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Cornelius Gurlitt: Sein bizarres Leben ohne Freunde und Fernseher

Keine Freunde, kein Fernseher  

Das bizarre Leben des Cornelius Gurlitt

18.11.2013, 11:55 Uhr | tom, dpa

Seit zwei Wochen steht der 80-jährige Cornelius Gurlitt im Mittelpunkt einer NS-Raubkunst-Affäre, die weltweit Aufsehen erregt. Bis dahin lebte er jahrzehntelang völlig zurückgezogen mit einem Kunstschatz in seiner eigenen Welt. Ohne Fernseher. Ohne Freunde. Aber mit Werken von Pablo Picasso und Marc Chagall. Jetzt hat er sich im "Spiegel" erstmals ausführlich öffentlich geäußert. 

Die gut 1400 Kunstwerke, die in seiner Wohnung sichergestellt wurden, habe sein Vater rechtmäßig erworben. Die Justiz und die Öffentlichkeit stellten "alles falsch dar". "Ich werde nicht mit denen reden, und freiwillig gebe ich nichts zurück, nein, nein. Der Staatsanwalt hat genug, was mich entlastet", betonte der Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt.

"Hier in Augsburg sitzt der Staatsanwalt, dem ich alle Unterlagen geschickt habe. Ich verstehe nicht, warum der sich noch nicht bei mir gemeldet hat", ärgert sich der 80-Jährige. Gurlitt hat kein Verständnis für die Vorgehensweise der Behörden: "Was ist das für ein Staat, der mein Privateigentum zeigt? Wenn ich woanders gelebt hätte, wäre das alles einfach nie passiert."

Gurlitt sprach mit seinen Bildern

"Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin. Jetzt sind die irgendwo in einem Keller, und ich bin allein. Warum haben sie die Bilder nicht dagelassen und nur immer die abgeholt, die sie prüfen wollen? Dann wäre es jetzt nicht so leer", grämt sich der 80-Jährige. Laut "Spiegel" habe er mit seinen Bildern sogar gesprochen, sie waren seine Freunde, die es im echten Leben nie gab.

Auf die Frage, ob er mal in einen Menschen verliebt gewesen sei, antwortet Gurlitt dem Magazin kichernd: "Ach, nein." Der 80-Jährige habe vor 50 Jahren aufgehört fernzusehen, das Internet habe er noch nie genutzt. Seine Hotelzimmer buche er per Brief, geschrieben auf einer Schreibmaschine und unterzeichnet mit einem Füller, Monate im Voraus.

Nie im Leben krankenversichert

Gurlitt beziehe keine Rente. Er war auch nie in seinem Leben krankenversichert - seine Arztbesuche zahle der herzkranke Mann immer in bar. Seinen deutschen Pass habe er immer im Konsulat in Salzburg verlängern lassen. Seit fast zwei Jahren sei er abgelaufen.

"Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben", erklärt er. "Hoffentlich klärt sich alles schnell, und ich bekomme endlich meine Bilder zurück." Einer Schuld ist sich der 80-Jährige nicht bewusst: "Ich hatte nie etwas mit der Anschaffung der Bilder zu tun, nur mit der Rettung." Er insistiert: "Ich habe noch nie eine Straftat begangen, und selbst wenn, wäre das verjährt."

"Ich bin doch nicht Boris Becker"

Gurlitt kann auch die öffentliche Aufregung um seine Person nicht nachvollziehen: "Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir? Ich bin doch etwas ganz Stilles. Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen. Warum fotografieren die mich für diese Zeitungen, in denen sonst nur Halbweltgestalten abgelichtet werden?"

Er hat auch eine Forderung an die Staatsanwaltschaft: "Der Staatsanwalt muss den Ruf von meinem Vater geraderücken."

Laut einem "Focus"-Bericht wollen Mitarbeiter des Kanzleramtes und der bayerischen Justiz Gurlitt dazu bewegen, die Bilder, von denen 590 als mögliche NS-Raubkunst gelten, freiwillig dem Staat zu überlassen. Im Gegenzug könne das Ermittlungsverfahren eingestellt werden. Eine "Vertrauensperson" solle an Gurlitt herantreten und an seine Verantwortung appellieren.

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