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Tino Brandt: Neonazi in Haft wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch

Verdacht auf Kindesmissbrauch  

Prominenter Nazi und mutmaßlicher NSU-Helfer in Haft

26.06.2014, 19:32 Uhr | dpa, AFP

Tino Brandt: Neonazi in Haft wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch. Verdacht auf Kindesmissbrauch und Zuhälterei: Neonazi Tino Brandt (Quelle: Peter Jülich)

Verdacht auf Kindesmissbrauch und Zuhälterei: Neonazi Tino Brandt (Quelle: Peter Jülich)

Der mutmaßliche NSU-Helfer Tino Brandt ist wegen des Verdachts des Kindesmissbrauch festgenommen worden. Gegen Brandt sei am Mittwoch Haftbefehl erlassen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera am Donnerstag, der damit einen Bericht der Online-Ausgabe der "Thüringer Allgemeinen" bestätigte.

Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes habe sich aufgrund von Zeugenaussagen ergeben. Für sexuellen Missbrauch von Kindern droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Vorwurf: missbraucht und an Freier verkauft

Laut "Thüringer Allgemeinen" gibt es detaillierte Aussagen eines zur Tatzeit 15-Jährigen, den Brandt sexuell missbraucht und anschließend an Freier vermittelt haben soll. Gegen Brandt laufen bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Zuhälterei. In diesem Zusammenhang wurde laut Staatsanwaltschaft die Wohnung Brandts in Rudolstadt durchsucht. Die Auswertung der dabei beschlagnahmten Mobiltelefone und Computer sei noch nicht abgeschlossen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock. Dies sei sehr aufwendig.

Nach Informationen der Zeitung wurden darüber hinaus die Wohnungen von mindestens fünf Jugendlichen und Männern durchsucht, die sich im Auftrag Brandts prostituiert haben sollen. Der Zuhälterei-Verdacht ergab sich dem Bericht zufolge während der Betrugsermittlungen, die bereits seit mehr als zwei Jahren gegen Brandt und weitere Beschuldigte laufen.

Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation "Thüringer Heimatschutz", dem zeitweise auch die Mitglieder der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehört haben sollen. Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 soll er sich an der Unterstützung des späteren NSU beteiligt haben.

100.000 Euro vom Verfassungsschutz kassiert

Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100.000 Euro, die er über die Jahre für seine Spitzeldienste erhielt, will er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene benutzt haben. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.

Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht, in dem sich derzeit unter anderem Zschäpe verantworten muss, soll Brandt als Zeuge aussagen. Der Sprecher der Geraer Staatsanwaltschaft sagte, trotz seiner Verhaftung könne Brandt im Prozess vorgeführt werden. Einer früheren Ladung hatte sich der 39-Jährige laut der "Thüringer Allgemeinen" mit einem ärztlichen Attest entzogen.

Dem NSU werden zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Zschäpe soll zusammen mit Böhnhardt und Mundlos, die sich nach einem missglückten Banküberfall im November 2011 das Leben genommen hatten, die rechtsextreme Terrorzelle gebildet haben.

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