Sie sind hier: Home > Panorama > Kriminalität >

Düsseldorf-Brand: Ramadan-Streit soll Motiv für Brandstiftung sein

Großbrand in Flüchtlingshalle  

Streit um Ramadan könnte das Motiv gewesen sein

08.06.2016, 19:52 Uhr | dpa

Düsseldorf-Brand: Ramadan-Streit soll Motiv für Brandstiftung sein. Bagger reißen die ausgebrannte Halle an der Messe Düsseldorf ab.  (Quelle: dpa)

Bagger reißen die ausgebrannte Halle an der Messe Düsseldorf ab. (Quelle: dpa)

Das Feuer in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft mit einem Schaden von rund zehn Millionen Euro soll auf das Konto zweier Bewohner aus Nordafrika gehen. Auslöser soll ein Streit ums Essen gewesen sein.

Einer der beiden 26-Jährigen sei beobachtet worden, wie er eine brennbare Flüssigkeit auf eine Matratze geschüttet und angezündet habe, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Der andere habe die Tat gegenüber Bewohnern und Journalisten gestanden: "Wir mussten das tun, damit sich etwas ändert", habe er gesagt.

Der Mann gelte als Rädelsführer einer achtköpfigen Gruppe von Unzufriedenen, die schon häufiger in der Halle für Ärger gesorgt habe. Beide Männer, deren Nationalität nicht mitgeteilt wurde, sollen wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung einem Haftrichter vorgeführt werden. Obwohl in der Halle zur Tatzeit auch Menschen schliefen, wertete die Staatsanwaltschaft die Tat nicht als versuchten Mord.

Verdächtige gaben sich als Syrer und Iraker aus

Die insgesamt acht festgenommenen Männer hätten zunächst falsche Nationalitäten genannt und sich als Syrer oder Iraker ausgegeben. Auslöser sei die Mittagessen-Ausgabe gewesen. Die Muslime, die sich nicht an den Fastenmonat Ramadan halten wollten, hätten sich über das aus ihrer Sicht zu dürftige Mittagessen beschwert. "In diesem Bereich ist das Motiv zu suchen", sagte ein Ermittler.

Dem Großbrand sei eine Drohung vorangegangen: Es werde etwas passieren, wenn sich nichts ändere. Einer der Männer aus der achtköpfigen Gruppe sei bereits als nordafrikanischer Intensivtäter registriert und mit Diebstählen und Drogendelikten aufgefallen. 

Durch den Brand wurde die Unterkunft, in der 282 Männer lebten, komplett zerstört. Der Abriss der 6000 Quadratmeter großen Halle der Düsseldorfer Messe habe bereits begonnen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Feuerwehr hatte in der Nacht noch Glutnester gelöscht und war am Morgen abgezogen.

Angespannte Stimmung

In der Halle hätten Christen und Muslime unter einem Dach gelebt, sagte eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Die Stimmung sei schwierig gewesen und habe sich mit Beginn des Ramadans noch verschlechtert. Es sei zu Gewalttätigkeiten gekommen. DRK-Mitarbeiter, Wachleute und Polizisten seien bespuckt und mit Schuhen beworfen worden.

Die ausgebrannte Halle während des Feuers. (Quelle: dpa)Die ausgebrannte Halle während des Feuers. (Quelle: dpa)

Die unterschiedlichen Gruppen hätten sich jeweils benachteiligt gefühlt, obwohl mit einer zusätzlichen Essensausgabe um 22 Uhr auf die Belange der Muslime im Ramadan Rücksicht genommen worden sei. Hinweise auf eine Brandstiftung von außen oder gar einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es nicht. Videoaufnahmen von Bewohnern sollen zeigen, wie das Feuer in einer Ecke der Halle ausbricht.

Probleme mit Zuwanderern aus Nordafrika

In der ehemaligen Lagerhalle der Düsseldorfer Messe waren vor allem Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Nordafrika untergebracht. Beim Ausbruch des Brandes waren den Angaben zufolge etwa 130 Menschen im Gebäude, einige von ihnen schliefen. 28 Flüchtlinge zogen sich leichte Rauchvergiftungen zu. Auch ein Feuerwehrmann und ein Helfer aus der Unterkunft wurden leicht verletzt.

In der Landeshauptstadt gibt es seit einiger Zeit Probleme mit Zuwanderern aus Nordafrika. Beim Auswerte- und Analyseprojekt "Casablanca" hatte die Polizei 2244 Verdächtige aus Nordafrika erfasst, die in der Landeshauptstadt als Trick- und Taschendiebe ihr Unwesen treiben sollen.

Neue Unterkunft für Gerettete

Wegen der Zuständigkeiten beim Bundesamt für Migration waren nordafrikanische Zuwanderer überwiegend Nordrhein-Westfalen zugeteilt worden. Inzwischen gibt es einen Zuweisungsstopp für Flüchtlinge aus mehreren nordafrikanischen Ländern nach NRW.

In Düsseldorf seien derzeit rund 7000 Flüchtlinge untergebracht, sagte Jürgen Riegner vom städtischen Sozialamt. Die Unterbringungssituation sei angespannt. Für die aus der Halle geretteten Bewohner stellte das Land in der Nähe eine Landesunterkunft zur Verfügung.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal