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Radovan Karadzic wird zu 40 Jahren Haft verurteilt

Wegen Völkermord  

Karadzic zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt

24.03.2016, 17:44 Uhr | dpa, rtr

Radovan Karadzic wird zu 40 Jahren Haft verurteilt. Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic im Gerichtssaal des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. (Quelle: dpa)

Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic im Gerichtssaal des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. (Quelle: dpa)

Vor 21 Jahren ermordeten serbische Truppen in Srebrenica im Osten Bosniens rund 8000 Menschen. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat nun den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic im Zusammenhang mit dem Völkermord für schuldig gesprochen und zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Karadzic war einer beiden Hauptakteure des Massakers.

Der frühere bosnische Serbenführer hat sich nach Auffassung des Gerichts weiterhin bei der Belagerung Sarajewos der Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Zudem habe er Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Teilen Bosniens begangen, urteilten die UN-Richter. Es wird damit gerechnet, dass der 70-jährige Verurteilte in Berufung geht.

8000 Menschen ermordet

Karadzic gilt als politischer Hauptverantwortlicher des Massakers von Srebrenica. Es ist der schlimmste Völkermord in Europa nach 1945. Im Juli 1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die UN-Schutzzone in Ost-Bosnien überrannt und etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

Der heute 70 Jahre alte Karadzic war wegen Völkermords in zwei Fällen angeklagt: Das Massaker von Srebrenica sowie Morde in bosnischen Kommunen wie bei der Belagerung von Sarajewo. Außerdem wurde der frühere Psychiater wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen beschuldigt.

Der ehemalige Serbenführer war 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. Der Prozess gegen ihn, in dem er sich selbst verteidigt hatte und seine Unschuld beweisen wollte, dauerte sechs Jahre lang.

Prozess gegen Mladic läuft noch

Karadzic wollte nach Darstellung der Anklage ein ethnisch reines Groß-Serbien erreichen. Gemeinsam mit dem damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic und Ex-General Ratko Mladic wollte er demnach bosnische Muslime und Kroaten dauerhaft vertreiben. Milosevic war während seines Prozesses 2006 in der Zelle an einem Herzinfarkt gestorben.

Der Prozess gegen Ex-General Mladic soll in diesem Jahr zu Ende gehen. Auch ihm droht wegen des Völkermords von Srebrenica eine lange Haftstrafe.

Keiner Schuld bewusst

Der Bosnien-Krieg kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben. Allein bei der mehr als 44 Monate dauernden Belagerung von Sarajevo wurden mindestens 10.000 Menschen getötet.

Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic: links bei seiner Verhaftung im Jahr 2008 in Belgrad, das Bild rechts zeigt ihn im Jahr 1995. (Quelle: Reuters)Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic: links bei seiner Verhaftung im Jahr 2008 in Belgrad, das Bild rechts zeigt ihn im Jahr 1995. (Quelle: Reuters)

"Radovan bereut nichts", sagte dessen Nachfolgerin an der Spitze des serbischen Teilstaates, Biljana Plavsic, der größten serbischen Zeitung "Blic". Auch heute sieht Karadzic die Serben als von Gott erwähltes "himmlisches Volk", das den muslimischen Bosniaken zivilisatorisch überlegen ist.

Seiner späteren Festnahme entging er jahrelang mit Hilfe des serbischen Geheimdienstes durch seine Metamorphose zum Wunderheiler Dr. Dabic. Der von heimischen Psychologen als Narzisst beschriebene mutmaßliche Kriegsverbrecher lebte mit schlohweißem Rauschbart und mächtigem Haarknoten unbehelligt öffentlich in Belgrad.

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