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Berliner Bandidos wollen zu Hells Angels überlaufen

Rockerkrieg  

Berliner Bandidos wollen zu Hells Angels überlaufen

21.02.2010, 13:48 Uhr | Spiegel Online

Die Bandidos führen einen brutalen Rockerkrieg gegen die Hells AngelsDie Bandidos führen einen brutalen Rockerkrieg gegen die Hells Angels (Foto: dpa) Rocker machen rüber: Nach Informationen von "Spiegel online" und Spiegel TV wollen in Berlin Dutzende Bandidos bei den eigentlich feindlichen Hells Angels eintreten - ein bislang einmaliger Vorgang. Ermittler fürchten nun Racheakte und die Eskalation des Machtkampfs.

Es ist erst einige Monate her, da sollen die Bandidos in Finowfurt nördlich von Berlin über ihre Widersacher hergefallen sein. Nach den bisherigen Ermittlungen des brandenburgischen Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder lieferte sich mindestens ein halbes Dutzend Berliner "Banditen" zunächst eine wilde Verfolgungsjagd mit einigen Hells Angels aus der Hauptstadt, dann kam es zu einer wüsten Schlägerei. Am Ende lag der Angels-Sympathisant Enrico K. schwerverletzt auf der Straße - mit einer Axt im Bein. Der Polizei erklärte der 26-Jährige: "Das war ein Verkehrsunfall."

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Gefährliche Entwicklung

Das Gesetz des Schweigens war schon immer hohes Gut in Rockerkreisen und mindestens so heilig wie der Hass auf die feindlichen Clubs. Daher ist die aktuelle Entwicklung, von der "Spiegel online" und Spiegel TV an diesem Mittwoch erfuhren, ebenso beispiellos wie gefährlich.

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Schon in den neuen Klamotten gezeigt

Demnach wollen insgesamt 76 Mitglieder und Unterstützer des Berliner Bandido Chapters "Centro" zu den verfeindeten Hells Angels überlaufen. Sie hätten sich sogar schon in nagelneuen rot-weißen Klamotten gezeigt, sagen Ermittler, die auch Angels-Anführer André S. bei den Rivalen gesehen haben wollen. Der 45-Jährige war erst kürzlich niedergestochen worden - wohl von Bandidos.

In der letzten Woche verhandelt

Beamten zufolge sollen der Hannoveraner Hells-Angels-Boss Frank H. und "Centro"-Chef Kadir P. das große Rocker-Rübermachen in der vergangenen Woche verhandelt haben. Am Dienstagabend sei "es dann passiert", sagte Peter M., einer der ranghöchsten europäischen Bandidos, gegenüber "Spiegel online". Hells Angel Rudolf "Django" T. wollte die Aufnahme der Ex-Rivalen hingegen noch nicht bestätigen: "In den nächsten Tagen geben wir Bescheid."

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Berüchtigt und gefürchtet

Offenbar befindet sich die in der Szene ob ihrer Schlagkräftigkeit ebenso berüchtigte wie gefürchtete "Centro"-Truppe noch in einer Art Zwischenphase, von den einen haben sie sich losgesagt, bei den anderen sind sie offiziell noch nicht aufgenommen. Die Bandidos-Insignien jedenfalls haben die Rocker inzwischen von der Fassade ihres Clubheims in der Berliner Residenzstraße entfernt.

Die Gewalt eskaliert

In den vergangenen Monaten war es vor allem in Schleswig-Holstein, Berlin und den neuen Bundesländern immer wieder zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Gruppierungen gekommen: Messerstechereien, Schießereien, Sprengstoffanschläge - die Gewalt eskalierte. Der Grund: Die Bandidos hatten vor allem im Osten Hunderte junge wütende Männer mit Migrationshintergrund und krimineller Energie rekrutiert - und die Angels damit zunehmend unter Druck gesetzt.

Aus Todfeinden könnten Brüder werden

Das "Centro"-Chapter von Kadir P. galt in diesem zunehmend brutalen Dauerzwist als besonders gefährlich - und auch als schwer beherrschbar. Immer wieder fügte die Truppe den Rivalen aus dem Angels-Lager, das in der Hauptstadt eine große Nähe zu der rechtslastigen Fanszene eines örtlichen Fußballclubs pflegt und ausweislich eines jüngst veröffentlichten Zeitungsberichts keine Ausländer in seinen Reihen duldet, schwerste Verletzungen zu. Doch das scheint nun vergeben und vergessen, aus Todfeinden könnten schon sehr bald Brüder werden.

Polizei hat schon Stellung bezogen

Vor dem Berliner Bandido-Vereinsheim hat inzwischen die 22. Einsatzhundertschaft der Polizei Position bezogen. Aus Ermittlerkreisen verlautete, dass seit Dienstagabend in Berlin und Brandenburg "einschlägige Objekte" der Rocker observiert würden. "Wir wollen sehen, ob ein Krieg ausbricht", so ein Fahnder gegenüber Spiegel TV.

Racheakte befürchtet

Denn die Frage ist nun: Wie reagieren die Bandidos? Kommt es zu Racheakten, kollektiven Vergeltungsmaßnahmen? Müssen die "Verräter" um ihr Leben fürchten, wie es Sitte ist bei den Rockern? Kurzum: Was bedeutet der Frontenwechsel? "Dass sie weg sind", sagt Europas Bandido-Vize Peter M. am Telefon - und legt auf.

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