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Nashorn-Mafia schlägt in deutschen Museen zu

Nashorn-Mafia schlägt in deutschen Museen zu

29.02.2012, 14:21 Uhr | AFP

Nashorn-Mafia schlägt in deutschen Museen zu. Da fehlt doch was: Dreiste Diebe sägten einem Nashorn-Präparat die Hörner ab (Quelle: dpa)

Da fehlt doch was: Dreiste Diebe sägten einem Nashorn-Präparat die Hörner ab (Quelle: dpa)

Ein Nashorn ohne Horn? Die Ermittler der Offenburger Polizei haben derzeit einen skurrilen Diebstahl aufzuklären: Am helllichten Tag stahlen Unbekannte im städtischen Museum die Hörner eines knapp eineinhalb Zentner schweren Rhinozeros-Präparats. Die Museumsleitung vermutet dahinter die Nashorn-Mafia - die haben in jüngster Zeit schon in mehreren Museen im gesamten Bundesgebiet zugeschlagen.

Vier starke Männer, sagt Museumsleiter Wolfgang Gall, seien nötig gewesen, um das ramponierte Rhinozeros-Kopfpräparat wieder an Ort und Stelle in vier Metern Höhe zu befestigen. Rund 70 Kilo wiege der Nashornkopf. Jetzt hängt er ohne Horn an der Wand des Offenburger Museums im Ritterhaus. Von dort aus soll er fortan die Besucher sensibilisieren für den illegalen Nasenhorn-Handel und dessen Verbindungen zur organisierten Kriminalität.

"Das ist fast ein kinoreifer Fall. Das ist uns unerklärlich", sagt Gall. Vier Besucher kamen am Fastnachtssamstag in das an diesem Tag spärlich besuchte Museum. Zwei von ihnen lenkten die Museumsaufsicht ab. Ihre beiden Komplizen hoben derweil binnen Minuten den Koloss von der Wand, zerrten ihn in einen Nebenraum und entfernten ihm dort mit einem Vorschlaghammer beide Nasenhörner. Mit der Beute entkamen sie unerkannt, das zerstörte Präparat ließen sie zurück.

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Der Handel mit den Nasenhörnern gilt als äußerst lukrativ. Vor allem in Ostasien lässt sich demnach damit viel Geld verdienen: Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge werden in Vietnam für 100 Gramm gemahlenes Nasenhorn bis zu 2000 Euro gezahlt. Das Pulver gilt dort als begehrtes Potenz- und Heilmittel, etwa gegen Krebs, Malaria oder Epilepsie.

Nasenhorn-Jäger schlagen immer wieder zu

Der Offenburger Polizeisprecher Patrick Bergmann will zwar nicht den Begriff Mafia in den Mund nehmen, sagt aber: "Wir gehen schon davon aus, dass die Täter genau wussten, was sie machten." Seit gut eineinhalb Jahren treiben Nasenhorn-Jäger in Deutschland ihr Unwesen: Sie waren schon im oberfränkischen Bamberg und in Sebnitz in Ostsachsen. Sie stahlen die Hörner aus dem kleinen Jagdmuseum im niedersächsischen Oerrel und aus der großen zoologischen Sammlung der Universität Hamburg.

"Deutlich über zehn Fälle" habe es im deutschsprachigen Raum bereits gegeben, sagt der Fachgruppensprecher für Naturwissenschaftliche Museen beim Deutschen Museumsbund, Norbert Niedernostheide. Hinzu kommen Diebstähle etwa in Frankreich, Italien, Portugal oder Großbritannien. Auch die europäische Polizeibehörde Europol hat sich eingeschaltet, um dem kriminellen Geschäft mit den Tierhörnern der Garaus zu machen.

Museen sind alarmiert

Der Deutsche Museumsbund warnt mittlerweile öffentlich vor Übergriffen auf Nashorn-Exponate. Wer seine Ausstellungsstücke nicht umgehend ausreichend sichern könne, dem werde "dringend empfohlen, Nashornhorn-Originale aus den Schausammlungen zu entfernen", heißt es in einem öffentlichen Schreiben. "Das kann man ja nur empfehlen", sagt Niedernostheide. Nach all den Übergriffen der vergangenen Monate mache es nicht den Anschein, als würden die Diebesbanden mit ihren Raubzügen so schnell aufhören.

Erste Häuser haben bereits damit begonnen, statt Original-Nashörnern Exponate mit Horn-Imitaten auszustellen. Laien unter den Museumsbesuchern können mitunter kaum erkennen, wenn ein Tier ein Gipshorn trägt. Und auch vermeintliche "Experten" lagen schon daneben: So schlugen im Naturkundemuseum im britischen Städtchen Tring die Nasenhorn-Diebe zu - und erbeuteten eine billige Kopie.

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