Sie sind hier: Home > Panorama > Kriminalität >

BKA warnt vor Bündnissen von Mafiosi und Warlords

BKA warnt vor internationalen Kartellen  

Verbrechen ohne Grenzen

29.11.2009, 12:46 Uhr

Von Christian Kreutzer, Wiesbaden

BKA warnt vor internationalen Verbrecherkartellen (Foto: dpa)Mohnfeld in Afghanistan: BKA warnt vor internationalen Verbrecherkartellen (Foto: dpa) Während Mafiabanden per Internet spielend Grenzen überwinden und sich mit Aufständischen verbünden, ist die Polizei oft noch auf dem Stand des vergangenen Jahrhunderts. So hat unter anderem der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, eindringlich vor den Gefahren internationaler Verbrechenskartelle gewarnt: Mafiosi setzten sich ähnlich wie Terrorgruppen in korrupten Ländern fest und versuchten von dort aus, in westliche Länder und Märkte einzudringen, sagte Ziercke am Donnerstag bei der BKA-Herbsttagung. Ziercke sprach über Brennpunkte des internationalen Verbrechens.

Gleichzeitig warnte Ziercke, 100-prozentige Sicherheit sei eine Illusion. Wer das versuche, müsse eine "unerträgliche Einschränkung der Freiheitsrechte" in Kauf nehmen.

6000 Tote in einem Jahr 

Ziercke nannte Mexiko als Beispiel, wo seit 2006 über 14.000 Menschen im Drogenkrieg zwischen Kokain-Syndikaten untereinander beziehungsweise gegen den Staat ermordet wurden - davon 6000 allein in diesem Jahr. Die Gangsterbanden im US-Nachbarstaat arbeiteten dabei nachweislich mit Gruppen aus Italien zusammen, um ihr Kokain in Europa an den Mann zu bringen. Die italienische Mafia wiederum ist Ziercke zufolge mittlerweile "integraler Bestandteil" der italienischen Gesellschaft und übernimmt dort sogar Staatsaufgaben wie die legale Arbeitsbeschaffung. Sie mache jährlich rund 100 Milliarden Euro Umsatz.

Zusammenarbeit über Kontinente hinweg

Auch in Kolumbien oder Afghanistan - den Hauptanbaugebieten für Kokain und Opium - machten Warlords und Aufständische gemeinsame Sache mit Drogenbanden. Die Mafia könne mithilfe derer, die den Staat bekämpften, die Gesetze umgehen, die Warlords mit Hilfe der Mafia Geld für Waffen und Logistik beschaffen, so Ziercke.

"Wir machen immer zu wenig und zu spät"

Afghanisches Opium ernähre zudem Zwischenhändler "von Kabul bis Köln", ergänzte der Afghanistan-Beauftragte der Bundesregierung, Bernd Mützelburg. Fehler des Westens spielten dabei Verbrechern in die Hände, so der Diplomat. So habe Deutschland zunächst bei der Polizeiausbildung "die Backen aufgeblasen" und dann lediglich zwölf Ausbilder für ein ganzes Land zur Verfügung gestellt. "Wir machen immer zu wenig und zu spät", kritisiert Mützelburg die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik.

Fußball-Wettskandal passt ins Bild

Durch das Internet ließe sich das durch Drogen-, Waffen- oder Menschenhandel verdiente Geld so oft und so schnell hin- und herschieben, dass seine Herkunft kaum noch nachzuweisen sei, warnte BKA-Chef Ziercke. Ein gutes Beispiel für die internationale Verflechtung von kriminellen Gruppen sei der jüngste Wettskandal im Fußball. "In Europa wird bestochen, in Asien gezockt und in Berlin abkassiert", sagte Ziercke.

350.000 "Zombie-PCs"

Nicht nur die Verbrechen mit Hilfe des Internets, sondern auch die gegen Internetnutzer machen Ziercke und seinen Experten zunehmend Sorgen: Die Zahl der Fälle von Betrug seien im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegen. Ein regelrechter Boom-Markt sind mittlerweile abgephishte Zugangsdaten zu persönlichen Accounts von Nutzern. Hier würden im großen Stil digitale Identitäten von Nutzern gestohlen und im Netz zum Verkauf angeboten. Ziercke sprach darüber hinaus von 350.000 "Zombie-PCs" nichtsahnender Nutzer, die durch Trojaner und andere Schadsoftware in der Hand von Kriminellen seien.

Der Tatort-Begriff verliert seine Bedeutung

"Das Internet ist der völlig entgrenzte Raum", so der Hamburger Friedens- und Konlifktforscher Hans Jörg Gießmann im Gespräch mit t-online.de. Es verbinde die Anbieter verbrecherischer Waren auf der einen Seite, mit den Interessenten an Drogen, sexuellen Dienstleistungen oder Gütern wie Elfenbein in dern zahlungskräftigen Gesellschaften in Amerika, Europa und Asien. Wenn man den Hort der Kriminalität suche, dürfe man auch die Abnehmer nie vergessen. Das große Problem für die Sicherheitsbehörden bei der internetzentrierten Kriminalität sei, dass alte Begriffe Tatort oder Tatzeit kaum noch eine Bedeutung hätten, so Grießmann.

Deutschland soll Zusammenarbeit vorantreiben

Dieses Problem sieht auch BKA-Chef Ziercke. Die Polizei müsse aber nicht nur ihre technischen Fähigkeiten bei der Verbrechensverfolgung im Netz oder der Überwachung der Internet-Telefonie verbessern. Als veraltet sieht Ziercke vor allem nationale Alleingänge an. Polizeiorganisationen müssten internationalisiert werden. Nur durch stärkere Zusammenarbeit und schnelleren Informationsaustausch könne man sich an die internationalen Verbrechersyndikate heranarbeiten. Das fordert auch Giuliano Zaccardelli, Leiter der Global Security Initiative bei Interpol. Wer das koordinieren soll, weiß der Kanadier auch schon: Niemand sei dafür besser geeignet, als Deutschland und das BKA.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal