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Kino-Amokläufer von Aurora bekommt keine Todesstrafe

Überraschendes Urteil  

"Batman"-Amokläufer entgeht der Todesstrafe

08.08.2015, 11:24 Uhr | AP

Kino-Amokläufer von Aurora bekommt keine Todesstrafe. Wegen Uneinigkeit unter den Geschworenen konnte der Amokläufer von Aurora nicht zum Tod verurteilt werden. (Quelle: Reuters)

Wegen Uneinigkeit unter den Geschworenen konnte der Amokläufer von Aurora nicht zum Tod verurteilt werden. (Quelle: Reuters)

Dem "Batman"-Amokläufer von Aurora in Colorado bleibt überraschend die Todesstrafe erspart. Stattdessen soll er für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Für viele fällt das Urteil der Geschworenen unerwartet aus. Es erging rund drei Jahre nach dem Amoklauf in einem Kino, bei dem der Attentäter James Holmes zwölf Menschen erschossen hatte.

Der 27-Jährige hat keine Aussicht auf Bewährung, wie ein Richter nach stundenlangen Beratungen der Geschworenen bekanntgab. Die Geschworenen hatten sich nicht einstimmig auf die Todesstrafe für Holmes einigen können. Damit ergeht automatisch ein lebenslanges Hafturteil gegen den Ex-Studenten. Das Strafmaß kam für viele überraschend: Verwandte der Opfer und die Staatsanwaltschaft zeigten sich enttäuscht, im Gerichtssaal brachen etliche in Tränen aus.

Am 20. Juli 2012 war Holmes mit drei Schusswaffen bei der Vorführung des Batman-Films "The Dark Knight Rises" durch den Notausgang in ein abgedunkeltes Kino in Aurora gestürmt. Zwölf Menschen starben, 70 weitere wurden verletzt.

Ist Holmes krank?

An der Täterschaft Holmes', der sich den Beamten damals in voller Kampfmontur vor dem Kino ergab, gab es während des langen Prozesses keinen Zweifel. Der Fall drehte sich in erster Linie um den Geisteszustand des Täters und die Frage, welche Strafe angemessen sei.

Holmes' Anwälte räumten seine Schuld ein, führten seine Bluttat aber auf einen durch Schizophrenie ausgelösten psychotischen Schub zurück. Die Staatsanwaltschaft zeichnete hingegen das Bild eines kaltblütigen Mörders, der den Amoklauf methodisch geplant habe und daher die Todesstrafe verdiene. Dazu verwies sie darauf, dass unter den Opfern ein sechsjähriges Mädchen war, auf das der Täter vier Schüsse abgab.

Noch im Juli hatten die Geschworenen die Verteidigungslinie der Unzurechnungsfähigkeit zurückgewiesen und ihn in allen 165 Anklagepunkten für schuldig befunden. Ehe sie das Strafmaß festlegten, berieten die neun Frauen und drei Männer dann über zwei Tage hinweg rund sechseinhalb Stunden lang.

Geschworene hätten einstimmig entscheiden müssen

Eine von ihnen sagte im Anschluss vor Reportern, ein Jurymitglied habe sich gegen eine Exekution von Holmes ausgesprochen, zwei weitere hätten geschwankt. Eine Entscheidung für die in Colorado kaum angewandte Todesstrafe hätte aber einstimmig gefällt werden müssen.

Im Gerichtssaal ließen die Anwesenden ihren Emotionen freien Lauf. Als das Urteil verlesen wurde, lehnte Holmes' Mutter Arlene ihren Kopf gegen die Schulter ihres Mannes und begann zu schluchzen. Auf den Hinterbänken weinten Polizisten, die damals auf den Notruf aus dem Kino von Aurora reagiert hatten.

Der Fall hätte bereits vor zwei Jahren mit dem gleichen Urteil zu den Akten gelegt werden können. Damals bot Holmes an, sich schuldig zu bekennen, um der Todesstrafe zu entgehen. Doch die Staatsanwaltschaft lehnte das ab. Der Prozess ging weiter - und förderte Details über die Hintergründe des Amoklaufs zutage.

Täter plante Morde genau

So wurde in dem Verfahren ein Tagebuch herangezogen, in dem Holmes heimlich seine Mordabsichten beschrieb. Da er auf unzurechnungsfähig plädiert hatte, musste er sich auf Anordnung des Gerichts hin von Psychiatern untersuchen lassen. Einem von ihnen sagte Holmes, dass er schon seit seinem zehnten Lebensjahr von Tötungsfantasien besessen sei.

Seine Eltern beschrieben ihn im Zeugenstand als ein einst nettes Kind, das sich mit zunehmendem Alter immer mehr abgekapselt habe. Holmes studierte später Neurowissenschaften, brach seine Ausbildung jedoch ab. Er begann Waffen zu Kaufen und Tausende Schuss Munition zu horten. Schließlich soll er das Kino "The Century 16" in Aurora ausgespäht haben, um herauszufinden, zu welcher Vorstellung die meisten potenziellen Opfer strömen würden.

Vor seinem Amoklauf bestückte Holmes seine Wohnung mit zahlreichen Sprengfallen. Die Bomben sollten Polizei und Feuerwehr zum Zeitpunkt seiner Attacke ablenken, doch gingen sie nicht hoch.

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