Sie sind hier: Home > Panorama > Kriminalität >

Wahnwitzige Mörderjagd in Thailand

Polizei am Pranger  

Wahnwitzige Mörderjagd in Thailand

08.10.2014, 13:50 Uhr | dpa, AP, t-online.de

. Die thailändische Polizei transportiert die Leichen ab. Die nachfolgende Ermittlung sorgt für Aufsehen (Quelle: AFP)

Die thailändische Polizei transportiert die Leichen ab. Die nachfolgende Ermittlung sorgt für Aufsehen (Quelle: AFP)

Zwei britische Urlauber werden in Thailand ermordet, mitten in der Nacht an einem Touristenstrand. Die Besucher sind schockiert, Reiseveranstalter sind unruhig, Diplomaten alarmiert. Doch die Jagd nach dem oder den Tätern ist an Merkwürdigkeiten und Stümpereien kaum zu überbieten.

Hat die Polizei unter dem Druck, schnell Schuldige zu finden und Thailands Ruf als sicheres Touristenland zu retten, arme Wanderarbeiter aus Myanmar zu Sündenböcken gemacht? Amnesty International hat sich bereits eingeschaltet.

Hannah W. (23) und David M. (24) waren jeweils mit Freunden in Thailand im Urlaub. Sie lernten sich auf Koh Tao im Golf von Thailand kennen. Die Insel ist nicht weit von Koh Phangan, wo Touristen jeden Monat alkohol- und drogenreiche Vollmond-Partys feiern. Die beiden gingen am 14. September erst mit Freunden in die AC Bar und später allein zum Strand. Dort wurden sie am nächsten Morgen tot gefunden, ihre Köpfe mit einer Gartenhacke eingeschlagen.

Peinliche Polizei-Posse

Die darauffolgende Ermittlung hat mit seriöser Polizeiarbeit wenig zu tun. "Wie die Ermittlungen gelaufen sind, das ist höchst peinlich für die Polizei", räumt ein ranghoher Beamter in Bangkok ein. "Aber wir haben alle einen Maulkorb bekommen und dürfen uns nicht äußern." Die offizielle Version von Polizeisprecher Krissana Patanacharoen ist diese: "Klar war die Polizei unter Druck, die Schuldigen zu finden, und ich verstehe, dass die Leute die Polizeiarbeit in Frage stellen, aber ich garantiere, dass wir nicht die Falschen festgenommen haben."

Doch daran bestehen berechtigte Zweifel: Erst führte die Polizei der Presse einen Freund von David als Verdächtigen vor, dann Wanderarbeiter, dann rannte ein Schotte um sein Leben, weil, wie er ängstlich berichtete, ein Barbesitzer auf Koh Tao ihm den Mord anhängen wollte. Doch es wurde noch absurder: Ein Taxifahrer sagte Reportern, die Polizei habe ihm Geld versprochen, wenn er zwei Männer belastet.

Dann präsentierten die Ermittler plötzlich zwei 21-Jährige aus Myanmar als Täter. Sie mussten das Verbrechen unter dem Blitzlichtgewitter der Presse am Tatort nachstellen. Inzwischen sagen sie, die Polizei habe ihre Geständnisse mit Folter erpresst.

Amnesty International fordert Untersuchung

Der Fall beschäftigt schon die Menschenrechtsorganisation Amnesty International: "Die Behörden müssen eine unabhängige und transparente Untersuchung einleiten, um Vorwürfe von Folter und Misshandlung zu prüfen", fordert Asien-Direktor Richard Bennett. Amnesty zitierte in einem Bericht einen Anwalt, demzufolge einer der beiden Festgenommenen erklärt haben soll, die Polizei habe ihn "geschlagen und ihm mit Stromschlägen gedroht".

Amnesty erklärte weiter, "zahlreiche Quellen" hätten "über weitere Folterakte und andere grausame, unmenschliche und entwürdigende Behandlung von anderen Migrantenarbeitern aus Myanmar berichtet, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen von der Polizei festgenommen wurden".

Polizei weist Vorwürfe zurück

Der Chef des Ermittlerteams, der thailändische Polizeibeamte Jaktip Chaijinda, wies die Foltervorwürfe zurück. Er sagte, es habe "weder Folter noch Drohungen gegen die Verdächtigen in diesem Fall" gegeben.

Empörte Bürger starten eine Online-Petition mit der Forderung nach internationalen Ermittlern. Bis Mittwoch hat sie mehr als 45.000 Unterschriften. "Die stümperhaften Ermittlungen machen Einheimischen und Ausländern große Sorge", schreibt Initiator Christopher Harkins. "Das Image Thailands steht auf dem Spiel", sagt James Neilson, der in Südthailand einen Bootsverleih betreibt. "Die Regierung hat die Chance zu zeigen, dass sie alles unter Kontrolle hat - hoffentlich verpasst sie die Chance nicht."

Sorge um Tourismusbranche

Weitere Touristeneinbußen wären eine Katastrophe für Thailand. Das Geschäft mit Besuchern macht rund zehn Prozent der Wirtschaft aus. Aber wegen politischer Unruhen und dem Militärputsch im Mai gab es in diesem Jahr schon einen Einbruch. Nach fast 27 Millionen Gästen 2013 kamen in den ersten acht Monaten zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

"Touristen sind sicher in Thailand", versichert der Sprecher des Tourismusministeriums, Narit Kanchanopat. "Das war ein bedauernswerter Einzelfall." Auf Koh Tao sei die Reaktion der Gäste aber spürbar: Es seien abends deutlich weniger Leute in den Kneipen unterwegs. Einen Imageschaden fürchtet er nicht. Zudem werde die Sicherheit erhöht: "Wir werden auf Koh Tao mehr Straßenlaternen installieren und 13 zusätzliche Überwachungskameras", sagt er.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal