 Uhr hätten die beiden jungen Männer und ein Komplize am S-Bahnhof Donnersberger Brücke Bargeld von den vier Jungen und Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren gefordert. Dabei habe der Komplize die kleinen Jungen geschlagen. Die Kinder und die beiden 17- und 18-Jährigen seien dann in die S-Bahn nach Solln gestiegen, wo die Räuber weiter "provozierend über weitere Geldforderungen gesprochen" hätten, "so dass für jedermann erkennbar war, es würde weitergehen", sagte Chefermittler Kraus.

"Die haben den gestiefelt"

Der 50-jährige Geschäftsmann aus München habe aus der S-Bahn per Handy die Polizei verständigt und sich "schützend vor die Kinder gestellt". Aus Angst vor den Jugendlichen hätten die Kinder sein Angebot angenommen, mit ihm in Solln auszusteigen. Auf dem fast leeren Bahnsteig seien die beiden Jugendlichen dann unvermittelt auf die Kinder losgegangen, sagte Kraus. Als der 50-Jährige dazwischenging, hätten sie ihn "mit massiven Faustschlägen und Fußtritten zu Boden gebracht". Die beiden Täter hätten selbst dann noch brutal auf ihn eingeschlagen und -getreten, als er schon am Boden gelegen habe, sagte der Leiter der Mordkommission, Markus Kraus. "Die haben den gestiefelt", sagte ein Polizist.

Opfer stirbt im Krankenhaus

Durch die Tritte gegen den Kopf verlor der Mann noch auf dem Bahnsteig das Bewusstsein. Erst dann hätten die Schläger von ihrem Opfer abgelassen. "Sie haben billigend in Kauf genommen, dass er stirbt", erklärte der Staatsanwalt. Die Kinder hätten um Hilfe gerufen, dem brutalen Angriff aber machtlos zusehen müssen, erklärte die Polizei. Als die Täter vor den eintreffenden Polizeistreifen flüchteten, reanimierte ein herbeigeeilter Passant den 50-Jährigen. Das Opfer starb aber wenig später im Krankenhaus.

Die Täter flüchteten über die Bahngleise, konnten aber festgenommen werden (Foto: dpa)  Die Täter flüchteten über die Bahngleise, konnten aber festgenommen werden (Foto: dpa)

Jugendliche festgenommen

Die beiden Täter rannten über die Bahngleise davon. Als Polizisten die Strecke nach der Tat absuchten, hörten sie auf einmal Geräusche aus einem Gebüsch. Weil auf mündliche Aufforderungen zum Herauskommen niemand reagiert habe, zwangen die Beamten den Angaben zufolge die beiden Jugendlichen mit vorgehaltener Waffe zum Verlassen ihres Verstecks.

Tatverdächtige sind vorbestraft

Die beiden Jugendlichen gestanden zwar die "Auseinandersetzung", machten auf Anraten ihrer Anwälte dann aber von ihrem Schweigerecht Gebrauch, sagte Staatsanwalt Lafleur. Beide seien vorbestraft, arbeits- und berufslos und deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund. Der Ältere hat bereits wegen schwerer räuberischer Erpressung und Körperverletzung vier Wochen in Arrest gesessen, der Jüngere ist wegen Diebstahl und eines Drogendelikts vorbestraft. Der 18-Jährige hatte nach der Tat knapp 0,9 Promille Alkohol, berichtet die Polizei.

Vorbildliche Zivilcourage

Die bayerische Justizministerin Beate Merk sagte, die Zivilcourage des Opfers verdiene höchsten Respekt. Er sei Kindern in Not zu Hilfe gekommen und habe ruhig und besonnen gehandelt. "Besser hätte man es gar nicht tun können", sagte Merk. Auch Staatsanwalt Lafleur betonte, der 50-jährige Mann habe "vorbildlich gehandelt", die Polizei alarmiert und sich schützend vor die angegriffenen Kinder gestellt: "Er hat das getan, was wir alle tun sollten."


Ähnlicher Fall 2007

Der Tod des 50-Jährigen erinnert an einen ähnlichen Vorfall in München Ende 2007. Damals schlugen zwei Jugendliche auf einen 76-jährigen Rentner ein, nachdem dieser einen von ihnen aufgefordert hatte, seine Zigarette in der U-Bahn wieder auszumachen. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt, die beiden Täter wurden im Juli 2008 zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.


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