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USA: Ehemaliger KZ-Wachmann aus Auschwitz festgenommen

Auslieferung nach Deutschland?  

USA nehmen ehemaligen KZ-Wächter fest

19.06.2014, 09:20 Uhr | dpa

Ein 89 Jahre alter ehemaliger KZ-Wachmann ist in den USA auf einen deutschen Haftbefehl hin festgenommen worden. Der gebürtige Tscheche Johann Breyer könnte für ein Strafverfahren an Deutschland ausgeliefert werden. Die Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz ermittelt seit längerem gegen den Mann, der im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau an der Ermordung von mindestens 344.000 Menschen in den Gaskammern beteiligt gewesen sein soll.

Laut Anklageschrift geht es um 158 Züge voller Juden aus Deutschland, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei. Der 89-Jährige erschien am Mittwoch in Philadelphia vor einem Richter und soll mindestens bis zum nächsten Gerichtstermin Mitte August in Haft bleiben, sagte eine Anwaltssprecherin. Wegen der Schwere der ihm zur Last gelegten Taten habe der Haftrichter eine Freilassung auf Kaution verweigert. Am 21. August werde es eine gerichtliche Anhörung über die mögliche Auslieferung Breyers nach Deutschland geben.

Deutsche Justiz ermittelt seit 2012

Die deutsche Justiz hatte 2012 ein Ermittlungsverfahren gegen Breyer eingeleitet. Sie wirft ihm vor, als Wachmann im KZ Auschwitz 1944 an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Breyer räumte ein, als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS geworden zu sein, bestreitet aber, als Wachmann in Auschwitz gearbeitet zu haben. Seinen Angaben zufolge diente er in der Nähe von Auschwitz in der Feldartillerie der Waffen-SS und desertierte später von der Einheit.

"Er war nie ein Nazi"

"Er bestreitet jegliche Verwicklung in Kriegsverbrechen", sagte sein Anwalt Dennis Boyle . "Er war nie ein Nazi." Sein Mandant sei zum Kriegsende in sowjetischer Gefangenschaft gewesen. "Er war genau so ein Opfer der Nazis wie jeder andere", sagte Boyle. "Er war kein Freiwilliger in der SS, er wollte nicht in der SS sein, er desertierte von der SS." Über eine Auslieferung Breyers an Deutschland muss letztlich US-Außenminister John Kerry entscheiden.

Boyle verwies auf den schlechten Gesundheitszustand seines Mandanten: Dieser leide unter Demenz und habe Herzprobleme. Nach seiner ersten Nacht im Gefängnis sei er gebrechlich und verwirrt vor Gericht erschienen.

Der in der Tschechoslowakei geborene Mann, der als pensionierter Werkzeugmacher in Philadelphia lebt, ist nach einem Bericht der US-Tageszeitung New York Times der älteste Mensch, der jemals von den USA wegen Nazi-Kriegsverbrechen beschuldigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Breyer 1952, der als Sohn einer Amerikanerin in der Tschechoslowakei geboren wurde, in die USA.

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