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Berlin: Sexueller Missbrauch an katholischem Elitegymnasium

Schweigen nach 25 Jahren gebrochen  

Sexuelle Übergriffe an katholischem Elitegymnasium

12.02.2010, 18:56 Uhr | dapd

Unterricht am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin: Absolventen der Eliteschule landen häufig in Führungspositionen (Foto: dpa)Unterricht am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin: Absolventen der Eliteschule landen häufig in Führungspositionen (Foto: dpa) Sexuelle Übergriffe an katholischem Elitegymnasium: An dem von Jesuiten betriebenen Canisius-Kolleg im Berliner Stadtteil Tiergarten sind offenbar über Jahrzehnte hinweg Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden.

"Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen", schreibt der amtierende Rektor, Pater Klaus Mertes, in einem Brief an mehr als 600 ehemalige Schüler, aus dem die "Berliner Morgenpost" zitiert.

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Verdächtige Lehrer nicht mehr an der Schule

Der Missbrauch habe in den 70er- und 80er-Jahren stattgefunden, sagte Mertes dem Blatt. Mindestens zwei Padres stünden unter Verdacht. Die beiden Lehrer haben nach Mertes' Angaben den Jesuiten-Orden bereits in den 80er-Jahren verlassen und sind seitdem auch nicht mehr an der Schule tätig. Unter welchen Umständen sie das Kolleg verlassen haben, sei unklar. Dies werde untersucht.

"Wucht hat mich erschlagen"

Genaue Opferzahlen wollte Mertes nicht nennen. "Die Wucht der Vorfälle hat mich aber erschlagen", sagte er. "Ich habe den Opfern vollkommene Diskretion zugesagt. Ihnen steht frei, sich an die Öffentlichkeit oder die Polizei zu wenden." Nach Informationen des Blattes sind bislang aber weder beim Landeskriminalamt noch bei der Staatsanwaltschaft entsprechende Anzeigen eingegangen.

Schüler in führenden Positionen

Das Canisius-Kolleg gilt als Berliner Elite-Gymnasium. Viele frühere Absolventen sind heute in führenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tätig.

Keine Einzelfälle

Bereits in den vergangenen Jahren seien vereinzelt Vorfälle bekanntgeworden, sagte Mertes. Die Betroffenen wollen sich aber nicht offenbaren. Nach einer schulinternen Veröffentlichung über Missbrauchs-Taten seien zum Jahreswechsel mehrere ehemalige Schüler auf ihn zugegangen. Ihre Berichte hätten ihn überzeugt, dass es eben nicht mehr um Einzelfälle gehe, sondern ein systematischer und jahrzehntelanger Missbrauch vorliege.

"Es gab ein Wegschauen"

Deswegen habe Mertes sich entschieden, das Schweigen zu brechen und einen Brief an alle Schüler der betroffenen Jahrgänge geschrieben. "Es gehört auch zur Erfahrung der Opfer, dass es im Canisius-Kolleg und im Orden bei solchen, die eigentlich eine Schutzpflicht gegenüber den betroffenen Opfern gehabt hätten, ein Wegschauen gab", schreibt Rektor Mertes in dem Brief. "Allein schon deswegen gehen die Missbräuche nicht nur Täter und Opfer an, sondern das ganze Kolleg. Aus demselben Grund bitte ich hiermit zunächst alle betroffenen ehemaligen Canisianerinnen und Canisianer stellvertretend für das Kolleg um Entschuldigung für das, was ihnen am Kolleg angetan wurde."

Verständnis für Abkehrer

In den Gesprächen mit einigen der Opfer habe er besser verstanden, "welche tiefen Wunden sexueller Missbrauch im Leben junger Menschen hinterlässt und wie die ganze Biografie eines Menschen dadurch jahrzehntelang verdunkelt und beschädigt werden kann". Er habe großes Verständnis dafür, wenn "Betroffene nun aufgrund ihrer Erfahrung für sich die Entscheidung getroffen haben, mit dem Kolleg, mit dem Orden und mit der Katholischen Kirche insgesamt zu brechen".

"Ihr bedroht uns nicht"

Pater Mertes appellierte deshalb an die Opfer, sich zu offenbaren. "Meine Botschaft lautet: Ihr bedroht uns nicht, wenn Ihr redet, sondern Ihr helft, Missstände aufzuklären."

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