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Teufelsaustreiber muss in psychiatrische Klinik

Körperverletzung mit Todesfolge  

Teufelsaustreiber muss in psychiatrische Klinik

22.12.2009, 10:56 Uhr | dpa

Nach einer Teufelsaustreibung an seiner Mutter muss ein 54-Jähriger in die Psychiatrie (Foto: imago)Nach einer Teufelsaustreibung an seiner Mutter muss ein 54-Jähriger in die Psychiatrie (Foto: imago) Nach einer Teufelsaustreibung an seiner Mutter wird ein 54-jähriger Mann aus Sulz am Neckar (Baden-Württemberg) in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass er weitere Taten begeht", sagte der Richter am Landgericht Rottweil. Verurteilt wurde er wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Der schmächtige Mann sitzt seelenruhig auf seinem Stuhl und hört sehr interessiert zu. Als ob es um irgendein spannendes Thema ginge, nicht aber um den gewaltsamen Tod seiner eigenen Mutter. "Es tut mir leid, ich hab's ja nicht gewollt", sagt er am Schluss mit leiser Stimme zu seiner Verteidigung. Mehr möchte er nicht hinzufügen. Gesagt worden ist alles zuvor schon von den Gutachtern, die die Psyche des Angeklagten durchleuchtet haben.

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Nicht schuldfähig

Bei der Tat war der Mann nicht schuldfähig. Der Gutachter attestiert ihm eine akute paranoide Schizophrenie. Diese krankhafte seelische Störung kann unter anderem zu Wahnvorstellungen führen. "Der Angeklagte glaubte, er sei Gott", sagte der Gutachter.

Das Böse in der Mutter

Doch in seiner Vorstellung sei auch der Teufel in ihm gewesen - und der musste bekämpft werden. Das Böse habe sich schließlich nach Überzeugung des Verurteilten auch in seiner Mutter breitgemacht. Das glaubte er an ihrem "irren Blick" zu erkennen.

Exorzismus durchgeführt

Am Morgen des 18. Juni wollte er seine Mutter vom Teufel befreien, nachdem er einige Tage zuvor schon einmal einen Exorzismus an ihr durchgeführt hatte - mit Erfolg, wie er glaubte. Er schlug sie dabei symbolisch mit einer Bibel. Die 87-Jährige war dement und nach einem Schlaganfall vor einem Jahr halbseitig gelähmt.

Bestimmend und wenig liebevoll

"Der Angeklagte fühlte sich verpflichtet und pflegte sie liebevoll", sagte der Richter, "obwohl er seit seiner Kindheit ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter hatte". Sehr bestimmend sei sie gewesen und wenig liebevoll. Die Veränderungen seiner Mutter durch die Krankheit deutete er als etwas Böses, das es zu bekämpfen galt.

Irrer Blick

So schlug er erneut mit einer Bibel auf die Mutter ein und ging danach mit einer Bekannten zum Einkaufen. Als er zurückkehrte und nach seiner Mutter sah, glaubte er immer noch, ihren "irren Blick" wahrzunehmen. Wieder schlug er sie mit der Bibel, drückte im Wahn auf ihren Körper, um den Teufel herauszupressen und griff in ihre Kehle, um das Böse herauszuziehen. "Der Angeklagte glaubte, seiner Mutter helfen zu können, und erkannte nicht, dass sie schwer verletzt war", sagte der Staatsanwalt.

Tat nicht realisiert

Eine Bekannte des Angeklagten, die während der vermeintlichen Teufelsaustreibung zu Besuch war, sagte ihm, er solle einen Arzt rufen. Doch der Sohn kümmerte sich selbst um seine Mutter. Er wusch sie und gab ihr in großen Mengen Wasser zu trinken, das Beruhigungsmittel enthielt. Dabei gelangte Wasser in die Lungen der Frau, die schließlich erstickte. In der Nacht rief der Sohn seine Bekannte an und bat sie, zu ihm zu kommen. Als diese bemerkte, dass die Mutter tot war, verständigte sie den Notarzt. Bis zuletzt hatte der Angeklagte nicht realisiert, was passiert war.

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