Sie sind hier: Home > Panorama > Kriminalität >

Regensburger Domspatzen: Schmerzensgeld für Misshandlungs-Opfer

Misshandlungen in Domspatzen-Vorschule  

Bistum Regensburg zahlt Opfern Schmerzensgeld

24.02.2015, 16:12 Uhr | dpa

Regensburger Domspatzen: Schmerzensgeld für Misshandlungs-Opfer. In der Vorschule der Regensburger Domspatzen soll es über Jahre zu Misshandlungen gekommen sein. (Quelle: dpa)

In der Vorschule der Regensburger Domspatzen soll es über Jahre zu Misshandlungen gekommen sein. (Quelle: dpa)

Schläge mit der Faust, dem Stock oder dem Schlüsselbund: Wer in der Vorschule der weltberühmten Regensburger Domspatzen nicht gehorchte, musste leiden. Nun hat das Bistum Regensburg beschlossen, die jahrelangen Misshandlungen anzuerkennen. Die Betroffenen erhalten jeweils 2500 Euro. 

Inzwischen lägen Berichte von 72 ehemaligen Schülern aus den Jahren 1953 bis 1992 vor, die so schwer geschlagen worden seien, dass von Körperverletzung auszugehen sei, teilte das Bistum Regensburg mit. Die Betroffenen berichteten von Schlägen, zudem seien sie mit spitzen Bleistiften malträtiert und persönliche Briefe geöffnet worden.

"Symbolische Anerkennung des Leides"

"Das Geld ist keine Entschädigung, sondern eine symbolische Anerkennung des Leides, welches Kindern angetan wurde", sagte der Generalvikar des Bistums Michael Fuchs. Rechtsanwalt Andreas Scheulen aus Nürnberg hatte dem Bistum empfohlen, die Straftaten anzuerkennen, Schmerzensgeld zu zahlen, therapeutische Hilfen anzubieten und aufzuklären, wie es über einen so langen Zeitraum zu den Übergriffen kommen konnte.

"Das Bistum wird sich an den Empfehlungen ausrichten", sagte Generalvikar Fuchs. Er appellierte an weitere mögliche Opfer, sich zu melden. Eine Aufarbeitung der Vorfälle werde von einer unabhängigen Stelle überprüft. Bei den Domspatzen selbst sei das Klima nach den Berichten der ehemaligen Schüler besser gewesen, auch bei dem Knabenchor gab es demnach aber Züchtigung "im Rahmen des Üblichen und zum Teil darüber hinaus".

In permanentem Angstzustand gelebt

Viele der damals acht bis zehn Jahre alten Buben in der Vorschule der Klassen drei und vier hätten in einem permanenten Angstzustand gelebt, heißt es in einem Zwischenbericht des Bistums. So hätten Musiklehrer bei fehlerhaftem Spiel den Klavierdeckel zugeschlagen und die Hände der Kinder dabei verletzt.

Wer sich aus Angst in der Nacht eingenässt hatte, musste dies mit Flüssigkeitsentzug büßen. Hatten die Kinder während der Nachtruhe gesprochen, mussten einige bis zu einer Stunde barfuß im Flur stehen. Bei dem Bericht des Bistums ging es um Prügel, nicht um sexuellen Missbrauch.

Straftaten inzwischen verjährt

Die Vorfälle beziehen sich nahezu ausschließlich auf die Zeit zwischen 1953 und 1992, als der inzwischen verstorbene Priester Johann Meier die Vorschule geleitet hatte. Die Taten seien auch nicht mit dem bis in die 1970er Jahre geltenden Züchtigungsrecht zu vereinbaren, erläuterte der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt Scheulen. "Die Straftaten und auch mögliche zivilrechtliche Ansprüche sind inzwischen jedoch verjährt."

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte bei der Vesper zu seinem Weihejubiläum Ende Januar die Misshandlungen schwer verurteilt. "Zwei der damaligen Verantwortlichen in Etterzhausen und später in Pielenhofen haben den jungen Buben durch ihr Terrorsystem, dessen einzige pädagogische Maßnahme offenbar die körperliche Züchtigung war, die Hölle bereitet." Er könne die Taten nicht ungeschehen machen und die Betroffenen nur um Vergebung bitten.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal