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Talk bei Sandra Maischberger: Warum tötete Niels H.?

"Schlimmster Massenmörder"  

Warum tötete Niels H.? Maischberger-Runde ratlos

14.07.2016, 14:46 Uhr | David Heisig, t-online.de

Talk bei Sandra Maischberger: Warum tötete Niels H.?. Bei "Maischberger" ging es um Krankenpfleger Niels H., der Dutzende Patienten mit einem Medikament tötete. (Quelle: WDR)

Bei "Maischberger" ging es um Krankenpfleger Niels H., der Dutzende Patienten mit einem Medikament tötete. (Quelle: WDR)

Der Krankenpfleger Niels H. soll mindestens 33 Menschen getötet haben. Über Jahre, in verschiedenen Krankenhäusern. Was noch an Grauenhaftem zu Tage kommt – keiner weiß es. Der aktuelle Talk mit Sandra Maischberger versuchte, dem "Warum?" auf den Grund zu gehen.

Es ist eine Horror-Vorstellung: Niels H. verabreicht Patienten Medikamente in einer Dosis, die zu Herz-Rhythmus-Störungen führt. Dann versucht er zu reanimieren, um als kompetenter Retter dazustehen. Mit fatalen, tödlichen Folgen.

Kathrin Lohmann ist die Tochter eines Opfers. Ihre Mutter starb 2003 im Klinikum Delmenhorst. Sie berichtete in der Talkrunde eindringlich, dass sie in der Todesnacht der Mutter ein mulmiges Gefühl gehabt habe. Gegen welche Widerstände der Staatsanwaltschaft sie zwölf Jahre um Aufklärung des Falls kämpfen musste. Wie sie jetzt wieder ins Leben zurück findet. Da bekam man eine Gänsehaut. 

Eine hohe Dunkelziffer

Und man staunte mit welcher Ruhe Lohmann dem Talk folgen konnte. Etwa wenn die Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen über Zahlen sprach. Das Ausmaß der Taten sei noch nicht bekannt. 200 Opfer könnten es sein. H. sei der "schlimmste Massenmörder der deutschen Nachkriegsgeschichte", so Friedrichsen.

Sie sprach von Serienmörder, stellte Begrifflichkeiten dar und gab Einblick in juristische Hintergründe. Sie erklärte, warum H. weiter arbeiten konnte, obwohl er 2006 zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt wurde und Berufsverbot bekam. Die Urteile waren noch nicht rechtskräftig. Der SPD-Gesundheitsexperte und Mediziner Karl Lauterbach erklärte die medizinischen Hintergründe: wie gefährlich das Medikament ist, das H. verabreicht hat. Herz-Rhythmus-Störungen seien "ein Gefühl des Untergangs".

Verdachtsmomente ohne Folgen

Talk-Gast Frank Lauxtermann war Kollege von H. am Klinikum Oldenburg. Er erzählte, welchen Aktionismus H. bei Reanimationen an den Tag legte, wie wenig Interesse er aber an den Patienten an sich hatte. Verdachtsmomente habe es über die Jahre gegeben, man habe sich aber nicht den richtigen Reim darauf gemacht. Man merkte ihm an: Er fühlte sich nicht wohl in seiner Haut.

Lauxtermann habe irgendwann vor der Staatsanwaltschaft aussagen wollen, weil ihn die eigenen Erkenntnisse zu sehr belasteten. Seitdem gelte er als Nestbeschmutzer. Das offenbarte: Verantwortung scheint in der Gesamtschau hin und her geschoben worden zu sein. Dirk Tenzer, Vorstand des Klinikums Oldenburg, wollte das nicht gelten lassen. Sein Krankenhaus sei um lückenlose Aufklärung bemüht. Zum Zeitpunkt der Taten von H. war er noch nicht im Vorstand. Dennoch saßen er und Lauxtermann automatisch auf dem Büßerbänkchen, weil sie nicht erklären konnten, warum die Ermittlungsbehörden bei den ersten Verdachtsmomenten nicht eingeschaltet wurden. 

Keine Antwort auf die gestellte Frage

Die Frage, warum ein Krankenpfleger zum Serienmörder wird, beantwortete die Sendung nicht. Wie auch. Bleibt die wahre Intention laut Friedrichsen doch immer im Täterhirn verborgen. Ein kurzer Ausschnitt aus einem ARD-Interview mit dem "Todesengel" der Charité, Irene Becker, die fünf Patienten tötete, machte es noch verstörender. "Töten klingt sehr hart", meinte sie darin. Sie habe "Lebenszeit verkürzt". Das klang nicht nur für Judith Arlt, die so ihren Vater verlor, zynisch. Lauterbach versuchte zu beschreiben, in welchen extremen Situation sich Pfleger befänden, nur um gleich nachzuschieben, dass das nichts entschuldigen solle. 

"Wir werden sehen wohin das führt"

Maischberger schaffte es nicht, hier intesiver nachzufragen. Sie tastete sich mit ihren Fragen vor: Warum konnte H. nicht gestoppt werden? Klare Antworten gab es hierauf nicht. Alles lief auf ein "hätte, hätte, Fahrradkette" hinaus. "Mit dem Wissen von heute" wäre die Sachlage anders eingeschätzt worden, sagte Tenzer. Friedrichsen betonte, die Ermittlungsbehörden hätten früher eingeschaltet werden müssen. Stattdessen sei H. ein gutes Zeugnis ausgestellt worden. Man sei froh gewesen, ihn los zu sein. Lauterbach bezeichnete das als "absurd". Man hätte H. mit einem klarer definierten Zeugnis den Wechsel an das Klinikum in Delmenhorst schwerer machen können.

Schade ist, dass nur kurz über Konsequenzen für die Zukunft gesprochen wurde. Stichworte wie Kulturwandel, psychologische Unterstützung von Pflegekräften und deren regelmäßige Überprüfung fielen. "Wir werden sehen, wohin das führt", schloss Maischberger die Sendung.

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