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Kriminalität: Warum Zehntausende Straftäter auf freiem Fuß sind

Staatsanwalt: Kein Grund zur Panik  

Warum Zehntausende Straftäter auf freiem Fuß sind

21.04.2016, 14:51 Uhr | ag, t-online.de

Kriminalität: Warum Zehntausende Straftäter auf freiem Fuß sind. Allein in Hessen werden 4.500 Straftäter gesucht, gegen die ein Haftbefehl vorliegt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Allein in Hessen werden 4.500 Straftäter gesucht, gegen die ein Haftbefehl vorliegt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahlen erscheinen auf den ersten Blick beunruhigend: Über 4500 verurteile Straftäter, gegen die ein vollstreckbarer Haftbefehl vorliegt, befinden sich derzeit allein in Hessen auf freiem Fuß. Deutschlandweit sollen sogar 100.000 offene Haftbefehle vorliegen, berichtet der "Hessische Rundfunk" (HR) und beruft sich dabei auf das Bundeskriminalamt.

Eine Spitzenposition unter den Bundeländern nimmt Nordrhein-Westfalen ein. Dort waren im März mehr als 24.000 offene Haftbefehle zur Fahndung ausgeschrieben. Viele offene Haftbefehle gibt es auch im relativ überschaubaren Berlin: Dem HR zufolge lag nach Angaben der Senatsverwaltung für Justiz die Zahl im April bei rund 8000.

Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft bezeichnet diese Zahlen als "alarmierend", berichtet der Sender. Der Bundesvorsitzende Rainer Wendt sagte dem Sender, in Deutschland bestehe ein riesiges Vollzugsdefizit. Von einzelnen Straftätern könne sogar Gefahr ausgehen. Müssen sich die deutschen Bürger ernsthafte Sorgen um ihre Sicherheit machen?

Staatsanwalt: "Die hohe Zahl ist ein Scheinriese"

"Keinesfalls", sagt Alexander Badle, Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Die vermeintliche hohe Zahl sei ein "Scheinriese", die Zahlen müsse man differenzieren. Dabei sei es zunächst wichtig zu sehen, welche Delikte sich konkret hinter den Straftaten verbergen und wie es im Einzelfall dazu kam, dass ein Haftbefehl erlassen wurde.

Beispiel Hessen: Rund die Hälfte der 4500 offenen Haftbefehle sind sogenannte Bagatelldelikte aus dem Bereich der leichten bis mittleren Kriminalität: Ladendiebstahl, Schwarzfahren, Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Fahren ohne Führerschein oder Fälle einfacher Körperverletzung.

In der Regel, so Badle, seien die Betroffenen zu Geldstrafen oder gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, hätten sich dem jedoch entzogen. "Als 'Ultima Ratio' wurde dann ein vollstreckbarer Haftbefehl ausgesprochen."

Priorisierte Fahndung bei gefährlichen Straftätern

"Aus dieser Perspektive gesehen relativieren sich die Zahlen schnell", sagt Badle. Die Bürger bräuchten somit auch keine Angst zu haben, dass Tausende von Schwerverbrechern auf freiem Fuß seien und ihre Sicherheit bedrohten.

Gefährliche Straftäter wie Mörder, Vergewaltiger oder Bankräuber nimmt die Polizei mit Hilfe einer priorisierte Fahndung ins Visier. Dass die Beamten dies nicht bei einem Schwarzfahrer leisten könnten, liegt fast auf der Hand.

 (Quelle: Statista) (Quelle: Statista)

(Mehr spannende Grafiken gibt es bei Statista.com)

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