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Reemtsma-Millionen: Die Jagd auf das Lösegeld ist eröffnet

Reemtsma-Millionen  

Die Jagd auf das Lösegeld ist eröffnet

22.10.2013, 08:24 Uhr | Von Eckart Gienke, dpa

Reemtsma-Millionen: Die Jagd auf das Lösegeld ist eröffnet. Reemtsma-Entführer Thomas Drach (Quelle: dpa)

Trotz Freiheit dürfte Reemtsma-Entführer Thomas Drach einige Leute auf seinen Fersen haben (Quelle: dpa)

Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist frei - aber das Lösegeld, wenigstens Reste davon, ist noch immer verschollen. Sollte er sich danach auf die Suche machen, hat er einen Haufen Leute auf den Fersen: Polizisten, Privatdetektive - und Gangster. Die Jagd ist eröffnet.

In der Dunkelheit, morgens um halb sieben, öffnet sich für den Entführer des Unternehmenserben Jan Philipp Reemtsma nach mehr als 15 Jahren das Tor in die Freiheit. Sein Anwalt holt ihn mit dem Auto aus dem Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel ab, vermutlich setzt er sich danach gleich ins Ausland ab. In der Geschichte um Verbrechen, Gier und Geld beginnt ein neues Kapitel.

Die Höhe des Lösegeldes, das er und seine Komplizen 1996 von Reemtsmas Familie erpressten, belief sich auf umgerechnet rund 15 Millionen Euro; das Geld wurde damals gesplittet übergeben: 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken.

Von der Beute ist bisher nur ein Bruchteil aufgetaucht. Wie viel noch übrig ist, bleibt offen, auch weil Drach nach der Entführung in Südamerika zunächst ein luxuriöses Leben geführt hatte. Die Rede ist von mindestens acht Millionen Schweizer Franken (6,5 Millionen Euro). Die Frage der Währung ist von entscheidender Bedeutung, weil Drach Schwierigkeiten haben dürfte, größere Mengen an DM-Scheinen in Euro umzutauschen.

"Das werden Sie auch heute nicht erfahren"

Für das Thema Geld interessieren sich nicht nur staatliche Ermittler, sondern auch Privatdetektive, die im Auftrag des Opfers arbeiten, und vermutlich nicht zuletzt Kriminelle. Denn der notorische Schwerverbrecher Drach, der in Polizeikreisen auch weiterhin als brandgefährlich gilt, kultivierte in der Öffentlichkeit immer wieder die Pose des Gesetzlosen. Fast die Hälfte seines Lebens hat er im Gefängnis verbracht und alle Angebote zur Resozialisierung ausgeschlagen.

"Das haben Sie in 15 Jahren nicht erfahren, und das werden Sie auch heute nicht erfahren", provozierte Drach zum Beispiel 2011 Richter, Staatsanwälte und Polizisten. Damals stand er wegen Drohungen gegen seinen Bruder Lutz nochmals vor Gericht und wurde erneut nach dem Lösegeld gefragt.

Die Brüder sind verfeindet. "Ich traue der Ratte nicht", hatte Thomas Drach einst in einem Brief geschrieben. "Der soll auf keinen Fall noch mal auf meine Kosten leben."

Nach Einschätzung der Ermittler ist Drach der Meinung, das Lösegeld stehe ihm durch die lange Haft quasi zu. "Es ist ein störender Gedanke, dass er möglicherweise von dem Geld, was er auf die Seite gebracht hatte, sich ein gutes Leben machen kann", sagte sein Opfer Reemtsma vor einigen Tagen im Radiosender NDR Info. "Solche Verbrechen sollten keine Erfolge sein."

"Er hat ja irgendwelche Kumpane"

Der heute 60-jährige Sozialforscher und Autor hat bei der Suche nach dem Geld eine private Sicherheitsfirma eingeschaltet. Auch damals schon hatte ein privater Ermittler im Auftrag von Reemtsma Drach in Südamerika aufgespürt. Reemtsma weiß natürlich auch nicht, ob von dem Geld noch etwas da ist. "Er hat ja irgendwelche Kumpane, die möglicherweise das Geld längst durchgebracht haben."

Reemtsma will jedoch, dass sein Entführer auch nach dem Gefängnis kein schönes Leben führen kann. "So sicher lebt er ja nicht mit dem Wissen anderer Leute, dass er über viel Geld verfügt." Dieter Langendörfer, der ehemalige Leiter der Kripo-Sonderkommission, die Drach in den 90er Jahren verfolgte, sieht das ähnlich.

"Dass neben dieser privaten Sicherheitsfirma auch andere hinter dem Geld her sein werden, also Kriminelle, das kann ich mir gut vorstellen", sagte Langendörfer dem NDR. "Ich denke, dass von dieser Gesellschaft von Kriminellen, die ihn eventuell fragen, wo das Geld ist, eine wesentlich größere Gefahr ausgeht als von anderen, weil die weder an Recht noch an Gesetz gebunden sind."

Drach selbst ist schon lange polizeibekannt. Mit 13 Jahren knackte er Autos, hatte in der Jugend Kontakt zu Drogen und kassierte mit 18 seine erste Gefängnisstrafe. Gutachter beschreiben Drach als durchaus intelligent, aber unreif und uneinsichtig in das von ihm begangene Verbrechen. Er nehme keine Rücksicht auf andere, sei auf einen "gehobenen Lebensstil" fixiert und trachte einzig nach einem Leben in Saus und Braus.

Prognose: Er wird wieder straffällig

Vor Gericht präsentiert Drach sich aufbrausend und aggressiv. Er scheut nicht davor zurück, Justizbeamte zu bedrohen. In einem Gutachten hieß es noch vor zwei Jahren: "Es ist davon auszugehen, dass er in Freiheit weitere schwere Straftaten begehen wird."

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