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Fall Bodenfelde: Ging Jan O. nach der Tat in die Kirche?

Ging Jan O. nach der Tat in die Kirche?

25.11.2010, 19:02 Uhr | dapd, AFP, dpa

Über den mutmaßlichen Doppelmörder aus Bodenfelde, Jan O., dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. So sieht dessen Mutter ihn zumindest teilweise als Opfer, während sein Vater sich komplett von ihm distanziert. Im Internet soll Jan O. mit seinen grausamen Taten sogar geprahlt haben. Medien berichten nun, dass Jan O. am Morgen nach dem Mord an Tobias in der Kirche war.

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Der 26-Jährige besuchte am Sonntagmorgen einen Gottesdienst und betete, berichtet "Bild.de". Der Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Uslar wollte diese Informationen nicht kommentieren.

Hätte die Polizei Jan O. nicht geschnappt, hätte er weiter gemordet. Dessen sind sich die Ermittler sicher: "Es deutet alles darauf hin, dass er weitergemacht hätte", sagte der Northeimer Kripo-Chef Andreas Borchert. Dies sei nicht nur ein persönlicher Eindruck. "Dafür gibt es objektive Hinweise", betonte der Ermittler. Details wollte er aber nicht nennen.

Mutter: "Ich hasse ihn nicht"

Die Mutter von Jan O. sieht ihren Sohn auch als Opfer. "Ich will seine Taten nicht entschuldigen, aber mein Sohn ist auch ein Opfer", sagte sie der in Uelzen erscheinenden "Allgemeinen Zeitung". In ihrer Ehe sei Gewalt Alltag gewesen, schilderte die 46-jährige das Familienleben. Der Vater von Jan O. habe sie immer wieder vor den Augen des Sohnes geschlagen.

Auch in der Haft wolle die Mutter ihren Sohn besuchen und zu ihm stehen. "Ich hasse ihn nicht." Nach eigenen Angaben befindet sich die 46-Jährige in psychiatrischer Behandlung. Offenbar drohte sie nach Recherchen der Zeitung mehrmals mit Selbstmord.

Vater: "Bin an meinem Sohn zerbrochen"

Nach einem weiteren Bericht der Zeitung hat der Vater seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr zu Jan O. "Ich bin zerbrochen an meinem Sohn." Seit der zweiten Klasse habe er Ärger gemacht. Die Polizei vermutet, dass der als Drogenkonsument bekannte Mann seelische Probleme hat. "Wir gehen davon aus, dass er psychisch krank ist", sagte der Leiter der Mordkommission, Hartmut Reinecke.

Zuvor war herausgekommen, dass Jan O. im Internet mit dem Mord an der 14-jährigen Nina geprahlt hat. Laut "Hannoversche Allgemeine Zeitung" schrieb der 26-Jährige: "Gestern Mädchen geschlachtet. Jeden Tag eins bis mich erwischen." Da es sich um ein Beweismittel handelt, habe die Polizei die Seite sofort sperren lassen. Die Ermittler prüfen nun, ob Jan O. noch für weitere Taten verantwortlich ist.

Drogen, Alkohol, Gewalt

Das Persönlichkeitsbild des Täters nimmt immer schlimmere Züge an: Er ist gewalttätig, nimmt Drogen, ist alkoholsüchtig und hat einen Hang zu sehr jungen Mädchen. Auf dem Sozialen Netzwerk "Netlog" sprach er als "kingjany" vor allem junge Mädchen an: "Hat ein Girly zwischen 10 und 16 Interesse zu chatten und vielleicht mehr, bitte melden", zitiert ihn die "Bild-Zeitung". Er brüstete sich mit seiner Arbeitslosigkeit, nannte Sex als eines seiner Hobbys. Inzwischen ist sein Profil gesperrt.

Jan O. soll auch oft betrunken gewesen sein und wurde mit Pillen gesehen. Dann, berichten Bekannte der "Bild", soll er sehr aggressiv geworden sein. Der Arbeitslose hätte auch oft ein Messer bei sich gehabt, mit dem er gedroht habe. Selbst seine engsten Freunde hatten offenbar manchmal Angst vor ihm. Seinem Vater drohte er laut der "Allgemeinen Zeitung Uelzen", er werde sein Haus anzünden. Das passt zum Bild, das die Polizei von ihm hat: Es laufen mehrere Verfahren wegen Brandstiftung gegen ihn. Wegen mehrfachen Diebstahls ist er bereits vorbestraft.

Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt

Der Haftrichter nahm als Tatmotiv "Mordlust" an, das sei äußerst selten, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. Davon spreche man, wenn ein Täter "im Tötungsvorgang selbst Befriedigung findet, wobei die Opfer austauschbar sind". Es solle geprüft werden, ob der Arbeitslose für ähnliche Taten in anderen Regionen verantwortlich sein könnte. Er habe "das Potenzial zum Serienmörder", sagte Kriminaldirektor Andreas Borchert

Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass Jan O. die 14 jahre alte Nina und den 13 Jahre alten Tobias aus Bodenfelde in der schwer zugänglichen Fichtenschonung getötet hat, in der die Leichen gefunden wurden. Ob es sich bei einem Messer, das die Beamten in einem nahen Bach fanden, um die Tatwaffe handelt, werde noch geprüft.

Ein Geständnis steht noch aus

Bei seiner Festnahme saß Jan O. in einem Zug, der in Bodenfelde auf die Abfahrt ins benachbarte Uslar - seinen Heimatort - wartete. Sein Alibi für die Tatzeiten habe sich als falsch erwiesen, berichtete die Mordkommission. Beide Hände des Mannes seien verletzt gewesen. Zudem entdeckten die Beamten bei der Durchsuchung seiner Wohnung blutverschmierte und verdreckte Kleidung. Das Ergebnis von DNA-Untersuchungen werde für diese Woche erwartet. Auch ein Geständnis hat Jan O. noch nicht abgelegt. Sein Anwalt rechnet aber damit, dass er sich am Freitag äußert.

Nach Angaben der Polizei soll die 14-jährigen Nina am Freitag beerdigt werden. Die Trauerfeier soll in kleinem Rahmen stattfinden. Die Öffentlichkeit und die Medien werden von der Gemeinde gebeten, die Angehörigen in Ruhe trauern zu lassen. Die Beerdigung von dem 13 Jahre alten Tobias soll am Samstag stattfinden.

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