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Frontex: Blue Sky M und Ezadeen sind "neuer Grad der Grausamkeit"

Skrupellose Schleuser  

Geisterschiffe sind "neuer Grad der Grausamkeit"

02.01.2015, 14:08 Uhr | dpa, rtr

Frontex: Blue Sky M und Ezadeen sind "neuer Grad der Grausamkeit". Gerettete der "Blue Sky M" - inzwischen ist ein zweites Geisterschiff aufgetaucht (Quelle: Reuters)

Gerettete der "Blue Sky M" - inzwischen ist ein zweites Geisterschiff aufgetaucht (Quelle: Reuters)

Führerlose Geisterschiffe mit Flüchtlingen sind die neue Schleuser-Masche im Mittelmeer. Das sagen die Vereinten Nationen und die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Frontex bezeichnete die Geisterschiffe als "einen neuen Grad der Grausamkeit". Dass Schleuserbanden Schiffe ohne Besatzung und vollgepfercht mit Flüchtlingen ihrem Schicksal überlassen, sei "eine neue Erscheinung dieses Winters". Jedoch seien die internationalen Schleuserbanden schon immer rücksichtslos und menschenverachtend gewesen.

Der Tod von Flüchtlingen auf Booten von Afrika nach Europa werde in Kauf genommen. "Wenn ein nicht seetüchtiges Schiff, das völlig überladen ist, in Seenot gerät, haben die im Lagerraum eingeschlossenen Menschen keine Chance", sagte Frontex-Sprecherin Ewa Moncure in Warschau.

"Das ist ein Multimillionengeschäft", so Moncure über den Schmuggel von Flüchtlingen, die auf eine bessere Zukunft in Europa hoffen. "Aus jedem dieser Flüchtlinge werden mehrere tausend Euro oder Dollar für den Transport auf See gepresst. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie viel bei einem Schiff mit mehreren hundert Menschen zusammenkommt." Für die Schmuggler lohne sich daher die Rechnung, wenn ein ohnehin bereits ausgemustertes Schiff ohne Crew und Treibstoff auf dem Meer zurückgelassen werde.

UN warnen vor neuer Schleuser-Taktik

Auch die Vereinten Nationen haben vor einer neuen Taktik der Schleuser-Banden gewarnt. In den vergangenen zwei Monaten seien verstärkt alte Frachter ohne elektronische Hilfsmittel eingesetzt worden, um heimlich Flüchtlinge nach Europa zu bringen, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks. Die Schleuser seien nach Einschalten des Autopiloten in kleinen Booten geflohen und hätten die Menschen an Bord ihrem Schicksal überlassen. Hintergrund sei das Ende des italienischen Hilfseinsatzes "Mare Nostrum", wodurch eine Überfahrt der Flüchtlinge in kleineren Schiffen gefährlicher werde.

Zwei Geisterschiffe in einer Woche

Am Donnerstag war erneut ein Geisterschiff im Mittelmeer aufgetaucht, nur einen Tag nach dem Notruf der "Blue Sky M" vom Mittwoch. Einsatzkräfte brachten die unter der Flagge Sierra Leones fahrende "Ezadeen" nach eigenen Angaben unter Kontrolle. Das Schiff mit etwa 450 Migranten an Bord sollte in den Hafen der kalabrischen Küstenstadt Crotone geschleppt werden.

Die "Ezadeen" sollte laut Nachrichtenagentur Ansa von einem isländischen Schiff der EU-Grenzschutzmission "Triton" abgeschleppt werden. Der Frachter trieb manövrierunfähig auf die Küste Italiens zu, nachdem ihm der Sprit ausgegangen war. Den Flüchtlingen sei es gelungen, einen Notruf abzusetzen, woraufhin Italiens Küstenwache am Donnerstagabend einen Rettungseinsatz startete.

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